Michaela Merz


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Mit dem Bauch entscheiden


Es ist Sonntag, der Wind fegt über den Lago Maggiore und bildet kleine Wellen, ab und zu mit einer weissen Schaumspitze. Ich sitze in meinem Laser, einem kleinen Segelboote für eine Person, wo man auch bei wenig Wind das Füdi nass bekommt. Ich segle von Ascona nach Ronco mit dem Ziel die kleine Insel Brissago zu umrunden und danach mit dem Wind in Rücken zum Hafen von Ascona zurück zu kehren. Continue reading


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Der grüne Daumen


Als Kind wurde ich durch meinen Vater genötigt in seinem Obst- und Gemüsegarten Unkraut zu entfernen. Das war unbequem, langweilig und für mich völlig sinnlos. Ich hätte lieber mit Kollegen gespielt, anstatt zum wirtschaftlichen Erfolg des Hobbygärtnerns meines Vaters beizutragen. Seine Erfolge waren zudem gemischt und mir schienen Aufwand und Ertrag eindeutig zu Gunsten des Aufwandes zu überwiegen. Einmal zur Gartenarbeit verdonnert, gab es kein Entrinnen. Continue reading


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Der kleine Junge aus Oerlikon


Es war ein unglaublich schöner, warmer Nachmittag im späten Mai. Ich bin langsam zu Fuss nach Hause gegangen. Ein Luxus. Normalerweise hetze ich, um rechtzeitig zu Hause zu sein, aber heute war mein Jüngster mit Kollegen schwimmen und ich wusste er kommt spät. Ich musste mich nicht beeilen. Es wartete niemand auf mich.

Ich überquerte den Marktplatz und beobachtete die blühenden Bäume in ihrer unglaublichen Pracht. Die Luft roch nach einer Mischung aus Lindenblüten, Gräsern und leicht süsslich. Es war überhaupt nicht penetrant sondern einladend und besänftigend. Meine Seele und mein Körper waren in wunderbarem Einklang und ich genoss den Augenblick der Unbeschwertheit.

In diese einzigartige Harmonie drang plötzlich eine schimpfende kindliche Stimme. Der Ton war belehrend, herrisch und fast aggressiv. Die Worte waren grob, verletzend und teilweise sogar vulgär. Continue reading


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Die Magie des Bärlauch


Ich finde die Pflanze faszinierend. Meine erste Begegnung mit ihr ist schon eine Ewigkeit her in meiner Kindheit. Meine beste Freundin sagte damals, dass sie mich an einen geheimen Ort führen würde, an den eine magische Pflanze wachse. Ich dürfe dies allerdings niemandem verraten und müsse das beim Leben meiner Eltern schwören. Woah, das war was! Meine Fantasie begann auf Hochtouren zu laufen und ich versuchte mir sowohl den Ort wie auch die magische Kraft der Pflanze vorzustellen. Farbige Bilder eines Urwalds voller Gefahren schossen mir durch den Kopf und ich wähnte mich in der Nähe eines magischen Krautes zu sein, das bis anhin der Welt verborgen geblieben war, aber die Kraft besitzt, so ohne weiteres die Welt von allen Krankheiten zu befreien. Continue reading


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Was im Leben wichtig ist


Ich bin nach Hause geflogen und war ein bisschen zu früh am Flughafen. Da es Mittag war, ging ich in die Flughäfen Kantine, die auch für Auswärtige offen ist. Ich stellte mein kleines Köfferchen bei einem leeren Tisch ab und ging mir meinen geliebten Gurkensalat nach Grossmutters Art holen. Als ich zurückkam, sass an meinem Tisch ein alter Herr und wollte mit seinem Mittagessen anfangen.

Wir grüssten uns, wünschten uns guten Appetit und begannen zu essen. Ein Wort ergab das andere und schon bald waren wir inmitten einer spannenden Diskussion. Ich fragte ihn, wenn ich eine mächtige Fee wäre und er einen Wunsch frei hatte, was würde er sich wünschen. Continue reading


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Warum ich nicht mehr morgens um 6 Uhr schwimmen gehe


Bewegung ist für mich so essentiell wie essen oder schlafen. Ich bin überzeugt, wenn wir uns so viel bewegen würden, wie wir schlafen, könnten wir einen grossen Teil unserer Krankheiten verhindern.

So viel Bewegung in den Arbeitsalltag eines Bürogummis wie ich zu bringen ist schwierig. Danach wartet die Familie, Kinder, Haushalt und für Bewegung muss man sich die Zeit wirklich akribisch einplanen, um es überhaupt umsetzen zu können. Da ich täglich Sport mache, sind Randstunden die einzige Ausweichmöglichkeit. Um 6 Uhr morgens springe ich ins Schwimmbecken und versunken in Wellen und Gedanken drehe ich meine Runden und sitze spätestens um 8 Uhr an meinem Arbeitstisch. Continue reading


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Demut – Besuch in Paraplegikerzentrum in Nottwil


Unser Betrieb ist gross, über 1500 Personen an einem Ort. Da braucht es Nothelfer, falls etwas schief geht. Als die Anfrage kam, wer Lust habe, sich zum Nothelfer ausbilden zu lassen, begann ich nachzudenken. Klar irgendwann auf der Mittelschule habe ich gelernt wie man eine Wunde verbindet, eine Blutung stoppt oder die Herzmassage macht. Das ist ewig her. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es noch heute könnte. Continue reading