Michaela Merz

Die Magie des Bärlauch

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Ich finde die Pflanze faszinierend. Meine erste Begegnung mit ihr ist schon eine Ewigkeit her in meiner Kindheit. Meine beste Freundin sagte damals, dass sie mich an einen geheimen Ort führen würde, an den eine magische Pflanze wachse. Ich dürfe dies allerdings niemandem verraten und müsse das beim Leben meiner Eltern schwören. Woah, das war was! Meine Fantasie begann auf Hochtouren zu laufen und ich versuchte mir sowohl den Ort wie auch die magische Kraft der Pflanze vorzustellen. Farbige Bilder eines Urwalds voller Gefahren schossen mir durch den Kopf und ich wähnte mich in der Nähe eines magischen Krautes zu sein, das bis anhin der Welt verborgen geblieben war, aber die Kraft besitzt, so ohne weiteres die Welt von allen Krankheiten zu befreien.

 

Klar schwor ich ihr mit zwei angespuckten Fingern, dass von mir niemand je ein Wort über diesen Ort erfahren wird und sie nahm mir das Gelübde ab. Wir kannten uns gut und Vertrauen war schon immer Basis unserer Beziehung.

Dann liefen wir noch fast 3 km durch den Wald, vorbei an der ehemaligen Klosterruine. Der Wald begann sehr intensiv nach Knoblauch zu riechen. Plötzlich hielt sie an, bückte sich und riss ein Blatt aus, das wie das Blatt von Maiglöckchen aussah. Sie rieb das Blatt zwischen ihren Fingern und hielt es mir unter die Nase. Es roch wie Knoblauch aber irgendwie milder und angenehmer. Sie erklärte mir, dass man die Pflanze essen könne und als Beweis steckte sie sich das Blatt in den Mund und schluckte. Ich machte es ihr nach und war überrascht über die Intensität des Geschmacks. Sie weihte mich in die Geheimnisse der Pflanze ein und belehrte mich, dass sie tatsächlich in rohem Zustand fast alle Krankheiten heilen könne.

Ich glaubte ihr das natürlich und war froh, eine geheime Waffe zu kennen, die mir in der Not helfen konnte. Was faszinierend ist, ist die Tatsache, dass die Blätter von Bärlauch sehr gut schmecken, jedoch fast identisch mit den Blättern von Maiglöckchen sind, die jedoch giftig sind. Solltet ihr euch also nicht sicher sein, nicht einfach in den Mund stecken.

Meine Gelübde brach ich nie und zeigte niemandem, wo diese Pflanze wächst. Als ich als Erwachsene in ein Haus mit Garten fast 600 km von diesem Ort entfernt einzog, nahm ich einmal eine dieser Pflanzen mit und setzte sie bei mir in Garten. Ist ja praktischer ein Allzweck-Heilmittel im eigenen Garten zu haben. Und der Bärlauch gedieh in meinem Garten prächtig. Langsam hatte ich eine kleine Plantage mit intensivem, angenehmem Geruch und mit einem kleinen Meer von weissen Blumen im Frühling. Die Heilkraft, das habe ich inzwischen auch begriffen, ist leider nicht so toll, aber die Verwendung in der Küche umso facettenreicher.

Letztes Jahr besuchte mich eine Kundin aus Schweden und irgendwie begannen wir über Bärlauch zu sprechen und sie zeigte sich sehr interessiert. Es war gerade Bärlauch Zeit und es roch bei mir im Garten so wunderbar. Dann habe ich zu unserer Besprechung am nächsten Morgen eine Pflanze aus meinem Garten mitgenommen, sie sorgfältig verpackt und ihr mitgebracht. Sie kannte Bärlauch nicht, aber freute sich sehr und wollte es bei sich in den Garten pflanzen.


Dieses Jahr bekam ich im Frühling dieses Bild von ihr.
Meinem Bärlauch geht es in Schweden gut. Er gedeiht und vermehrt sich.

Ich freue mich wie sich in 100 Jahren Jemand den Kopf zerbrechen wird, wie es diese Sorte von Bärlauch an so unterschiedliche Orte in Europa geschafft hat.
Ja Zufall gibt es, da staunt man manchmal.

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