Michaela Merz

Nizza, ein Jahr danach

1 Comment

728973_web_r_by_florentine_pixelio-deIch war seit meiner Kindheit von der Geschichte Ägyptens fasziniert. Ich habe vor Jahren mit meinen beiden damals kleinen Töchtern eine Reise nach Luxor und zum Tal der Könige gebucht. Einen Monat vor unserer Abreise wurden viele Touristen einer Reisegruppe aus der Schweiz bei dem Hatschepsut Tempel in einer gezielten terroristischen Attacke erschossen.


Ein schreckliches Ereignis mit unbeschreiblichem Leid. Ich habe niemand von ihnen gekannt aber ab und zu denke ich an sie. Damals dachte ich keine Sekunde darüber nach, dass wir unsere Reise stornieren sollten. Das hat meine Mutter zu grosser Verzweiflung gebracht. Ich war der Meinung, dass so ein Ereignis überall passieren kann und wir es uns nicht erlauben dürfen, unser Leben in Angst zu leben. Ich hatte damals keine Angst gehabt.

Jetzt war ich ein Jahr nach der Mordattacke auf dem Karneval in Nizza. Ich habe Nizza sehr gerne. Die langgezogene Bucht, der Flughafen, wo man das Gefühl hat, auf dem Meer zu landen, die vielen Strassencafés und Restaurants, Rummel in der Altstadt, Glacéstände, der Hafen, die endlose Lebendigkeit. Auch da würde vor einem Jahr sinnlos getötet und Leid gesät.

Jetzt wollte ich mit meinem Jüngsten den Karneval anschauen. Früher fand er auf der Strandpromenade statt, jetzt wurde der Karneval in einen Park in der Mitte der Stadt verlegt. Das Gelände erinnerte an eine Festung. Überall Mettalgitter, Absperrungen, Strassensperren, Soldaten mit Maschinengewehren. Der Eingang auf das Festgelände war nur durch Metalldetektoren nach einer Taschenkontrolle möglich. Zu viele Leute und zu wenig Eingänge. Es war eng, unangenehm eng, ein richtiges Gedränge.

Nach einer dreiviertel Stunde anstehen, schafften wir es hineingelassen zu werden. Auch drinnen waren überall Absperrungen, Polizei und Maschinengewehre. Und es wurde noch mal enger. Ja, die Parade, die blumengeschmückten Autos, das war toll und mein Jüngster war begeistert. Alles fing mit einer Stunde Verspätung an, da sich die Kontrollen hinzogen.

Nach einer Stunde Défilé war die Parade vorbei und jetzt begannen die Leute die Blumenwagen zu begleiteten, die Blumen ins Publikum zu werfen. Ich wollte weg, aber es war schwierig bis unmöglich. Die Durchgänge waren eng und überall versperrten die Metallgitter den Weg. Teilweise könnten wir uns weder nach vorne noch nach hinten bewegen. Mein Jüngster bekam in der Mitte der unbeweglichen Masse der Leute Angst und obwohl mir ebenfalls nicht wohl war, versuchte ich ihn zu beruhigen. Wenn da jetzt Panik ausgebrochen wäre, derjenige, der umgefallen wäre, hätte kaum eine Chance gehabt, es zu überleben.

Irgendwie haben wir es nach draussen geschafft. In der Stadt herrschte Ausnahmezustand und an jeder Ecke patrouillierte die Polizei oder das Militär. Ich fand es bedrückend und deprimierend. Feststimmung ist bei mir nicht aufgekommen aber per Zufall standen wir vor dem Museum der modernen Kunst und das war ein wunderbarer Zufluchtsort. Obwohl man auch da erst die Metalldetektoren passieren musste, war das Museum ohne Militär, Polizei und Waffen wunderbar leer. Die bunten Statuen von Niki de Saint Phalle erinnern mich an den Karneval. Es war beruhigend und erholsam. Wenn der Karneval in Zukunft hinter Gitter und Absperrungen stattfinden wird, dann ohne mich. Ich fühle mich nicht wirklich wohl dabei.

Bildquelle: Florentine / pixelio.de

One thought on “Nizza, ein Jahr danach

  1. Interessanter post. Ja, es ist schade wie sich die Zeiten aendern. Ich war Tage vor der ersten Attacke in Frankreich in Nizza. Da war scheinbar die Welt noch in Ordnung und ich habe unseren Urlaub und die Atmosphaere dort sehr genossen.
    In ein paar Monaten sind wir wieder in Nizza, wird bestimmt nicht so sein wie vorher aber dennoch fahren wir hin. Man darf sich sein Leben nicht von Spinnern diktieren lassen.

    Like

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s