Michaela Merz

Warum ich nicht mehr morgens um 6 Uhr schwimmen gehe

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Bewegung ist für mich so essentiell wie essen oder schlafen. Ich bin überzeugt, wenn wir uns so viel bewegen würden, wie wir schlafen, könnten wir einen grossen Teil unserer Krankheiten verhindern.

So viel Bewegung in den Arbeitsalltag eines Bürogummis wie ich zu bringen ist schwierig. Danach wartet die Familie, Kinder, Haushalt und für Bewegung muss man sich die Zeit wirklich akribisch einplanen, um es überhaupt umsetzen zu können. Da ich täglich Sport mache, sind Randstunden die einzige Ausweichmöglichkeit. Um 6 Uhr morgens springe ich ins Schwimmbecken und versunken in Wellen und Gedanken drehe ich meine Runden und sitze spätestens um 8 Uhr an meinem Arbeitstisch.

Noch vor Jahren war dies eine einsame Angelegenheit, wo ich immer wieder den wenigen, gleichen Leuten begegnete. Wir kannten uns und grüssten uns alle. Diese Zeiten sind vorbei. Der Dichtestress hat auch vor dem Hallenbad nicht Halt gemacht. Um 6 Uhr morgens sind zwei Schwimmbahnen für Athleten gesperrt und die restlichen überfüllt.

Das Problem ist die Geschwindigkeit. Nicht alle sind gleich schnell. Überholen in abgegrenzten, schmalen Schwimmbahnen, ist gar nicht einfach und sehr oft ohne Körperkontakt nicht möglich.

Ich bin nicht langsam und kann problemlos eine Stunde in hohem Tempo kraulen. Aber verglichen mit jungen Männern zwischen 20 und 30 Jahren, bin ich ein Schneck, der überholt werden muss. Dabei werde ich geschlagen (unabsichtlich), getreten (schmerzhaft) und gekickt. Beim Einatmen wird mir eine Wasserwelle in den Mund gewürgt. Von meditieren oder erholen kann mittlerweile keine Rede mehr sein.

Diese jungen Männer sind rücksichtslos. Vielleicht ist es das Testosteron und vielleicht nur eine schlechte Kinderstube. Das Resultat ist jedenfalls grässlich. Sie sind grösser und muskulöser als ich, entschuldigen sich nie und ich trage aus meinem Schwimmstunden blaue Flecken nach Hause. Das gilt für die Tage von Montag bis Freitag. Das Wochenende ist herrlich einsam, da schlafen sie nehme ich an nach einer anspruchsvollen Party.

Schweren Herzens musste ich den Entschluss treffen, dass das Schwimmen so keinen Spass macht. Darum kann man mich unter der Woche um 6 Uhr morgens im Wald beim Joggen treffen. Schwimmen ist leider nur was für das Wochenende oder sobald die Seetemperatur ansteigt, dann wieder draussen.

Man könnte es auch den Verdrängungskampf der Stärkeren und Rücksichtslosen nennen.

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

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