Michaela Merz

Demut – Besuch in Paraplegikerzentrum in Nottwil

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Unser Betrieb ist gross, über 1500 Personen an einem Ort. Da braucht es Nothelfer, falls etwas schief geht. Als die Anfrage kam, wer Lust habe, sich zum Nothelfer ausbilden zu lassen, begann ich nachzudenken. Klar irgendwann auf der Mittelschule habe ich gelernt wie man eine Wunde verbindet, eine Blutung stoppt oder die Herzmassage macht. Das ist ewig her. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es noch heute könnte.

Ich dachte noch einmal nach. Ich habe ein Team von 70 Leuten. Ich bin dafür verantwortlich, Ihnen zu helfen, das Beste aus sich herauszuholen, sich zu hervorragenden Spezialisten zu entwickeln. Was wäre aber wenn einer ohnmächtig würde? Könnte ich helfen? Nein, das hätte ich damals nicht. Darum habe ich mich angemeldet.

Die Ausbildung zum Nothelfer war spannend. Einiges hat sich geändert, vieles ist bei mir vergessen gegangen und viel Neues ist dazu gekommen. In der Not könnte ich helfen. Das Wissen geht aber verloren, wenn man es nicht benutzt. Darum muss jeder Nothelfer jedes zweite Jahr eine Auffrischung machen. Darum bin ich nach Nottwil gefahren. Nottwil ist bekannt für sein Paraplegiker-Zentrum. Dort hat der Auffrischungskurs stattgefunden. Die Kaffeepause haben wir in der Mensa zusammen mit den Patienten verbracht. Das war bedrückend und ermutigend zu gleich. So viele Menschen im Rollstuhl zu sehen, von ganz, ganz jung bis ganz alt lehrt Demut.
Über Mittag habe ich beobachtet, wie einige von ihnen die Rampe von den oberen Stöcken zum Speisesaal im Parterre mit höllischer Geschwindigkeit und Lachen in Augen in ihren Rollstühlen rasen.

In der Nachmittagspause stand ich draussen. Der Frühling ist nämlich gekommen und ich beobachtete die Patienten wie sie auf dem Sportplatz in ihren Rollstühlen die Runde drehen.

Die Weiterbildung habe ich mit Erfolg beendet. Ihr müsst keine Angst haben neben mir ohnmächtig zu werden. Ich weiss Bescheid. Die grösste Erkenntnis, die ich aber mitgebracht habe, war Demut. Demut vieles zu haben, was andere nicht mehr haben und das Wissen, dass dies alles andere als selbstverständlich ist.

Bildquelle: Schweizer Paraplegiker-Stiftung

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