Michaela Merz


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Montreux Jazz Festival – Jungbrunnen für Anfänger


Ich habe über das Festival so viel gelesen, dass ich dachte ich muss es mir mal anschauen. Ich wählte Gilberto Gil, Margareth Menezes und Mart’nàlia als musikalischen Höhepunkt.

Ich war schon paar Mal vorher in Montreux aber bis anhin habe ich das Städtchen als wunderschöne, überschaubare Idylle für das fortgeschrittene Alter empfunden. Darum waren meine Erwartungen an das Festival hoch und jene an das Städtchen eher bescheiden.

Ich konnte eines der begehrten Billette kaufen aber erst bei der Planung wurde mir bewusst, dass ich es nicht schaffen würde nach dem Konzert nach Zürich nach Hause zu kommen.

Die Suche nach einer Unterkunft erwies sich als schwierig, weil eine ähnliche Idee wie ich hatten auch unzählige Andere. Wenn Not herrscht sollte man nicht wählerisch sein. Ich buchte eine nicht billige Unterkunft mit Seesicht näher zum Schloss Chillon als zum Stadtzentrum. Bei der Ankunft zeigte sich, dass das Hotel eigentlich ein Pflegeheim ist. Alles war Rollstuhlgängig. Die Türrahmen ungewöhnlich breit und von der Bauweise und den Möbeln war klar, dass es für ein Publikum gebaut wurde, zu dem ich hoffentlich erst in paar Jahrzehnten gehören werde.

Die See Sicht aus meinem Zimmer war atemberaubend, die Nettigkeit der Leute im Haus aussergewöhnlich. Ich habe mich wie bei Grossmuttern gefühlt. Wohlig und aufgehoben. Sogar der Fitnessraum war speziell. Mit Blick auf den See und die Berge hüpfte ich schwitzend mit Ruhe in der Seele auf der Trampolin, dankbar für das Privileg diesen Ort gefunden zu haben.

Nach einer Dusche machte ich mich auf den Weg zum Konzert und ich realisierte bald, dass Montreux sich in einen einzigen Freudekessel verwandelt hatte. Überall gut gelaunte, lachende und zufriedene Leute. Ein Andrang wie am Hauptbahnhof zu Spitzenzeiten aber ohne jegliche Hektik. Ausgelassenheit, Sommer, physische und menschliche Wärme. Überall Musik.

Ich trank Rosé Champagner, fieberte beim Konzert mit und die Zeit ist wie im Nu verflogen. Kurz nach Mitternacht als das Konzert zu Ende war hatte ich gar keine Lust nach Hause zu gehen. Das war auch nicht nötig. Die Strassen, Clubs, Promenaden, Restaurants waren voll als ob es alles jetzt erst angefangen hätte.

Ich tanzte mich durch die Nacht bei verschiedenen Musikstücken, schloss mich einer Gruppe ausgelassener Leute an, die mehrere Sprachen benutzten von denen ich nur knapp die Hälfte beherrsche. Egal. Das war nicht nötig. Es war wie ein Befreiungsbad. Sorgen, Alltag, Morgen und Übermorgen wurden weggespült. Ein Jungbrunnen für Anfänger. Irgendwie war ich wieder 18, unbeschwert, ohne Pflichten und Verantwortung lebend nur im Jetzt.

Nur ungern habe ich mich als die Nacht sich in Tag wandelte verabschiedet und bin ins Bett. Ich bin sofort eingeschlafen wie ein Murmeltier.

Über die künstlerischen Qualitäten kann ich nicht viel berichten. Davon verstehe ich auch nichts. Aber gefallen hat es mir und Tausenden anderen sehr. Falls ihr einen Tipp für Jungbrunnen der Seele sucht, kann ich das Montreux Jazz Festival nur empfehlen.


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Montreux Jazz Festival _ Youth fountain for beginners


I have read so much about the festival that I thought I must go and have a look. I chose Gilberto Gil, Margareth Menzes and Mart’nàlia as the musical highlight.

I had already been in Montreux a few times, but up to now I had always experienced the little town as a wonderful, manageable idyll for those of advanced age. Therefore, my expectations of the festival were high and of the town rather modest. Continue reading


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The football team trapped in the caves in Thailand


Meditation for the boys and their trainer in the caves (6. July). (Imagesource: Rungroj Yongrit / EPA)

13 people are trapped in a cave in Northern Thailand. They climbed in and then the flood came. To save themselves they had to climb deeper into the cave. The water followed them. After 9 miserable days they were found. But to find them more than 100 rescuers were required, including divers with special training. It is not easy for the youths to get out, because between them and daylight there is a lot of water. They first have to learn to dive to get out again. That may take weeks. I think of them, because the story sounds so crazy that you can scarcely believe it. But I see the pictures of the emaciated youths sitting on the floor in the dark and know that real life is crazier than any story.

I think not only of the youths, but also of their parents. Who are waiting, desperate, helpless, somewhere near the entrance to the cave system. The fear that they will never see their children alive again, hangs on them like a millstone. Continue reading


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Das eingeschlossene Fussballteam in den thailändischen Höhlen


Thailändische Schüler meditieren für die in der Höhle eingeschlossenen Jungfussballer (6. Juli). (Bild: Rungroj Yongrit / EPA)

12 Jugendliche und ihr Trainer sind im Norden von Thailand in einer Höhle eingesperrt. Sie sind hineingeklettert und dann ist die Überschwemmung gekommen. Um sich zu retten sind sie immer tiefer in die Höhle abgestiegen. Die Wasser verfolgte sie. Nach elendlangen 9 Tagen wurden sie gefunden. Aber um sie zu finden waren über 100 Einsatzkräfte benötigt inklusive speziell ausgebildete Taucher.

Einfach so können die Jungs nicht wieder raus, weil zwischen ihnen und dem Tageslicht ziemlich viel Wasser steht. Sie müssen erst tauchen lernen um wieder rauszukommen. Das kann Wochen dauern. Ich denke an sie, weil die Geschichte so verrückt klingt, dass es fast nicht zu glauben ist. Aber ich sehe die Bilder von den abgemagerten Jungs am Boden sitzend in der Dunkelheit und weiss, dass das wahre Leben verrückter ist als jede Geschichte.

Ich denke nicht nur an die Jungs, sondern auch an ihre Eltern. Die irgendwo bei dem Eingang des Höhlensystems verzweifelt, hilflos warten. Die Angst, ihre Kinder nie mehr lebend zu sehen wird, sitzt ihnen im Nacken.
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Kindererziehung


Ich hatte mich nie getraut jemand Ratschläge zu erteilen, wie man Kinder richtig erziehen soll. Ich habe in der Vergangenheit viel mit Kindern gearbeitet. Ich habe 4jährigen das Skifahren beigebracht, Sommerlager geleitet, Gruppen von Pubertierenden mit Lernschwächen Wissen beigebracht. Dazu habe ich eigene Kinder.

Meine Erkenntnis aus den Jahrzehnten ist jedoch, dass ich sehr glaubwürdig und emotional tief engagiert bin, sofern mir etwas sehr wichtig ist. Das kommt dann auch an.

Für mich ist zum Beispiel physische Gewalt absolut nicht akzeptabel. Ich kann mir nicht vorstellen jemanden zu schlagen, nur weil er meine Werte nicht teilt oder Mist gebaut hat. Continue reading


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Bringing up children


I had never dared to give anyone advice on how to bring up children properly. In the past I have often worked with children. I’ve taught 4-year olds to ski, run summer camps, helped groups of pubescent teenagers with learning difficulties. Then I have my own children.

The lesson I have learned from the past decades is that I am very credible and emotionally very involved, if something is very important to me. That works.

For example, for me physical violence is absolutely not acceptable. I cannot conceive that I would strike someone, simply because he does not share my values or done something stupid. It was therefore for me extremely important that my children did not hit one another. Continue reading


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Formula E in Zürich


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Ich gebe es zu, ich habe noch nie verstanden, wie sich Menschen dafür begeistern können in der prallen Hitze zuzuschauen, wie schnelle Autos in endlosen Schleifen an ihnen vorbei rasen. Immer wieder. Wzum, Wzum, Wzum.

Ich habe nie Einwände vorgebracht, wenn einer der mir vertrauten Herren den Sonntagnachmittag bei bestem Wetter daheim vor dem Fernseher verbringen wollte. Jeder von uns hat komische Vorlieben. Continue reading