Michaela Merz

Was im Leben wichtig ist

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Ich bin nach Hause geflogen und war ein bisschen zu früh am Flughafen. Da es Mittag war, ging ich in die Flughäfen Kantine, die auch für Auswärtige offen ist. Ich stellte mein kleines Köfferchen bei einem leeren Tisch ab und ging mir meinen geliebten Gurkensalat nach Grossmutters Art holen. Als ich zurückkam, sass an meinem Tisch ein alter Herr und wollte mit seinem Mittagessen anfangen.

Wir grüssten uns, wünschten uns guten Appetit und begannen zu essen. Ein Wort ergab das andere und schon bald waren wir inmitten einer spannenden Diskussion. Ich fragte ihn, wenn ich eine mächtige Fee wäre und er einen Wunsch frei hatte, was würde er sich wünschen.

Er überlegte nicht lange und sagte, er wäre gerne noch mal 20 Jahre alt und gesund um das Ganze noch einmal zu erleben. Ich wollte wissen, ob er meint etwas verpasst zu haben. Er verneinte. Er sagte, sein Leben war einfach toll. Er hatte unheimliches Glück gehabt, eine Arbeit zu machen, die ihn faszinierte und völlig erfüllte. Ferien hatte er nicht gerne gehabt und er hatte sich ein jedes Mal gefreut, in seinen Turm zurückzukehren. Ich wurde neugierig und wollte wissen, welchen Beruf er denn ausgeübt hatte. Er erzählte, dass er während mehr als 30 Jahren, die Flugbewegungen am Flughafen geleitet hatte. Er erzählte auch von Fällen, wo er der Letzte gewesen war, der mit einem Pilot gesprochen hatte, bevor dieser abgestürzt und gestorben sei. Zwei solche Ereignisse hatte es in seiner Karriere gegeben und seine Erzählung war so plastisch, als wäre es gestern passiert und nicht vor 50 Jahren.

Ich wollte wissen, wie alt er sei. Er war 93 Jahre alt und seit 30 Jahren pensioniert. Noch immer war er fast jeden Tag am Flughafen anzutreffen.

Wenn das Glück des Lebens in einem erfüllten Arbeitsleben liegt, was ich gerne glaube, dann frage ich mich immer öfter, ob wir es wirklich schaffen werden allen denen, die durch Digitalisierung ihre Arbeit verlieren werden, eine andere erfüllende Arbeit zu geben. Vielleicht wird es eine Generation der Verlierer geben und vielleicht schaffen wir es als Menschheit einen guten Plan für alle zu haben. Wir werden es sehen.

Zum Abschied sagte er mir, dass er fast täglich so um die 12.30 hier in der Kantine anzutreffen sei. Er werde mir ein Platz frei halten. Ich freue mich.

Bildquelle:  Dieter Poschmann  / pixelio.de

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