Michaela Merz

Die verlorene Grossmutter

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61657_web_r_by_matthias-weggel_pixelio-deIch war nicht spät dran, eher perfekt in der Zeit für meine nächste Besprechung. Da sprach eine Dame mich an und fragte, ob ich wisse, wo die Regina Kägistrasse sei.

Nein, ich hatte keine Ahnung.

Die Frau war vielleicht knapp 80 Jahre alt, hatte eine graue Mütze über ihr welliges, grau-weisses Haar getragen und hellblaue Augen, die wie ein verschwommener See wirkten. Sie erinnerte mich sehr an meine vor langem verstorbene, geliebte Grossmutter.

Ich hatte keine Ahnung, wo die Strasse sein könnte und eigentlich keine Zeit, aber wer hilft ihr wenn nicht ich? Ich bat um etwas Geduld und mit Hilfe von Google Maps war schnell klar, dass sie noch 7 Minuten zu Fuss gerade aus und dann 2 Strassen nach rechts muss, um ihr Ziel zu erreichen. Ich erklärte es ihr, sie bedankte sich und ich marschierte in die Tiefgarage zu meinem Auto.

Als ich herausfuhr und nach rechts abbog, sah ich sie in der Mitte des Trottoirs in die völlig falsche Richtung laufen. Es war neblig und bitterkalt. Ich hielt in der Mitte der Strasse an, sprang aus dem Auto und bot ihr an, sie mitzunehmen. Sie war erleichtert und dankbar. Sie stieg ein, wir übten ein bisschen mit dem Sicherheitsgurt und ich konnte los fahren. Höchste Zeit, da sich hinter mir schon eine lange Autokolonne gebildet hat. Innert weniger Minuten hatten wir die Strasse gefunden, ich half ihr auszusteigen und fuhr zu meiner Besprechung.

Ja ich kam zu spät. Aber heute war es mir egal. Es gibt wichtigere Sachen im Leben als pünktlich zu sein.

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