Michaela Merz

Kanufahren und Schlittschuhlaufen im November

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OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin Tag ohne Bewegung ist ein verlorener Tag. An den wenigen Ausnahmetagen, wenn ich mich nicht bewegen kann, leide ich und meistens auch alle rund um mich. Ich bin nämlich dann launisch, unerträglich und einfach grauenhaft. Es ist wie bei einer Sucht. Wenn der Körper seine Tagesration nicht bekommt, beginnen chemische Prozesse zu laufen, die mich als Person ungeniessbar machen.

Und da mir zurzeit das Laufen untersagt ist – und das ist schon schlimm genug – bin ich gezwungen auf andere Sportarten auszuweichen. Laufen ist einfach. Man zieht Hose, T Shirt, Schuhe an und wenn es dunkel ist halt eine Strinlampe und innerhalb von einer halben Stunde hole ich mir mein tägliches Pensum. Ausser mit Gymnastik in der vertrauten Stube, sind alle Sportarten zeitlich und materiell aufwendiger und im Herbst und Winter, wo die Tage kurz sind, gar nicht so einfach in den Tagesrhythmus reinzubringen. Das Wochenende ist dann eine ersehnte Rettung, wo ich dann mit meinem Jungen all das nachhole, was unter Woche zu kurz kam.

Wir haben uns ein aufblasbares Kanu gekauft. Das ist eine tolle Sache, die auch ich als technisch wenig begabte innerhalb von 15 Minuten aufzustellen schaffe. Und so waren wir am Samstagnachmittag mit unseren Booten auf dem Greifensee. Es ist jedes Mal anders. Es war sehr sonnig aber windig. Der Schiffverkehr wurde Ende Oktober eingestellt. Der See war wunderbar leer, aber nicht ganz ruhig, da der Wind kleine Wellen hineinzauberte. Wir haben gut gestaunt, wer alles am See unterwegs war. Dass das Ufer an so einem sonnigen Tag voll ist, ist fast immer der Fall, aber das wir im 12 Grad kalten Wasser einer Schwimmerin so weit von Ufer begegneten war eher überraschend. Dann hat es noch die letzten zwei Segelboote gegeben, die wahrscheinlich am Abend für die Überwinterung aus dem Wasser rausgezogen wurden. Auch ein junger Mann in Shorts auf einem Stand-up Paddling Board hat uns überholt. Und dann kam das kleine Kajak mit einem etwas mollig wirkenden Herrn im besten Alter. Er war sehr sportlich unterwegs und überholte uns ebenfalls. Und plötzlich aus dem nichts, macht er eine Eskimorolle. Er dreht sich um die eigene Achse, um 360 Grad, verschwand unter Wasser und innerhalb von Sekunden tauchte er wieder auf. Wir waren beide schwer beeindruckt. Plötzlich waren aber alle weg und wir waren auf dem Wasser Mutter Seelen allein. Ich und mein Junge. In der Ferne die verschneiten Berge, die langsam untergehende Sonne und eine umfassende Stille. Mir wurde bewusst, dass wenn die Sonne weg ist, es echt kalt wird. Ich befahl umzudrehen und zurückzufahren. Aber mein Jüngster hatte keine Lust mehr zurück zu paddeln. Ich musste mir etwas einfallen lassen, weil er begann zu reklamieren und plötzlich fand er die Idee mit dem Kanuausflug doof und wollte nicht mehr. Ich überlegte nur kurz und begann ihm eine Geschichte zu erzählen über einen kleinen Jungen, der eine Flasche gefunden hatte. In der Flasche war EINE Jeannie, die ihm jeden Wünsch erfüllte nur fast immer lief dabei irgendetwas schief. Zum Beispiel als er sich Gummibären wünschte, zauberte sie so viel her, dass er sich in seinem Zimmer gar nicht mehr bewegen konnte wegen all den dicht gedrängten Gummibären, von Verlassen des Zimmers ganz zu schweigen. Da mein kleiner die Geschichte ganz lustig fand und mithören wollte, musste er immer auf meiner Höhe sein, damit er mich verstand. So musste er paddeln ohne dass ich ihm 6-mal pro Minute wiederholen musste, dass er paddeln soll. Erst dann bemerkten wir, wie weit wir eigentlich von unseren Ausgangspunkt waren. Es war noch ein rechtes Stück zurück, aber wir haben es knapp geschafft bevor die Sonne endgültig verschwand. Und als die Sonne weg war, war es im November bitterliche 5 Grad kalt.

Am Sonntag entschieden wir uns für Schlittschuhfahren. Die Sonne schien nur ein bisschen, aber es machte den Eindruck, dass sich halb Zürich entschieden hatte im Dolder Schlittschuhfahren zu gehen. Es war voll, aber wie voll. Dazu noch ein Weihnachtsbaum in der Mitte der Eisfläche und das am 9. November!! Wir zogen die Schlittschuhe an und warfen uns in die Menge. Auf der Eisfläche erkennt man schnell die “Girls”, die in Eiskunstlauf gehen. Man erkennt sie an ihren Kleidern und Schlittschuhen und sie sind fast immer in der Mitte der Eisfläche anzutreffen. Ebenfalls gut zu erkennen die Jungs, die Hockey spielen. Mit ihren abrupten und richtig künstlerischen Manövern auf dem Eis, quasi unterwegs mit quietschenden “Reifen” unübersehbar unterwegs. Und dann gibt es noch die älteren Jahrgänge, die irgendwann einmal vor 20, 30 und mehr Jahren auf dem Eis als Eiskunstprinzessin oder Hockey Profi brilliert hatten. Sie sind stolz auf das, was sie immer noch können und wollen es mit allen teilen. Das ist toll und unterhaltsam, wenn die Eisfläche halb leer ist, aber an Tagen wie diesen ist es relativ anspruchsvoll. Wobei man ziemlich schnell merkt, dass die Leute ohne grosse Regulierung auch bei grossen Mengen sich in dem Bewegungschaos zurechtfinden. Obwohl die Kleinen zu Boden stürzen, die Eiskunstprinzessinnen plötzlich stehen bleiben, die wilden Jungs mit höllischem Tempo gegen den Strom fahren, zu Kollisionen kommt es nur extrem selten und das auch am Tagen wie diesen.

Wir bekamen rote Backen so wie am Tag zuvor am Wasser und wir wechselten Stille und Einsamkeit gegen Menschenmassen, Musik aus der Konserve und Gelächter der Teilnehmer. Beides hat Spass gemacht, für die nächste Woche sind wir gewappnet.

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