Michaela Merz

Männer und ihre Spielzeuge

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Unser lediger Nachbar mit jeder Menge gut aussehender Freundinnen, die im Jahresrhythmus wechseln, hat sich einen Porsche gekauft. Ich habe es seinem bestimmten Alter zugeschrieben. Er beharrte darauf mir die Vorzüge seines Autos vorzuführen. Die Sportsitze sind nicht wirklich bequem, das Ein- und Aussteigen in diese tiefliegenden Autos ist nur mit Hosen und flachen Schuhen einigermassen elegant möglich. Innen ist es beim Fahren laut und man spürt den Strassenbelag. Dazu kommt, dass der Kofferraum winzig klein ist, etwa für eine grössere Damentasche. Kurz zusammengefasst, unbequem und unpraktisch. Aber Hauptsache der Nachbar hat seinen Spass!!

Neuerdings ist er der Meinung, dass er mehr für seine eigene Gesundheit machen muss und hat sich ein Mountainbike gekauft. Jetzt fährt er am Wochenende am Tag Velo und am Abend führt er seinen Porsche Gassi.

Vor 14 Tagen habe ich ihn gesehen, wie er sein neues Velo nach Hause gebracht hat. Er war Feuer und Flamme für diesen Höhepunkt der Technik und wollte von mir Lob hören. Ich muss sagen, das ist schon ein beeindruckendes Stück menschlichen Erfindergeists. Sein Rennvelo wiegt knapp 5 Kilo und hat ein Vermögen gekostet. Es ist federleicht. Einfach der Sattel ist wie so oft die materialisierte Unbequemlichkeit.

Es war bitter kalt, die Temperaturen immer noch im Minusbereich, aber der Nachbar wollte unbedingt sein Strassenvelo ausprobieren.

Ich sagte, dass wenn er in Schwierigkeiten gerät, sollte er mich anrufen und ich komme ihn retten. Aber ich meinte es als Witz und habe es sofort vergessen.

Drei Stunden später ein Anruf. Der Nachbar. Er steht in der Nähe von Wollerau und hat einen Platten. Er wollte wissen, ob mein Angebot ernst gemeint war und ob ich ihn nicht holen könnte. Klar habe ich ihn geholt. Er war ein bisschen angefroren, da das Warten bei diesen eisigen Temperaturen mit leichter Bekleidung sehr kalt war. Er bedankte sich überschwänglich. Beim Abschied sagte ich ihm, dass ich nichts Lustigeres finde als jemanden vor dem Erfrieren zu retten und sollte er je wieder mit seinem Velo in Schwierigkeiten sein, soll er sich an mich wenden.

Und dann Sonntag eine Woche später, der Frühling ist endlich gekommen und ich bin los um Velo zu fahren. Das Telefon klingelte und wieder der Nachbar. Es war ihm offensichtlich sehr peinlich. Er sagte, dass er seine 33 Kollegen angerufen hat, aber alle sind am Skifahren, in Paris oder sonst wo in der weiten Welt unterwegs und jetzt ist seine Batterie bald leer. Er wollte wissen, ob ich nicht kommen könnte, um ihn und sein Velo zu holen, da er wieder einen Platten hatte.

Dann habe ich unseren Nachbarn das zweite Mal gerettet. Diesmal beim Greifensee. Männer und ihre hochempfindlichen Spielzeuge!!!

Schauen wir mal, was das nächste Wochenende bringt.

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