Michaela Merz

Die richtige Berufswahl

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Ich weiss nicht, wie man den richtigen Beruf wählt. Ich hatte Glück und habe meinen Beruf gefunden. Ich bin mit Leib und Seele eine Unternehmerin. Ich liebe es, Leute zu motivieren, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Es macht mir Spass Ausnahmetalente heran zu ziehen und zu ihrer Entwicklung beizutragen und gleichzeitig von ihnen zu lernen. Ich geniesse es, in die Zukunft zu blicken, die Gegenwart zu analysieren, Trends zu erspähen und eine Richtung zu wählen und meine Ziele bis zum Ende führen.

Schwierigkeiten spornen mich an und das Unmögliche reizt mich als Herausforderung. Gepaart mit den intellektuellen Inhalten, die es zu knacken gibt, ist dies einfach ein Privileg, das ich täglich lebe.

Als Kind wollten die Nachbarsjungen Lokführer werden, später dann Piloten. Die Mädchen träumten von einer Schauspieler- oder Krankenschwesterkarriere. Mein Jüngster wollte als er noch ganz klein war auch Helikopterpilot werden. Diese Idee hat er schnell verworfen und ist auf eine Zukunft als Zirkusclown umgestiegen. Er findet es toll, Leute zum Lachen zu bringen. Je älter er wird, umso unsicherer ist er sich, was er eigentlich in der Zukunft machen wird. So ist das Leben.

Es wird nicht mehr lange dauern und einige Berufe werden verschwinden und allenfalls als Freizeithobby überleben. Sobald wir selbstfahrende Züge, Busse, Trams und Taxis haben werden, wird Lokführer kein Traumberuf von kleinen Jungs mehr sein können.

Es gibt aber nicht DEN richtigen Beruf. Bis anhin habe ich die Erfahrung gemacht, dass egal was ich machte, sofern ich es richtig und mit Interesse anging, hat es mir einfach Spass gemacht. Ich verkaufte am Wochenende in der Konditorei, an Sportveranstaltungen wusch ich Gläser, ich putze Tankstellen, packte Zeitschriften zum Versand, war Sportlehrer und Kindererzieherin, habe statistische Erhebung und Umfragen gemacht, Schulden eingetrieben, ein Unternehmen aufgebaut, Häuser umgebaut und einiges mehr. Je mehr ich etwas machte, umso besser wurde ich in der Tätigkeit und umso mehr Spass machte es mir. Das Problem war nie die Art der Arbeit als solche sondern nur die Chefs oder Mitarbeiter, die einem ab und zu das Leben zur Hölle machen können.

Ich bin einigen Leute begegnet, die mit keinem der Berufe, die sie gewählt hatten, zufrieden waren. Ich begegnete aber viel mehr von jenen, die ihren Berufs liebten und genossen, was sie taten.

Ich mag mich erinnern, dass ich mit meiner Tochter im Kinderspital war, als es bei ihr den Verdacht gab, dass sie Tuberkulose haben könnte. Sie war in der Isolation in der Abteilung der schwerkranken Kinder. Die Abteilung war bunt und fröhlich und trotzdem unheimlich trostlos, weil hier starben Kinder. Die Krankenschwester, die meine Tochter betreute, war sehr ruhig und ausgeglichen, strahlte eine Zufriedenheit und Harmonie aus wie ich es selten vorher erlebt hatte. Ich fragte sie einmal wie sie in einer Abteilung wie dieser arbeiten könne und ob es ihr nachts nicht den Schlaf raube. Sie sagte mir sehr sanft, dass diese Arbeitsstelle die Schönste in ihrem gesamten Leben sei. Sie könne hier nämlich wirklich helfen und Not lindern, sie könne da sein, wenn sie im Leben der Kinder am meisten gebraucht werde.

Ich habe ihre Worte nie vergessen. Und ich meine verstanden zu haben, was sie sagte.

Darum bin ich sicher, dass jeder Beruf der Richtige sein kann.

Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

 

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