Michaela Merz

Lust auf Schule

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178600_web_r_k_by_henry-klingberg_pixelio-deAm Samstag habe ich den Schulunterricht besucht. Eine Horde Erwachsener zwängt sich in eine Klasse, wer zu spät kommt, hat keinen Stuhl mehr und über Gemütlichkeit kann man sich streiten.

Aber das Zuschauen hat in mir die Lust auf die Schule wieder geweckt. Als Kind oder junge Erwachsene ist man nicht 100%ig überzeugt, dass zur Schule zu gehen, das Beste ist, was einem passieren kann.

 

Ich mag mich noch erinnern, dass es auf dem Gymnasium, wenn die Zimmertemperatur zu tief war, weil die Heizungszentrale Schwierigkeiten mit dem Kohlenachschub hatte, sogenannte „Kohlenferien” gab. Wir hatten uns damals sehr bemüht eisige Temperaturen in unserem Schulzimmer zu kreieren. Ja irgendeinmal später hat es dann tatsächlich eine Woche Kohlenferien gegeben, aber das hat wohl weniger mit unseren Lüftungsversuchen zu tun gehabt als mit den Schwierigkeiten der Kohlegruben Nachschub zu liefern.

Später nach dem Einstieg in die Berufswelt, gab es immer wieder einmal Zeiten, in denen man zur Schule ging. Aber es hat nie mehr die Qualität der ursprünglichen Schule erreicht. Der Druck dessen, was man alles bewältigen musste, war um Welten höher für die Leichtigkeit, die Freude am Entdecken von neuem Wissen, blieb keine Zeit mehr übrig.

Als ich da am Samstag im Deutschunterricht sass, wünschte ich mir als Hausaufgabe ein Buch durchzulesen und über seinen Inhalt und Botschaft zu diskutieren. Der anschliessende Musikunterricht weckte die Lust zu singen und zu musizieren und der Musiklehrer war so lustig und inspirierend, dass ich die Schüler schlichtweg beneidete. In der Biologie staunte ich darüber, was ich über die Schlange noch nicht wusste und die Chemie hat mich bitterlich daran erinnert, dass dank des sehr demotivierenden Chemielehrers, den ich leider auf dem Gymnasium erwischt hatte, rein gar nichts hängen geblieben ist.

Die Wissensvermittlung und die Wissensaneignung ist eine der befriedigendsten Tätigkeiten, die ich im Leben erlebt habe. Man kann es immer machen und die Lernerfolge fühlen sich toll an. Was die Freude daran einschränkt, sind Prüfungen und das kompetitive Messen. Nicht immer aber oft. Nur ich denke, dass wir als Gesellschaft wirklich darüber nachdenken sollten, dass das zur Schule gehen dauerhaft zum Leben dazu gehören sollte. Man könnte sich vorstellen jedes Jahr eine Woche weniger Ferien zu haben, dafür aber zusätzliche 14 Tage Schule und vielleicht einen Samstag pro Monat. Das wären schon 26 Tage Unterricht pro Person pro Jahr. Eine Menge Horizonterweiterung. Die Änderungen kommen schnell, die Prozesse ändern sich mit brutaler Geschwindigkeit, die Digitalisierung macht vor Nichts halt. Entweder wir kommen mit oder das System verliert uns. Der einzige Weg, mitzukommen ist zu lernen. Für jeden Einzelnen eine schwierige Aufgabe. Für die Gesellschaft, für einen Staat eine Aufgabe, die zwingend in seinen Katalog gehört.

Ich freue mich, wenn in meinem Briefkasten eine Einladung zum Schnuppern in der Samstagsschule hereinflattert. Die Lust zur Schule zu gehen, ist bei mir sehr gross.

Bildquelle: Henry Klingberg  / pixelio.de

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