Leben in Zeiten von Corona XVII


Die Reise, um meine Mutter zu besuchen, hat eine ausgiebige strategische Planung vorausgesetzt. Sie wohnt nicht einmal 800 km von dem Ort entfernt, wo ich wohne. Es ist der gleiche Kontinent und mein Auto schafft den Weg mit einer Tankfüllung (das ist auch der Hauptgrund warum ich kein E-Mobil haben kann). Das Flugticket kostet ein lächerlicher Betrag und lässt sich kurzfristig buchen, aber ich kann nicht fliegen. Das Risiko einer Ansteckung ist schlicht zu gross und meine Mutter ist bald 80 Jahre alt. Darum bin ich gezwungenermassen ein Autofahrer, auch auf langen Strecken.

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Leben in Zeiten von Corona XVI


Ich hätte liebend gerne endlich über etwas anderes geschrieben als über Corona aber es geht nicht. Ich fühle mich als ob ich in einem Zug sitzen würde und eigentlich auf den Moment warte, wo ich aussteigen sollte. Der Zug wird immer langsamer und der Ausstieg ist immer noch nicht in Sicht. Es gibt keine Meldung bezüglich einer Verspätung. Aber allen in dem Zug ist klar, dass der Zug schon jetzt eine grosse Verspätung hat. Der Zug kommt zum Stillstand und ich weiss nicht warum. Mitten im Feld.

Aussteigen kann man nicht, man kann nichts machen, nur warten. Eine unendliche Schleife ohne Zeitplan. Der Kontrollverlust ist gross. Man muss sich daran gewöhnen, durch äussere Umstände vollständig eingeschränkt zu werden. Ein Lichtblick? Ja, der fehlt.

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Leben in Zeiten von Corona XII


Irgendwie dachte ich noch vor 14 Tagen die Schweiz ist eine Insel der Glückseligkeit. Ich schaute die Statistiken der Neuerkrankungen weltweit an und war stolz wie schlau wir das da in der Schweiz machen. Ich hatte mich geärgert, dass ich meine Mutter wegen der Quarantänevorschriften nicht besuchten konnte (da ärgere ich mich immer noch und denke, dass ich damals die falsche Entscheidung getroffen hatte nicht zu fahren!!).

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Leben in Zeiten des Coronavirus VIII – Sabrina und ihre Mutter Lisa


An dem Tag als Lisa das letzte Mal die Türe zu ihrer Wohnung schliesst, in der sie fast 50 Jahre gelebt hatte, ist ihr ein grosser Stein vom Herz gefallen. Die Wohnung war gekündigt und übergeben. Es gab also kein Zurück mehr. Lisa war erleichtert und der Wegzug Ende Februar war für sie eine unglaubliche Befreiung. Der Einzug in die Seniorenresidenz war ein richtiger Aufbruch in eine bessere Zukunft. Lisa war fast 80 Jahre alt und bezog jetzt ein kleine 2-Zimmer Wohnung mit einer winzig kleinen Küche und einem sonnigen Balkon in der Seniorenresidenz.

Wenn ihr danach war, hat sie gekocht, wenn sie keine Lust zu Kochen hatte, konnte sie im Speisesaal mit allen anderen Bewohnern Frühstücken oder zu Mittag essen. Am Abend ass sie schon Jahrzehnte nicht mehr und ihre Gewohnheiten wollte sie nicht mehr ändern. Schnell fand sie Anschluss und freundete sich mit Liselotte und Hans an, die ein ähnliches Interesse an der Kunst und der Musik wie Lisa hatten.

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Weihnachtsbrief 2019


Urs, ein Bauer aus Irland, und seine Frau Claudia, eine Ärztin, schreiben mir jedes Jahr zu Weihnachten einen Brief. Ich freue mich immer sehr darauf. Sie lassen mich wissen, was bei ihnen auf der Farm und in ihrem Leben so alles gelaufen ist. Ich habe Urs und seine Frau schon ziemlich lange nicht mehr gesehen, aber da ich vor Jahren bei ihnen zu Besuch war, kann ich mir vieles, was sie so beschreiben, gut vorstellen. Dieses Jahr haben sie mir eine wunderbare Geschichte gesendet, die will ich gerne teilen.

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Das Luftgewehr


Rudolf hat ein Luftgewehr und Zielscheiben zum Geburtstag bekommen. Der Vater hat ihm hinten im Garten in der zerfallenen Scheune an der Wand mehrere dicke Holzbretter befestigt. Ab diesem Tag stand Rudolf fast jeden Tag und ab und zu sogar mehrmals am Tag hinten im Garten und übte das Schiessen.

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Die Gerechtigkeit


Ich kannte zwei Brüder, sie waren unzertrennlich. Sie hatten eine wunderbare Beziehung und unternahmen unzählige Aktionen, die in die Dorfgeschichte eingegangen sind. Der eine war klüger als der andere, aber das spielte gar keine Rolle. Erst starb der Vater und dann die Mutter, sie erbten ein grosses Grundstück mit riesigen Gärten und Wirtschaftsgebäuden. An dem lieben Geld ist ihre Beziehung zu Bruch gegangen. Der eine hat mehr gekriegt als der andere.

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Swiss National Wrestling Festival (Eidgenössisches Schwingfest) Zug 2019, Pratteln 2022


Half of Zug turned into a pedestrian area and a party street.

I’ve never experienced the city like this before. It was impossible to think of having a good night’s sleep from Saturday night to Sunday.

The loud drunken voices easily broke through the double glazed windows. I wasn’t too impressed by 4 a.m. but since it’s a once in a life time situation I decided to put up with it. As soon as the last drunken people disappeared at 5.a.m., the first spectators swarmed in shortly after 6 a.m., marching towards the arena to view the Sunday matches.

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Island – Akureyri


Ich wollte schon seit Jahren nach Island und mein Jüngster wünschte sich eine Kreuzfahrt. Ich war gegen die Kreuzfahrt aber das Familienleben basiert auf ständigem Kompromiss. So sind wir mit einer Kreuzfahrt rund um Island gefahren. Ich habe mir Island anders vorgestellt. Auch wenn ich zu Hause drei Reiseführer habe und unzählige Bilder angeschaut hatte. Island ist anders, kaum vergleichbar, unberechenbar. Einer der besten Sprüche die wir auf unserer Reise gesehen hatten, war der folgende: «Gefällt dir das Wetter nicht, warte einfach 5 Minuten». Es beschreibt was man auf dieser Insel antrifft sehr gut. Es kann neblig sein und plötzlich kommt die Sonne, es ist bitter kalt und in der nächste viertel Stunde gibt es ein T-Shirt Sommer Wetter. Unsere Rucksäcke für unsere Wandertouren waren dementsprechend gross. Man kann nämlich alles antreffen. Regen, Kälte, Sonne, Wind. Das braucht Sonnenbrillen und Mützen, Regenjacke und Jacken. Es braucht einiges um es bequem zu überstehen.

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Das Besondere


Die Titanwurzel im botanischen Garten blüht. Das ist ein Spektakel, das zu sehen sich lohnt, zum einen, weil die Blume in unseren Breitengraden nur im botanischen Garten zu sehen ist und weil es selten vorkommt, dass sie blüht. Sogar der Zeitung ist es einen Artikel wert. Mit meinem Jüngsten sind wir gegangen dieses Spektakel anzuschauen. Das Wetter war mies, kalt und regnerisch. Und im botanischen Garten gab es eine Menschenschlange. Das hat einen zusätzliche Seltenheitswert. Viele wollten dieses Wunder der Natur sehen. Neben der Pflanze stand der glückliche Direktor des botanische Garten und gab allen, die es hören wollten, Auskunft über dieses seltsame Gewächs. Er strahlte wie wenn er die Geburt seines Erstgeborenen ankündigen würde. Es war beeindruckend, die Atmosphäre war mit Stolz und Bewunderung erfüllt,  einfach ein wunderbares Erlebnis, das lange in Erinnerung bleibt. 

Dann sind wir weiter gefahren, um die Grossmutter zu besuchen. Und an den Bächen in den umliegenden Wäldern haben sich Biber angesiedelt. Sie waren mehr als 30 Jahre lang verschwunden und jetzt sind sie wieder da. Ihr Gestaltungsdrang hat die Natur innerhalb kurzer Zeit massgeblich geprägt. Unzählige grosse Bäume haben die Biber zu Fall gebracht, das Wasser gestaut, der Pegel im Bach um einen halben Meter erhöht. Die Biber sind scheu und  selten und wir wanderten ihren Spuren nach und staunten.

Der Grossmuter haben wir aber versprochen im Dorf Farbe abzuholen. Wir machten uns auf den Weg. Auf der Wiese neben der Strasse weiden Kühe. Es ist eine seltsame Rasse, die ich noch nie gesehen hatte. Sie sind Schwarz und in der Mitte haben sie regelmässige, weisse Streifen. Es sieht so aus, als ob ein Maler einen breiten Pinsel genommen und alle Kühe markiert hätte. Es waren auch viele ganz kleine Kälber dabei. Und plötzlich merkten wir, dass fast neben der Strasse hinter dem elektrischen Zaun gerade in diesem Moment ein Kalb zu Welt kommt. Die Kuh hat sich ängstlich zu uns gedreht und wir wählten eine Distanz, die sie nicht mehr zu stören schien. Es war ein spezielles Erlebnis mitten in der Natur die Geburt so nah zu verfolgen und zu staunen mit welcher Leichtigkeit es die Kuh geschafft hat. 

Die Farbe mussten wir am nächsten Tag holen, da wir so fasziniert waren, dass wir erst im Dorf angekommen sind als das Geschäft schon geschlossen war.

Es waren einzigartige und einmalige Ereignisse, die zu planen unmöglich war. Die Anziehungskraft des Speziellen, Einmaligen ist erstaunlich und wozu sie die einzelnen Menschen treibt, umso mehr.

Die Titanwurzel ist immer noch im botanischen Garten aber jetzt eher als unscheinbare Pflanze, da sie nur eine Woche lang blüht, wohingegen man die Baukünste der Biber weiterhin besichtigen kann. Lasst es mich wissen, falls ihr Interesse habt und ich sende Euch die GPS Koordinaten.