Michaela Merz


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Die Geschichte von Livia


Livia war schon immer fest davon überzeugt, dass diese Welt dazu da ist, ihr zu dienen und sie in ihrer Einmaligkeit zu huldigen. Leider war es meistens nur ihre Sichtweise. Darum musste Livia Strategien entwickeln, um den erwünschten Effekt zu erreichen, was gar nicht einfach war.

Livia wuchs in einem kleinen idyllischen Kaff auf. Wunderschön abgelegen. Rund um sie gab es bescheidene, zufriedene Leute. Livia aber wollte mehr. Sie wollte die grosse Welt, wo Glanz und Luxus wichtig waren. Sobald sie konnte, packte sie ihre Sachen und verliess das enge Korsett des Dorflebens. Continue reading


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Quartierfest


Ich bin aus dem Quartier vor zehn Jahren weggezogen. Es hat es keinen Grund gegeben, um zwischenzeitlich zurückzukehren. Verkehrstechnisch lag das Quartier wunderbar ruhig aber abseits. Somit bin ich in den letzten zehn Jahren vielleicht nur sechs Mal durchgefahren. Ein einziges Mal vor mehr als fünf Jahren bin ich in einem Geschäft meinem vormaligen Nachbarn begegnet.

Letzten Samstag gab es dort ein Fest. Publiziert wurde es auf Zetteln, die im Quartier aufgehängt waren. Ich hätte nie erfahren, wenn mich meine älteste Tochter, informiert durch ihre Kindheitsfreundinnen, die immer noch von Ort leben, nicht mitgenommen hatte. Im Quartier hat sich sehr wenig verändert. Es war, wie wenn ich nach langen Ferien zurückgekehrt wäre. Continue reading


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Die Geschichte der drei tapferen Prinzessinnen


Weil mein Jüngster wie ein Einzelkind aufwachst, ist es immer wieder notwendig jemand mitzunehmen, um einen Kameraden zum Spielen zu haben. Solange man spielt, wandert und etwas unternimmt ist das Heimweh kein Thema. Am Abend kann es aber kritisch werden und darum erzähle ich Geschichten. So ist auch die folgende Geschichte der drei tapferen Prinzessinnen entstanden. Continue reading


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Der grüne Daumen


Als Kind wurde ich durch meinen Vater genötigt in seinem Obst- und Gemüsegarten Unkraut zu entfernen. Das war unbequem, langweilig und für mich völlig sinnlos. Ich hätte lieber mit Kollegen gespielt, anstatt zum wirtschaftlichen Erfolg des Hobbygärtnerns meines Vaters beizutragen. Seine Erfolge waren zudem gemischt und mir schienen Aufwand und Ertrag eindeutig zu Gunsten des Aufwandes zu überwiegen. Einmal zur Gartenarbeit verdonnert, gab es kein Entrinnen. Continue reading


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Kunst


Unterwegs mit dem Velo entlang der wilden Maggia im Tessin haben wir mit meinem Jüngsten den freien Tag, die wärmende Sonne, die frische Luft und den Duft der sommerlichen Natur genossen. Es gibt immer etwas zu entdecken und so dauerte es nicht lange und nach etwa einer halben Stunde bremste mein Jüngster bei einem Stein Mosaik am Rande des Velowegs. Continue reading


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Work-Life in Balance?


Ich habe drei Kinder, seit dem letzten Jahrtausend eine 100% Stelle und einen anspruchsvollen, erfüllenden Job. Man könnte sagen, ich habe es geschafft die heiss diskutierte Work-Life Balance zu finden und zu leben. Continue reading


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Der kleine Junge aus Oerlikon


Es war ein unglaublich schöner, warmer Nachmittag im späten Mai. Ich bin langsam zu Fuss nach Hause gegangen. Ein Luxus. Normalerweise hetze ich, um rechtzeitig zu Hause zu sein, aber heute war mein Jüngster mit Kollegen schwimmen und ich wusste er kommt spät. Ich musste mich nicht beeilen. Es wartete niemand auf mich.

Ich überquerte den Marktplatz und beobachtete die blühenden Bäume in ihrer unglaublichen Pracht. Die Luft roch nach einer Mischung aus Lindenblüten, Gräsern und leicht süsslich. Es war überhaupt nicht penetrant sondern einladend und besänftigend. Meine Seele und mein Körper waren in wunderbarem Einklang und ich genoss den Augenblick der Unbeschwertheit.

In diese einzigartige Harmonie drang plötzlich eine schimpfende kindliche Stimme. Der Ton war belehrend, herrisch und fast aggressiv. Die Worte waren grob, verletzend und teilweise sogar vulgär. Continue reading