Michaela Merz


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Das Besondere


Die Titanwurzel im botanischen Garten blüht. Das ist ein Spektakel, das zu sehen sich lohnt, zum einen, weil die Blume in unseren Breitengraden nur im botanischen Garten zu sehen ist und weil es selten vorkommt, dass sie blüht. Sogar der Zeitung ist es einen Artikel wert. Mit meinem Jüngsten sind wir gegangen dieses Spektakel anzuschauen. Das Wetter war mies, kalt und regnerisch. Und im botanischen Garten gab es eine Menschenschlange. Das hat einen zusätzliche Seltenheitswert. Viele wollten dieses Wunder der Natur sehen. Neben der Pflanze stand der glückliche Direktor des botanische Garten und gab allen, die es hören wollten, Auskunft über dieses seltsame Gewächs. Er strahlte wie wenn er die Geburt seines Erstgeborenen ankündigen würde. Es war beeindruckend, die Atmosphäre war mit Stolz und Bewunderung erfüllt,  einfach ein wunderbares Erlebnis, das lange in Erinnerung bleibt. 

Dann sind wir weiter gefahren, um die Grossmutter zu besuchen. Und an den Bächen in den umliegenden Wäldern haben sich Biber angesiedelt. Sie waren mehr als 30 Jahre lang verschwunden und jetzt sind sie wieder da. Ihr Gestaltungsdrang hat die Natur innerhalb kurzer Zeit massgeblich geprägt. Unzählige grosse Bäume haben die Biber zu Fall gebracht, das Wasser gestaut, der Pegel im Bach um einen halben Meter erhöht. Die Biber sind scheu und  selten und wir wanderten ihren Spuren nach und staunten.

Der Grossmuter haben wir aber versprochen im Dorf Farbe abzuholen. Wir machten uns auf den Weg. Auf der Wiese neben der Strasse weiden Kühe. Es ist eine seltsame Rasse, die ich noch nie gesehen hatte. Sie sind Schwarz und in der Mitte haben sie regelmässige, weisse Streifen. Es sieht so aus, als ob ein Maler einen breiten Pinsel genommen und alle Kühe markiert hätte. Es waren auch viele ganz kleine Kälber dabei. Und plötzlich merkten wir, dass fast neben der Strasse hinter dem elektrischen Zaun gerade in diesem Moment ein Kalb zu Welt kommt. Die Kuh hat sich ängstlich zu uns gedreht und wir wählten eine Distanz, die sie nicht mehr zu stören schien. Es war ein spezielles Erlebnis mitten in der Natur die Geburt so nah zu verfolgen und zu staunen mit welcher Leichtigkeit es die Kuh geschafft hat. 

Die Farbe mussten wir am nächsten Tag holen, da wir so fasziniert waren, dass wir erst im Dorf angekommen sind als das Geschäft schon geschlossen war.

Es waren einzigartige und einmalige Ereignisse, die zu planen unmöglich war. Die Anziehungskraft des Speziellen, Einmaligen ist erstaunlich und wozu sie die einzelnen Menschen treibt, umso mehr.

Die Titanwurzel ist immer noch im botanischen Garten aber jetzt eher als unscheinbare Pflanze, da sie nur eine Woche lang blüht, wohingegen man die Baukünste der Biber weiterhin besichtigen kann. Lasst es mich wissen, falls ihr Interesse habt und ich sende Euch die GPS Koordinaten.


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Die Nähe zum Kunden


Klaus Steves / pixelio.de

Seit etwa fünf Jahren beobachte ich, wie meine Kunden, die bis anhin keinen Kontakt zu ihren Endkunden und ihre Produkte nur via Zwischenhändler auf den Markt gebracht hatten, versuchen, die Nähe zu ihren Endkunden zu erlangen. Sie sammeln Daten über die Kunden so oft es nur geht. Sie versuchen die Zwischenhändler auszuschalten und das bessere Verständnis dafür, was auf dem Markt gefragt ist, zu gewinnen. Die stärkere Bindung der Endkonsumenten ist der eindeutige Trend. Als Endresultat kaufen wir fast alles online und der Kontakt zu lebenden Menschen kommt immer seltener vor.

Ich mag mich erinnern, wie ich als Kleinkind mit meiner Grossmutter in die Molkerei gegangen bin, um am Morgen frische Milch zu holen. Das war ein gesellschaftliches Ereignis. Die Grossmutter hat sich sorgfältig frisiert und den leichten roten Lippenstift aufgetragen. In dem Milchladen gab es nur eine einzige Verkäuferin, vor der ich mich gleichzeitig gefürchtet habe und von der ich grenzenlos fasziniert war. Sie war gross und sehr laut. Sie trug weisse Kleider, eine weisse Schürze und in den kurzen Haaren ein weisses Haarband mit Spitzen, die ihr welliges Haar bändigten. Auch sie trug roten Lippenstift aber im Vergleich zu meiner Grossmutter keinen dezenten, sondern einen grellen, schreiend roten. Meine Grossmutter nannte sie Schkobiska. Wie sie in Wirklichkeit geheissen hat, weiss ich nicht.

Es ist aber nie nur darum gegangen, Milch oder Quark zu kaufen. Wir waren auch selten allein in dem Laden. Der Laden war am Morgen der gesellschaftliche Mittelpunkt im Quartier. Man tauschte Neuigkeiten aus, lobte sich gegenseitig wegen neuer Kleidungsstücke oder bekam Mitleid, wenn etwas Unangenehmes in der Familie passiert ist. Ich ging gerne mit Grossmutter und wartete immer gespannt, was wir heute so alles erleben würden. Neben den Milchprodukten bekam die Grossmutter lokale Nachrichten (frisch ab Presse) wie auch den Anschluss an die soziale Gemeinschaft, obwohl wir in einer grossen Hauptstadt wohnten.

Meine Mutter bestellt heute viele ihrer Esswaren online, die dann direkt nach Hause geliefert wird. Das ist praktisch, günstig und sie muss nichts Schweres schleppen. Wir haben es ihr beigebracht, als sie sich das Bein gebrochen hatte und nicht in den Laden gehen konnte. Aber sie geht dennoch fast jeden Tag in den Laden um die Ecke, um etwas Kleines zu kaufen. Es geht gar nicht um den Einkauf als solchen, sondern um den Weg und die Begegnung mit all den vielen Leuten, die sie seit Jahrzehnten kennt (inklusive viele ihre ehemaligen Schüler) und mit denen sie Neuigkeiten austauscht aber auch Empathie empfängt und gibt.

Es mag sein, dass wir in naher Zukunft die Mehrheit im Internet kaufen werden. Kluge Algorithmen werden unsere Fragen beantworten und das Passende für uns aussuchen.

Für die menschliche Begegnung aber, werden wir extra zahlen müssen und die Empathie wird als separate Leistung verkauft werden.


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Die schwierigste Rede meines Lebens


Mein Stiefvater Jan ist gestorben. Er war 84 Jahre alt und hatte die letzten 5 1/2 Jahre eine tödliche Krankheit in sich getragen. Wir alle wussten, dass er stirbt. Man kann mit seiner Krankheit 1 bis maximal 10 Jahre überleben. Und obwohl ich das wusste, realisierte ich: auf den Tod kann man sich nicht vorbereiten. Sein Tod traf mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Der Boden wurde mir unter den Füssen weggezogen und ich fühlte mich so hilflos wie noch nie in meinem Leben. Ich bin eine Macherin. Ich bin es mir gewohnt, Probleme zu lösen. Ich bin diejenige, die erfolgreich Wege aus aussichtslosen Situationen sucht und findet und plötzlich war da nichts, was ich hätte machen können. Eine unendliche Trauer erfüllte mich. Ich funktionierte und half meiner Mutter mit allem, was es in so einer Situation braucht, aber irgendwie war es alles mechanisch.

Für das Begräbnis, das 7 Tage nach seinem Tod stattfand, wünschte sich meine Mutter, dass ich die Abschiedsrede halte. Und ich konnte nicht NEIN sagen. Ab dem Zeitpunkt, als ich ihr es versprach, begann ich mich intensiv vorzubereiten. Ich erinnerte mich an all die Sachen, die er mir je über sich und seine Eltern erzählt hatte und ich begann, die kleinen Geschichten zu einem Bild zusammen zu setzen. Ich stellte mir eine Geschichten-Collage vor, die ihn am besten charakterisierte. Und je mehr ich an der Rede arbeitete, umso schlechter ging es mir. Er war ein herzensguter Mensch, immer gut gelaunt. Er hat Leute gerne gehabt und diese zahlten es ihm mit Liebe zurück. Er konnte keiner Fliege etwas zuleid tun. Er war genügsam und lustig, fleissig und sehr geschickt. Er war ein begnadeter Handwerker und ein wunderbarer Pianist. Er war meiner Mutter ein sensationeller Ehemann. Je mehr mir dies alles bewusst wurde, umso grösser wurde meine schon unermesslich grosse Trauer. Das Gefühl jemand wahnsinnig Wertvollen für immer verloren zu haben, fühlte sich wie eine Bleikugel an, die an meinem Bein befestigt wurde.

Ich übte die Rede während ich joggte, weil ich in Bewegung, am besten früh am Morgen ein bisschen entspannen konnte. Ich übte die Rede, wie ich meine Reden in der Vergangenheit übte, aber fast immer sind mir die Tränen gekommen. Ich habe immer mehr Angst bekommen, dass ich meine Rede am Tag des Begräbnisses nicht zu Ende vortragen können werde, weil mir die Tränen die Sprache ersticken. Ich wusste nicht, wie man sich gegen solche Trauer wappnen könnte.

Das Begräbnis war schlimm. Offensichtlich kannten und schätzten ihn so viele Leute, dass die Stühle in der Abdankungshalle nicht ausreichten. Viele Leute, die sich von ihm das letzte Mal verabschieden wollten, mussten stehen. Der Platz war knapp und all die mitgebrachten Blumen, die rund um seinen Sarg gelegt wurden, wirkten wie eine bunte, farbige Wiese. Als das erste Musikstück, nach dem ich meine Rede halten sollte, zu spielen begann, musste ich mir die Lippen blutig beissen in der Hoffnung, dass der Schmerz die Trauer und die in mir aufsteigenden Tränen besiegen würde. Es ist mir eher schlecht als recht gelungen. Noch nie in meinem Leben ist mir eine Rede so schwergefallen. Wenn meine Mutter nicht da gewesen wäre, die sich wünschte, dass ich diese Rede halte, wäre ich wie ein Feigling weggelaufen. Der Schmerz war unerträglich. Irgendwie habe ich es doch noch geschafft, mich zu erheben, nach vorne zu gehen und meine Rede vorzutragen. Jan hätte sich sicher nicht gewünscht, dass ich eine traurige Rede halte. So habe ich einige der Geschichten erzählt, die er mir selber erzählte hatte, wie diese hier vom vergessenen Hochzeitstag.

Ich erzählte von der Beziehung zu seiner Mutter und seiner einmaligen Beziehung zwischen ihm und meiner Mutter. Zunächst sah ich die vielen Gäste vor mir gar nicht, ich sah eigentlich ihn, damals, als er mir die Geschichten erzählte. Erst später wurde mir bewusst, dass, obwohl keine seiner Geschichten traurig waren, viele der Anwesenden weinten, während ich sprach. Ich weinte nicht und schaffte es, die Rede zu Ende halten. Ich habe meinen Auftrag erfüllt. Aber danach war ich hundemüde, wie wenn ich einen Marathon in Rekord Zeit gelaufen wäre. Mein Körper und mein Geist wurden von Trauer und Müdigkeit als Geisel genommen.

Danke, Danke für Alles und eine gute Reise.

Bildquelle: berggeist007/pixelio.de


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London mal anders


Es gibt Städte, die sind lebendig, inspirierend, pulsierend und immer wieder überraschend, so dass man sich nicht satt sehen kann und wo die Lebenszeit nicht ausreicht, um alle Sehenswürdigkeiten zu erkunden. London ist sicher eine davon. Wo beginnt man und was geht man anschauen? Ich lasse die Klassiker unerwähnt, die kann man einfach googlen.  Falls ihr die abgehakt habt, wie wäre es mit dem Covent Garden Market? Das nicht nur wegen der vielen kleinen Geschäfte, die erstaunliche Dinge anbieten und dem preiswerten Flohmarkt, der noch mehr Überraschendes bietet, sondern vor allem wegen den dort auftretenden Künstlern. Es ist dort immer was los: Strassenkomödianten, Sänger, Gaukler, lebende Statuen. Langweilig ist es dort nie.

Oder wie wäre es mit einer “Bond in Motion” Ausstellung in der Nähe des Marktes? Alle Fahrzeuge mit denen sich James Bond mit allen Schurken dieser Welt spektakuläre Autorennen und Verfolgungsjagden geliefert hat, sind dort in Original ausgestellt. Dazu laufen die entsprechenden Filmausschnitte und auch einige Requisiten sind vor Ort. Ein Muss für jeden James Bond Fan.

Zum Besuch von London sollte auch unbedingt der Besuch eines Theaters gehören. Musicals, Dramen, Komödien oder Shakespeare für diejenigen, die es klassisch mögen. Die Tickets sind nicht billig und man sollte nicht naiv sein und denken, dass man Billette bei der Abendkasse ergattern kann. Wer nicht im Voraus bucht, muss wahrscheinlich auf Kultur verzichten.

Mit kleinem Budget lässt sich auch einiges sehen. Zum Beispiel ist der Besuch aller Museen in London gratis. Das Tate Museum für moderne Kunst zum Beispiel. Auch wenn man mit moderner Kunst nichts anfangen kann, aus dem 10ten Stock gibt es dort einen hervorragenden Ausblick fast so gut wie vom London Eye nur man kann es GRATIS geniessen so lange man Lust hat. Dazu kommt, dass es dort eine wunderbare Ecke gibt, wo kleine Kinder spielen können. Und ebenfalls zu erwähnen ist die Tatsache, dass ein moderner Wohnblock so nahe am Tate Gebäude gebaut wurde, dass man nicht nur Stadt sieht, sondern auch die Inneneinrichtung von 14 Stöcken, weil die Engländer nichts von Vorhängen halten und somit keine haben. So quasi “live ” Unterricht in Innenarchitektur der gehobenen Klasse Anfang 21. Jahrhundert.

Und wenn ihr schon mit schmale, Budget unterwegs sei, dann gibt es in der Nähe des Tate Museums einen alten Essens-Markt mit vielen Leckereien aber auch Möglichkeiten Backkurse zu belegen oder zu erlernen wie man zb metzget. Von vielen kann man gratis probieren und ein preiswertes, wunderbar duftendes Mittagessen lässt sich an einem der Stände auch kaufen.

Überhaupt ist das essen in London deine Entdeckung für sich und man sollte den Mut aufbringen die Sachen essen zu gehen, die man noch nicht kennt. Es gibt alles und es gibt es in allen Preisklassen, man kann Chinesisch, Indisch, Französisch, Libanesisch, Japanisch, Mexikanisch und so weiter für 7 aber auch 120 Pfund essen gehen. Es lohnt sich. Zum Frühstück empfiehlt sich das Porridge (Haferflockenbrei), das füllt den Bauch und hält bis zum Abend.

Was mich erstaunt hat, war die grosse Anzahl Obdachloser, die überall in der Innenstadt zu sehen waren und den Eindruck machten, dass sie an den Plätzen, wo sie schliefen ziemlich Wurzeln geschlagen hatten. Es waren nicht nur einfach Menschen in Schlafsäcken, wie man es aus anderen Städten kennt, sondern richtige Zeltstädte mit häuslicher Einrichtung und nur der starke Geruch von Urin erinnerte an die Einschränkungen des Wohnens im Zelt.

Es lässt sich sehr gut leben mit viel Geld in London, aber ich denke es lässt sich als Besucher gut leben und auch viel sehen mit wenig Geld. Der Mut zu ungewöhnlichem Erlebnissen wird in dieser Stadt sicher belohnt.

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Körpertausch im Jahre 2112


Mein Jüngster konnte nicht einschlafen. Er verlangte nach einer Geschichte.

Maria hat sich wie jeden Monat für Samstag für einen Körpertausch angemeldet. Es war der 8. Oktober 2112.
Das bedeutete, dass ihre Seele den Tag im Körper einer anderen Person verbringen würde. Man startet um 7 Uhr morgens und endet um 7 Uhr abends. Bei der Anmeldung checkte Maria das Alter, Geschlecht und das Krankheitsbild. Wie immer entschied sie sich für eine Frau zwischen 90 und 100. Dieses Mal wählte sie eine Dame, die auf einem Auge erblindet war, mit einfachen körperlichen Beschwerden. Continue reading


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Offene Rennbahn Oerlikon – Verlängerung der Ferien


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Der Sommer geht zu Ende. Wir sind zurück aus den Ferien und der Alltag hat wieder begonnen. Aber da draussen noch Sommer in Höchstform herrscht, versuchen wir uns mit dem Unvermeidlichen auseinander zu setzen. Nach der Arbeit und der Schule machen wir mit meinen Jüngsten Sachen, die die Ferienstimmung verlängern. Continue reading


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Wir haben ein Portemonnaie gefunden – wer vermisst es? Bitte helft, den Eigentümer zu finden


Wir haben dieses Portemonnaie gefunden. Jemand ist jetzt elends traurig und niedergeschlagen. Wir brauchen eure Hilfe die Eigentümerin zu finden. Bitte verbreite diese Nachricht, weil ich habe behauptet, dass wir die Eigentümerin mit Hilfe des Internets eher finden werden, als wenn wir die Geldbörse einfach im Fundbüro abgeben. Continue reading