Michaela Merz

Minus ist tot

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475458_web_r_b_by_bernd-wachtmeister_pixelio-deUnser weiblicher Betta-Kampffisch hat unsere Herzen nicht wirklich erobert. Erst hat sie ihren männlichen Partner Plus tödlich verletzt und dann hat sie noch den Schneck gefressen.

Das war uns Anfänger Aquarianern zu viel Brutalität auf kleinem Raum. Irgendwie ahnten wir, dass wir es durch unser unvollständiges Wissen mit verschuldet hatten. Jedenfalls war es kein tolles Erlebnis.

 

Das war im Frühling. Seitdem haben wir uns an Minus‘ Aggressivität gewöhnt. Mit Bewunderung beobachteten wir ihr Wachstum und alle Farben, die dieser kleiner Körper beheimatete. Minus zeigte Reflexe wie Pavlov’s Hunde. Wenn Fütterungszeit war und wir zu ihrem Aquarium kamen, war sie zur Stelle, parat zum essen. Trotz keiner grossen Liebe, da wir ihr die zwei Morde nicht verzeihen konnten, haben wir uns mit grossen Engagement um sie gekümmert.

Vor wenigen Tagen haben sich ihre Augen vergrössert, sie verlor die Lust zu essen und versteckte sich in Pflanzen am Boden des Aquariums. Wir waren besorgt. Als sich dann eine Beule auf ihrem Körper gebildet hat, war uns klar, wir müssen handeln. Aber geht man mit einem Fisch zum Tierarzt? Das wir ihr helfen müssen, war für uns klar. Wir haben sie gekauft und ihr ein zu Hause gegeben, es ist unsere Verantwortung sie wieder gesund zu pflegen. Den Abend über sass ich am Computer und bildete mich über Fischkrankheiten weiter. Das war anspruchsvoll und deprimierend. Nie habe ich mir gedacht, dass es so viel Elend in einem Fischbecken geben kann.

Nach Stunden des Recherchierens, habe ich das passende Krankheitsbild gefunden: Infektiöse Bauchwassersucht. Und dann die mögliche Kur. Wir richteten ein neues kleines Becken mit Zugabe von Salz für unsere Minus ein. Wir kauften am zweiten Tag die antibakteriellen Medikamente und gaben sie in der richtigen Dosierung bei. Am nachfolgenden Morgen war Minus tot. Neben Trauer mischte sich bei mir das Gefühl des eigenen Versagens. Mein Kleinster bastelte einen Sarg und wir vergruben Minus in einer Ecke unseres Gartens neben Plus.

Das Aquarium bleibt leer stehen aber irgendwie fehlt uns die Kraft es wegzuräumen. Irgendwie denke ich, das war nicht der letzte Fisch, der mit uns den Haushalt teilte. Es braucht jetzt ein bisschen Zeit, um die Trauer und eigene Wut zu verarbeiten. Aber eine Fortsetzung folgt bestimmt.

Bernd Wachtmeister  / pixelio.de

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