Michaela Merz

Wie mich die Polizei in die Knie zwang

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sup-blue-mist-compressEnde September. Gemäss Wettervorhersage soll es einer der prachtvollen Herbsttage sein, die einen gewöhnlichen Sonntag zu einem perfekten Tag machen. Vorläufig war davon nicht viel zu spüren. Die Nebel war dicklich weiss und versperrte die Sicht ganz. Dazu kam die relativ tiefe Temperatur. Offensichtlich musste der Tag sich erst beweisen. Ich war aber wild entschlossen im See zu stechen und der Nebel konnte mich davon nicht abhalten.

Als ich mein Stand up Paddle Board auf das Wasser legte, war die Sicht so schlecht, dass nach paar Metern alles im Nebel verschwand. Das Wasser war ruhig, kein Wind und eine absolute Stille begleitete mich. Sehr schnell fand ich mich umhüllt vom wattigen Nebel aber die ersten Strahlen begannen Löcher hinein zu brennen. Langsam stiegen die Nebelfetzen und ich sah die Wasserflache und in weiter Ferne ein Ruderboot und ein Segelboot mit eingerollten Segeln. Plötzlich unterbrach die Stille ein Motor und ein Wasserskifahrer fuhr paar Meter entfernt von mir und verursachte Wellen, die ich aber stehend gut meistern konnte.

Der Nebel hatte sich inzwischen so gut wie verzogen. Der See und das Ufer waren aber leer. Ein einsames Motorboot fuhr in meine Richtung. Ich beobachtete es mit der Hoffnung dass es abbiegt und die dadurch verursachten Wellen klein blieben. Das Boot kam aber direkt auf mich zu. Erst jetzt sah ich, dass es die Polizei war. Die Wellen wurden zu mächtig und da mein Brett sehr schmal und schnell, dadurch aber instabil ist, blieb mir nichts anderes als in die Knie zu gehen. Die Polizei zwang mich indirekt in die Knie. Sie waren ausgesprochen nett und wollten nicht meinen Ausweis sehen. Sie wollten meine Schwimmweste kontrollieren und die war gut sichtbar. Sie empfahlen mir mein Brett anzuschreiben. Ich fragte ob dies eine Massnahme sei, dass man, falls ich ertrinke, sehen könne, wer es war. Sie vereinten und sagten, damit sie mir allenfalls mein verlorenes Brett nach Hause bringen können. Sie verabschiedete sich und führen weg.

Ich erinnerte mich an eine ähnliche Kontrolle vor Jahrzehnten in Rumänien. Ich war für das Sportprogramm einer kleinen Reisegruppe zuständig. Wir wohnten am Meer. Ich fuhr sie zum morgendlichen Joggen, ich organisierte ein Volleyball- sowie ein Fussball Turnier. Ich lehrte sie Country Line Dance. An dem Abend waren wir tanzen. Wir sind den Strand entlang zum Hotel gelaufen. Die Nacht war sehr dunkel und warm. Jemand schlug vor schwimmen zu gehen. Die Hälfte der Gruppe stimmte dem zu, die andere Hälfte lief weiter. Da es so dunkel war, war es unproblematisch ohne Kleider schwimmen zu gehen. Der Schwumm war kurz. Plötzlich erschien das Licht eines hellen Reflektors und wir wurden aufgefordert aus dem Wasser zu kommen. Das war schon peinlich genug. Als wir aufgefordert wurden unsere Passe zu zeigen, wurde die Situation grotesk wie bei Kafka. Nackte, nasse Menschen im Meer, wo könnten sie ihren Pass haben? Es ist mir gelungen die Situation zu entschärfen und die Busse, die wir zahlen sollten, weg zu diskutieren. Und wir mussten dafür versprechen, nie mehr nackt im Meer in Rumänien zu baden. Mindestens ich habe mein Versprechen bis heute gehalten.

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