Michaela Merz


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Der grüne Daumen


Als Kind wurde ich durch meinen Vater genötigt in seinem Obst- und Gemüsegarten Unkraut zu entfernen. Das war unbequem, langweilig und für mich völlig sinnlos. Ich hätte lieber mit Kollegen gespielt, anstatt zum wirtschaftlichen Erfolg des Hobbygärtnerns meines Vaters beizutragen. Seine Erfolge waren zudem gemischt und mir schienen Aufwand und Ertrag eindeutig zu Gunsten des Aufwandes zu überwiegen. Einmal zur Gartenarbeit verdonnert, gab es kein Entrinnen. Continue reading


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Grindelwald – 50 Jahre Pfingsteggbahn


Die Luftseilbahn Pfingsteggbahn feiert am 2. Juli 2017 ihr 50jähiges Bestehen. Die Preise sein wie anno 1967:
3.60 SFr. einfach, 5.40 SFr. retour. Ein Schnäppchen. Der Rest ist gratis: der Eigerblick, die Alpenluft, nette und kernige Einheimische, eine Gelassenheit die den Städtern fehlt, die fantastische Aussicht ins Tal, die Rodelbahn, der Spielplatz, das Glockenkonzert von weidenden Kleinziegen, die Alpenbeiz und vielleicht ein paar übende Jodler. Continue reading


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Unser Besuch in Ulm


Mein Jüngster (10 Jahre alt) hat den Wunsch geäussert den höchsten Kirchturm der Welt zu besichtigen. Er sagte, dieser wäre in Ulm. Ich war noch nie im Ulm, geschweige denn wusste ich, dass es dort ein architektonisches, kirchliches Baujuwel befindet, das noch dazu das höchste auf dieser Erde ist. Mein Jüngster interessiert sich normalweise eher für Lego und der Besuch vom Legoland wurde schon gewünscht. Den Wunsch einen Kirchturm in weiter Entfernung zu besteigen, hat er bisher noch nie gehabt.

Klar bin ich gefahren, obwohl es über 2 Stunden Autofahrt waren. Zum einem war ich selber neugierig und zum zweiten wollte ich sein Interesse für die Architektur unterstützen. Dazu klettern wir beide gerne, und die Vorstellung den höchsten Kirchturm unter die Füsse zu nehmen, war mehr als reizvoll.

Und ehrlich, falls ihr noch nie in Ulm ward, ich kann es nur empfehlen. Das Ulmer Münster muss man gesehen haben. Es ist imposant, wunderschön und hat eine riesengrosse Kapazität für 20’000 Leute. Man muss sich vorstellen, dass die Stadt zu dem Zeitpunkt als das Fundament gelegt wurde, gar nicht so viele Einwohner gehabt hat. Das wäre wie wenn Zürich heute einen Hörsaal für zwei Milllionen Besucher bauen würde.

Wir haben zuerst das Innere des Münsters besucht. Es ist ein überwältigendes Gefühl, das man hat, wenn man drin steht und sich satt sieht an allen Statuen, Abbildungen und Holzfiguren. Der Raum wirkt luftig und erlaubt der Seele zu fliegen. Mir haben es die Holzfiguren auf dem Chorstuhl sehr angetan. Wir sind von einer zu der nächsten gewandert und haben sie studiert. Wir haben darüber nachgedacht, was waren das wohl für Leute, die da abgebildet sind, was für Schicksale stecken dahinter?

Eigentlich war das alles aber nur das Vorspiel zum Aufstieg. Und der Aufstieg hat es in sich gehabt. Der Turm ist 161 m hoch. Der nächstgrössere Turm ist der Kirchturm in Köln mit 157m, gefolgt von jenem in Strasbourg (142 m) und Wien mit fast 137m (auf den wir schon mit meinem Jüngsten geklettert sind). Es sah für uns nach einem Wettbewerb im Sinne von: „Wer baut den höchsten Turm aus“ aus.

Auch wenn die Beweggründe damals vielleicht nicht gar so edel waren, das Resultat ist atemberaubend in doppeltem Sinne. Um auf den Turm zu gelangen, muss man die steinerne Treppe Stufe für Stufe aufwärts nehmen. 768 Tritte sind es bis zur Spitze bis zu dem winzigen Balkon ganz oben, der so eng ist, dass ein Ausweichen ohne intensiven Körperkontakt gar nicht möglich ist. Dieser Balkon ist vielleicht in 150 Metern Höhe und die Treppenstufen sind steil. Auch wenn die Kondition nicht die beste ist, die Motivation nach oben zu kommen und von der Spitze über die Stadt zu schauen, verleiht Flügel. Ich halte mich für schwindelfrei, aber diese schmale Treppe mit den Fenstern und der Aussicht über viele Kilometer verlangte danach, das innere Unbehagen zu überwinden. Aufgeben wäre mir nicht in den Sinn gekommen, aber mit dem Tempo meines Jüngsten mitzuhalten war schon eine Herausforderung. Und der war nur vom Gedanken getrieben, so schnell wie möglich oben an zu kommen.

Der Blick in die Weite von dem kleinen Balkon ist phänomenal. Von der Altstadt ist nicht viel übrig geblieben, weil die Alliierten die Stadt am 17.12.1944 in Schutt und Asche gelegt haben. Das Münster blieb unversehrt. Wenn das keine Absicht war!

Nach dem Abstieg signalisierte mein linkes Knie, dass ich es überfordert hatte. Aus den Gesprächen rund um mich verstand ich, dass es nichts mit meinem Alter zu tun hat, sondern dass es den Anderen, die den Aufstieg ebenfalls absolviert hatten, gleich geht. Es fühlte sich an, als ob ich die uralte Nähmaschine meiner Urgrossmutter benutzen würde, auf der man noch regelmässig treten musste, um überhaupt nähen zu können. Das Knie zitterte und machte so eine komische, unkontrollierbare Bewegung. Glücklicherweise nur kurz.

Im nahen Klostergarten Weiblingen hat sich dieses Wochenende das Mittelalter ausgebreitet. Und so haben wir unseren Ausflug mit Bogenschiessen, Gauklern, mittelalterlicher Musik, Pergamentherstellung, Mäuse-Vorhersagen und vielen anderen spassigen Sachen abgeschlossen. Nach Hause und zurück in die Gegenwart hat es uns nicht wirklich gelüstet. Aber ebenso wie die Türme nicht bis zum Himmel wachsen, so gehen auch lustige Sachen einmal zu Ende.

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Béjart – Le Mandarin merveilleux – Sexualkundeunterricht in Kunst und Alltag


Das Béjart Ballett war in der Stadt. Das ist ein Erlebnis, dass ich mir nie entgehen lasse. Béjart sprengt den Rahmen des zu Erwartenden und schafft es jedes Mal wieder, mich zu überraschen. Es ist wie die Begegnung mit einer anderen Dimension. Es ist die Perfektion, es ist das allumfassende Gesamtkunstwerk, die Umsetzung der Musik und der Bewegung, die mich anziehen. Continue reading


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Annie Leibowitz


annie-leibovitz-6Ich war hungrig nach Eindrücken und Inspiration. Ein mit Kultur vollgepacktes Wochenende musste her.

Ich begann leichtfüssig mit Art on Ice 2017 am Freitagabend. Das ist Unterhaltung der leichteren Art, die Musik der Superklasse und Eiskunstlauf der Weltmeister verbindet. Letztes Jahr war es einfach mitreissend und ich hatte mich sehr gefreut. Wie so oft, wenn die Erwartungen hoch sind, ist die klassische Komposition nicht weit. Ganz nach dem Motto: Die Erwartung wird gefolgt von der Enttäuschung. Continue reading


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Wadu hat ein Problem


405672_web_r_k_b_by_manfred-schimmel_pixelio-deBis gestern war die Welt noch in Ordnung. Heute aber ist seine Freundin zu ihm gekommen und sagte, dass sie ein Kind möchte. Wadu hat Kindern gern aber eigene will er keine. So haben sie es damals vor 6 Jahren als sie zusammengezogen sind, auch abgemacht. Continue reading


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Mein Kleinster wurde 10


661248_web_r_by_helene-souza_pixelio-deMein Kleinster wurde 10 Jahre alt. Da merkt man, wie schnell die Zeit vergeht. Mir kommt es vor, als wäre es gestern gewesen, dass ich ihn das erste Mal mit nach Hause gebracht habe.

Jetzt hat er sich eine grosser Kindergeburtstags-Party gewünscht. Die Liste der Kinder, die er einladen wollte, wurde immer länger und endete bei 25. Trotz der Hilfe, die ich mir holen konnte, schien mir eine Gruppe von 25 unter 10jährigen doch eine ziemlich grosse Verantwortung und ich handelte ihn auf 10 Kinder runter. Continue reading