Michaela Merz

Ein perfekter Tag

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Ich bin aufgestanden. Es war noch dunkel. Ich ziehe mich um und gehe los. Der See war ruhig und das Tageslicht begann die Dunkelheit zu besiegen. ‎Ich stiess mein Kanu ins Wasser und achtete sehr darauf nicht nass zu werden. Dann stach ich mit dem Paddeln ins Wasser und fuhr in Richtung Sonnenaufgang. Es war still, nur ab und zu waren Vogelstimmen zu hören. Der See sowie auch das Ufer waren menschenleer. Kein Wunder, am Wochenende zu dieser frühen Stunde. Ich paddelte gleichmässig und genoss die mechanische gleitende Bewegung, die Stille, die zunehmende Wärme und das Licht. Nach 2 Stunden war ich wieder zurück und ich schaffte es nach Hause, bevor mein Kleinster aufwachte.

Wir frühstückten draussen und überlegten, was wir mit diesem wunderschönen Vormittag anfangen sollen. Die Wahl ging in Richtung Stand Up Paddling, somit gingen wir nochmals zum See. Mein Kleinster setzte sich auf das Board und ich gab mir Mühe die Balance im Stehen nicht zu verlieren. Es war wunderschön. Wir beobachteten das Geschehen am Ufer, wir kämpften mit den Wellen, welche vorbeifahrenden Motorboote erzeugten und unterhalten uns mit Leute, die mit Schiffen unterwegs waren. Da es sehr wenig Wind gab, waren die Segelboote nur langsam unterwegs und wir machten uns über sie und ihre Geschwindigkeit lustig. Der Konversation Austausch mit Fremden ist mit Bewegungsmitteln am See besser und besonders frech, heiter aber auch sehr integrativ.‎ Schlussendlich waren wir eine Gemeinschaft. Nach etwa einer Stunde kamen wir ans Ufer zurück. Wir wollten noch bleiben. Wir schwammen und spielten im Wasser.

Nach dem Mittag hat der Wind wunderbar zugenommen und erzeugte kleine Wellen auf dem See. Die Segelboote wurden, was die Geschwindigkeit anbetrifft, allen Paddelbooten überlegen. Somit war für uns zwei klar wir gehen segeln. Das ist ein grösseres Unterfangen, weil ich technisch zu mindestens was Boote aufstellen anbetrifft, sehr unbegabt bin. Bis ich es schaffte, alle Seile und Schnüre der Jolle auf den richtigen Ort mit dem richtigen Knoten zu platzieren, war schnell eine Stunde vergangen. Da ist mein Kleiner, mit dem Aufstellen seines O’pen BIC, ein schnelles Bötchen für kleine Matrosen, schnell fertig.

Handschuhe, Gummischuhe, Neopren Mütze, Sonnenbrille anziehen‎ und los kann es gehen. Es spritz und schäumt, es wirbelt und dreht, immer wieder klappt es so nicht, wie ich es will, da der Wind stärker ist, als mein Wille und mein technisches Können. Das ist aber alles egal. Wenn mein Segelboot über die Wellen fährt, wenn mir der Wind um die Ohren pfeift, wenn mir die Tropfen den Blick versperren, bin ich für alle und alles unerreichbar. Ich gehe in mich, unbekannte Dimension mit einem Gefühl der absoluten Zufriedenheit, Erfüllung und innere Freude.

Ich zurre das Band unter meinen Füssen fest, lege mein Körper weit aus dem Boot hinaus und geniesse die Geschwindigkeit, die Wellen, Wasser und den eigenen Körper. Irgendwann beginnt die eigene Bauchmuskulatur zu protestieren, aber ich halte durch, solange es geht.

Wenn ich nach 2 Stunden segeln aus dem Boot aussteige, bin ich ein anderer Mensch. Müde und glücklich, geordnet und geerdet, ‎mit harmonischer Seele und schmerzendem Körper.

Es ist früh am Abend und ich und mein Kleinster, machen uns auf den Heimweg und beobachten unterwegs ein Autotreffen von Rolls-Royce und Bentley . Schnell wurden wir uns einig, dass sie interessant zum Anschauen sind, aber besitzen wollen wir keines dieser Autos.

Ich stelle fest, dass ich trotz getragenen Handschuhen, Blasen an den Händen habe und auch sonst sehen meine Hände nach diesem Tag aus, als hätte ich den ganzen Tag Bäume ausgerissen.

So viel Erlebnisse in einem Tag, so viel Wasser in verschiedenen Formen, es ist mir kein Wunsch offengeblieben. Ein perfekter Tag in dem sonnigen Ascona.

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