Michaela Merz

Freiheit und ihre Konsequenzen

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Ich segle gerne mit dem Katamaran (Hobby Cat). Das Ding kann sehr schnell sein und bei Windstärke 5 BF fliegt man über die Wellen wie ein schwereloser Vogel.

Ich bin eine leidenschaftliche Seglerin, die bereit ist für das Gefühl der Grenzenlosigkeit in Zeit und Raum einige Schmerzen zu ertragen. Da ich keine wirklich gute Seglerin bin, sondern nur eine leidenschaftliche, fügt mir mein Schiff einiges an physischen Schmerzen zu. Bitte versteht mich nicht falsch. Masochismus ist nicht mein Ding. Es ist halt so, dass wenn man im Trapez ausserhalb des Bootes hängt und eine Windböe kommt, jeder Fehler brutal bestraft wird durch Ausschlagen irgendeines Körperteiles in das eine oder andere Seil (und bestimmte sind aus Stahl).

Was ich aber auf dem Boot erlebe, lässt sich nur schwer beschreiben. Abgesehen von dem Geschwindigkeitsrausch, wenn man auf einer Kufe fährt, die Wellen einem mit kaltem Wasser übergiessen und der Wind die Tropfen in Sekunden auf den Brillengläsern wieder trocknet, ist es die absolute Konzentration, die Anspannung aller Muskeln des Körpers, die Stille abgesehen vom Rauschen des Windes und Rollen des Meeres. Es gibt Momente, die wie aus einer anderen Welt erscheinen, wenn ein Delphin parallel zum Boot schwimmt, die Richtung wechselt wie das Boot und mir das Gefühl gibt mit mir zu spielen.

Oder gestern als ich etwas Riesengrosses im Wasser sah und es ansteuerte und sah, dass es eine riesengrosse Meeresschildkröte war, die einen verletzten Eindruck machte. Ich drehte das Boot besorgt um, um zu sehen, was mit dem majestätischen Tier los ist. Was für eine Erleichterung zu sehen, dass sie quietschlebendig und völlig in Ordnung munter in Richtung Afrika schwamm.

Katamaran segeln ist ein Kontaktsport mit dem Boot. Meine unzähligen blauen Flecken, Schürfungen und Blattern an den Händen von den Seilen, zeugen von der Intensität und meiner Fehlerquote. Ich weiss, dass ich jedes Mal einen Preis zahlen werde, nur nie im Voraus welchen und wie hoch er ausfallen wird.

Gestern nach der Begegnung mit der Schildkröte gab ich “Gas“ und flog mit dem Wind über die Wellen in einem nie zu gewinnendem Wettkampf. Dann kam die Windböe unerwartet und total fies und da ich am Anschlag segelte und mit der Böe nicht gerechnete hatte, flog ich mal wieder durch die Luft, gegen das Stahlseil, das den Mast hält.

Abgebremst hat mich mein Hals. Die Luft ging mir aus und mir wurde kurz schwarz vor Augen. Es tat nicht weh, es fühlte sich eher wie ein Klotz im Hals an und ich musste husten und würgen. Es war ein heftiger Schlag auf die Luftröhre im Hals.

Der Hals fühlte sich sehr unangenehm an und jetzt kamen die Schmerzen. Zurück im Hafen schaute ich in den Spiegel und sah eine rote Linie auf meinem Hals und paar blaue Flecken dazu. Es sah aus, als ob ein Amateur ohne Erfolg und ohne anatomische Kenntnisse versucht hatte mich zu erwürgen.

Jetzt weiss ich wie sich das so anfühlt, wenn man heftig gewürgt wird und wie schnell es geht. Gott sei Dank ist ausser vielen blauen Flecken nichts passiert. Ich danke meinem Schutzengel, der Gott sei Dank keine Ferien genommen hat.

Das Katamaran fahren kann es mir aber nicht verderben. Wo sonst kann man so ein Gefühl der grenzenlosen Freiheit erleben (auch wenn ich weiss, dass jede Freiheit ihre Konsequenzen haben wird).

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