Michaela Merz

Diebstahl einer Toilette auf Burg Pfreimd

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In den Ferien haben wir in einem Dorf unter der 1000 Jahre alten Burg Pfreimd geschlafen. Es ist eine Ruine, aber wir konnten uns sehr gut vorstellen, wie einst die Ritter auf ihren Pferden in den Hof der Burg eingeritten sind, wie sie rund um die Burg gejagt und wie sie dann im grossen Saal im Turm bei einem grossen Kaminfeuer gefestet hatten. Das faszinierendste war aber eine tadellos erhaltene Toilette. Es war alles aus Stein, eine perfekt geglättete Fläche zum Absitzen mit einem Loch, das vor Jahren tief unter der Burg ihren Inhalt ablieferte. Die Vorstellung wie das sein musste, wenn man im tiefen Winter bei Minustemperaturen da absitzen musste, war schaudererregend.

Die Burg in ihrer Erhabenheit symbolisierte für uns Beständigkeit, Ewigkeit und Vergangenheit, inklusive der wunderbar erhaltenen Toilette. Majestätisch, verlassen, stolz.

Rund um die Burg wurden zu dieser Zeit geologische Untersuchungen vorgenommen und eine blutjunge Geologin übernachtete im Zelt oben auf dem Berg. Eines Morgens herrschte im Dorf grosse Aufregung. In der Nacht hatten maskierte Diebe in der Ruine gewütet und versucht, die 1000 Jahre alte Toilette zu stehlen. Wie geht dann so was? fragten wir uns verblüfft. Aber es war banaler und idiotischer als gedacht.

Mitten in der Nacht kam ein grosser Jeep. Die junge Geologin erwachte und kroch aus ihrem Zelt. Sie erstarrte von Angst, als sie drei schwarz gekleidete Männer mit maskierten Gesichtern sah. Dann wurden Stahlseile um die steinerne Toilette gewickelt und mit Motorkraft wurde die 1000 Jahre alte Toilette aus der Wand gerissen. Die Geologin lief durch den nächtlichen Wald und rief die Polizei. Bis die Polizei aber kam, waren die Diebe schon weg. Was diese nämlich unterschätzt hatten, war das Gewicht der Steine. Sie vermochten die steinerne Toilette aus der Wand rauszureissen, aber sie vermochten nicht sie mit diesem Jeep abzutransportieren.

Ende gut, alles gut?! Schon zwei Tage später bauten Restauratoren die Toilette wieder an ihrem ursprünglichen Platz ein und verlegten Kabel um sie gegen zukünftigen Diebstahl zu schützen.

Eine so tolle Sehenswürdigkeit sollte doch nicht in Hände eines skrupellosen Privatsammlers fallen!!

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