Michaela Merz

2. Advent in Madrid – Spuren der Wirtschaftskrise?

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Das Geschäft verlangte es, dass ich im Dezember London, New York und Madrid besuchte. Es weihnachtet überall. Glitzer hängt an allen Ecken, Krippen und Nussknacker (der Hit der Londoner Saison) stehen in den Schaufenstern, Weihnachtslieder tönen aus den Geschäften. Die Spendensammler probieren mal zurückhaltender wie in London oder rockend und rappend wie in New York die Herzen zum Spenden zu motivieren.

Weihnachtsschmuck überall. Von einer Wirtschaftskrise nirgendwo eine Spur. Die Läden sind voll, die Restaurants quellen über, bei den Buden auf den Weihnachtsmärkten ist an Durchkommen kaum zu denken. Das ist gut so. Ich machte mir vor meiner Reise nach Madrid Sorgen um das Land. Aber zumindest an diesem 2. Adventsonntag war es eine unbegründete Angst. Ich nahm ein Taxi, um ins Zentrum zu fahren. Das war gar nicht möglich, weil das Stadtzentrum so voller Menschen war. Aber wie voll. In den Strassen war es kaum möglich durchzukommen. Alle schienen da zu sein und den Sonntag zu geniessen. Die Atmosphäre war herrlich, entspannt und freundlich. Viele hatten billige, in China produzierte, Mützen, Stück à 5 Euro, in Form eines Tiers, oder als Samichlaus-Mitra mit Sternen oder mit Lichtern aufgesetzt. Man trank Wermut, Cüplis und Wein. Die Restaurants offerierten sehr viele feine Sachen wie Austern, Schinkenbrötli, grillierte Meeresfrüchte, Süssigkeiten. Mitten drin in dieser weihnachtlichen Stimmung eine Demonstration mit lautem „NO“. Nein zum Abbau im Gesundheitswesen. Die Demonstration schien sich wunderbar in das Weihnachtstreiben zu integrieren. Es wirkte wie eine Feier und nicht wie angestauter Ärger und Verzweiflung. Ich versuchte mit mehreren Teilnehmer der Demonstration zu sprechen. Aber an diesem Sonntag schien Englisch nicht wirklich die Kommunikationssprache zu sein. Leute waren willig und erklärten mir viel, aber leider nur auf Spanisch. Ich hörte höflich zu und vielleicht habe ich die grossen Zusammenhänge mitgekriegt (Kürzung des Budgets im Gesundheitswesen, was Abbau von Arbeitsplätzen bedeutet), mehr aber auch nicht.

An diesem 2. Advent in Madrid konnte man alles haben: Shopping, Weihnachtslieder, tolles Essen, sehr viel Spass mit den unzähligen Strassenkünstlern und einige von ihnen hatten weltklasse, fröhliche Stimmung, politische Demonstration, Besinnlichkeit (die ich in der Kathedrale De La Almudena genoss), wie auch Kunst in der Goya Ausstellung. Was für ein Ort!! Alles blitzblank sauber, aufgeräumt, gut unterhalten und renoviert. So sieht keine Krise aus. So sieht die Hauptstadt eines Imperiums aus. Wobei wenn man sich in der Kirche die Statuen oder Bilder an den hohen Wänden anschauen wollte, musste man eine Münze einwerfen um so die Lichter einzuschalten. Aber das ist doch nicht wirklich eine Krise?! Oder?

Zurück zum Flughafen bin ich mit der Metro gefahren. Was für eine Metro. 3 Mal besser als in New York, 10 Mal besser als in London. Sauber, pünktlich, zuverlässig. Aber in der Metro wie auch am Flughafen bin ich trotz meiner Kommunikationsversuche alleine geblieben. Ja, sie sprachen mit mir, ja sie erlaubten mir sie zu fotografieren, aber alles auf Spanisch. Und das kann ich leider noch nicht. Ich war wirklich erstaunt, dass ich in den paar Tagen ausser an der Hotelrezeption niemandem begegnete, der ein bisschen Englisch konnte.

Madrid, du bist toll und hast viel zu bieten. Ich bin froh, dass es dir gut geht. Ich weiss, ich muss Spanisch lernen, um euch zu verstehen. Aber wollt ihr nicht auch mit dem Rest der Welt kommunizieren?

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