Grosse Scheidegg und die Bussalp

Raus aus dem Nebel, der so dick sein kann, dass er einem vollständig umhüllt, ganzheitlich verschluckt und einem die Luft zu atmen nimmt. Der Nebel macht mir zu schaffen. Ab und zu wenn ich am Morgen und jetzt im Herbst leider viel zu oft, aufstehe, gibt es aus dem Fenster nichts zu sehen. Nur eine dichte weisse Schicht Nebel. Dieses Weiss kann sehr hartnäckig sein und bleibt einfach in Tal, wo ich wohne, faul liegen. Ab und zu bleib es den ganzen Tag bis spät am Abend. Wer ohne depressiv zu werden mehrere solche Tage hintereinander ertragen kann, hat eine sehr robuste Verfassung. Eigentlich bin ich so eine Person, aber auch mein Energiespeicher ist nicht unendlich. Sonne, Luft und Bewegung helfen meistens.

Die jetzige Situation mit dieser extrem hohen Arbeitsbelastung, dem dicken Nebel und Corona-bedingte emotionale Anspannung ist ein ziemlich giftiger Mix. Es musste dieses Wochenende etwas wirklich richtig Anspruchsvolles sein. Ich musste mich physisch voll herausgeben und emotional wieder aufzuladen. Grindelwald ist ein Ort wo es wirklich sehr gut geht. Mit dem Velo zur grossen Scheidegg, innerhalb von 10 Kilometer 900 Höhemeter zu überwinden. Da bleibt keine Faser trocken. Die Steigung verlangt einem das letzte ab, aber das sonnige Wetter und die phänomenale Aussicht sind eine fantastische Belohnung. Oben angekommen, mit dem Rücken an der Holzwand der Scheune angelehnt, geniesste ich die wärmenden Strahlen der herbstlichen Sonne wie auch die Weite des Tales unter mir. Und klar habe ich vergessen, ein trockenes T-Shirt mitzunehmen und musste dann die Abfahrt in dem klebrigem, nassen absolvieren.

Am Sonntag ist es dann auf die Bussalp bis zum Ende der Strasse gegangen. Fast 1900 MüM. Unten im Tal gab es nur Kälte und Schatten und je höher man den Berg hoch ging gab es immer mehr Sonne und Wärme. Wie die Strasse gestern voll von anderen Velofahrern war, war ich heute fast allein. Ruhe, Sonne, Weite, ein Bach der ins Tal stürzt. Ich mit meinem Velo, angestrengt von der Steigung, verschwitzt (und das zweite trockene T-Shirt habe ich wieder vergessen!!) aber unendlich ausgeglichen und zufrieden. Was für ein wunderbares Gefühl.

Oben angekommen geniesse ich wie gestern die Wärme und die Aussicht. Ein Gefühl der Entspannung und Zufriedenheit. Dankbarkeit.

Ich weiss, dass ist keine wirkliche Geschichte oder es ist eine die sich in zwei Sätzen erzählen lässt. Ich bin zwei Mal hintereinander einen sehr steilen Berg hochgefahren und es hat mir einiges abverlangt. Es hatte mir aber hauptsächlich geholfen mit mir selber in Einklang zu kommen.

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