Leben in Zeiten von Corona XI – Triathlon Schwimmen

Ich fürchte mich von einem möglichen Lockdown. Die Vorstellung, dass wir, wie bereits in bestimmten Staaten, wieder eingesperrt werden, ist mehr als gespenstisch und jagt mir Angst ein. Ich werde meine Sorgen und Frustrationen durch Bewegung gut los. Bewegung in den eigenen 4 Wänden ist möglich aber sehr begrenzt. Die beste Art wie ich mich erholen kann, ist eine gute Strecke kräftig zu Kraulen. Schwimmen hilft immer. Danach ist der seelische Ballast zusammen mit vielen Kalorien aus meinem Körper raus und der Alltag kann wieder losgehen.

Während dem Lockdown im Frühling waren alle Hallenbäder zu. Das war schlimm. Ich schwimme gerne, aber wenn die Wassertemperatur unter 17 Grad sinkt, ist das für mich keine Option mehr. Das macht nur Stress und kein Spass. Der meditative und schwebende Zustand durch wiederholende Bewegung ist im kalten Wasser nicht zu erreichen. Somit war leider kein einziger See für mich eine Ausweichmöglichkeit obwohl ich einen quasi vor der Haustür habe. Erst im Juni konnte ich wieder im See schwimmen.

Da ich jedoch davon ausgegangen bin (und Gott weiss ich will gar nicht recht haben!!), dass im Herbst oder Winter eine erneute Schliessung von allen Hallenbädern sehr wohl möglich wäre, kaufte ich mir ein Neoprenanzug für Triathlon Athleten. Ich bin Neoprenanzüge vom Segeln gewohnt, aber dieses Stück Ausrüstung ist wirklich gewöhnungsbedürftig. Abgesehen davon, dass er sehr teuer ist. Ich war nicht bereit so viel Geld auszugeben, ohne zu versuchen, wie sich das Schwimmen in dem engen Anzug anfühlt. Ich lieh mir einen Auszug und versuchte es bei stürmischem Wetter im See. Die Wellen waren riesig und die Wassertemperatur eigentlich höher als die Lufttemperatur. Richtige zu Schwimmen war wegen den riesigen Wellen kaum möglich. Kalt war mir keine einzige Sekunde. Getrieben durch Angst im nächsten Winter nicht schwimmen zu können, kaufte ich mir dieses Wunderding der Technologie.

Das Anziehen des Anzugs dauert länger als das Anziehen der Ausrüstung zum Fechten. Der Gummi des Anzuges ist sehr empfindlich und jeder Nagelkratzer kann die Schutzfunktionen mindern. Dazu ist er Anzug eng, logisch doch, es muss sich wie eine zweite Haut anfühlen. Somit ist es am besten, Textilhandschuhe zu benutzen, um in den Anzug zu kommen. Sich in den Anzug «reingiessen», was wahrscheinlich am besten beschreibt, wie ich es mache, ist anstrengend. Sehr sogar. Gestern habe ich es das erste Mal am leeren Seeufer geschafft. Dazu habe ich noch Handschuhe und Fusssocken, sowie eine spezielle Schwimmkappe angezogen. Vollständig angezogen, sehe ich aus wie eine schwarze Cervelat (Wurst). Das ganze Anziehen dauert ewig. Obwohl die Luft draussen relativ frisch war, war mir wegen der Anstrengung, um in den Anzug zu kommen, sehr warm.

Keine Ahnung was für eine Temperatur der See gestern gehabt hat. Die Handschuhe liess ich am Ufer und spürte an den Händen die Kälte des Wassers, was sehr angenehm war. Somit war es gar nicht so schlimm. Aber das Schwimmen in diesem Triathlon Anzug ist nicht einfach. Der Stoff saugt sich an die Haut, so dass es kein Platz für das kalte Wasser gibt. Gleichzeitig gibt es Auftrieb. Ich hatte die gesamte Zeit das Gefühl an die Wasseroberfläche gezogen zu werden.

Die Freiheit der Bewegung ist schon da, aber begrenzt. Vielleicht weil mein Anzug neu ist. Nach 20 Minuten schwimmen war ich wirklich müde. Der Wiederstand des Stoffes ist doch grösser als ich es mir vorstellte.

Ich kam ziemlich erschöpft aus dem Wasser. Nicht weit von mir entfernt, spazierten Leute in dicken Jacken und mit Mützen und ich zog mich ans leere Ufer und der Körper strahlte unglaubliche Wärme ab. Nach Hause konnte ich kurzärmlig laufen (ich habe es nicht weit).

Ich war erschöpft aber froh diesen Anzug gekauft zu haben. Ich will kein Lockdown, sollte er jedoch kommen, bin ich gerüstet. Solange wir die Wohnungen verlassen dürfen, ist die Chance gross, dass ich mit Hilfe moderne Materialtechnologie und des Sees mein seelisches Gleichgewicht behalten kann.

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