Michaela Merz

Ich bin ja blöd!!!

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Es gibt eine Menge Projekte, die ich derzeit bewältigen muss. Eigentlich ist mein Kalender ausgebucht und neue Sachen haben bis ende Oktober gar keinen Platz. Aber als der Anruf kam, war mir klar, dass es ein Notfall ist und ich helfen muss. Ich musste alle meine Termine ändern, mich bei einer Menge von Leuten entschuldigen und neue Termine abmachen. Der Freitag war somit voll und von Morgen bis zum Abend ausgebucht. Da ich viel reise, bin ich organisiert und das Packen fällt mir leicht. Aber wegen dieser Ausnahmesituation musste ich noch eine Tasche mitnehmen.

So ausgerüstet mit einer kleinen Tasche (für Telefon, Geld und Dokumente), einem Rucksack für den Laptop und einer weissen Papiertragetasche (auf die Schnelle ist mir morgens kurz vor 6 nichts Besseres in den Sinn gekommen) bin ich los Richtung Bern. Ich will freie Hände haben, darum bin ich immer mit dem Rucksack unterwegs und diese Papiertragetasche war einfach ein Störfaktor.

Ich schaffte meine Besprechung in Bern, schloss sie rechtzeitig ab und marschierte zum Bahnhof um meinen Zug zu erwischen. Vor dem Einsteigen kaufte ich mir beim Kiosk noch eine Flasche Wasser. Als ich in Zürich ausstieg und zu meiner nächsten Verabredung rannte, stellte ich fest, dass meine Hände verdächtig leer sind. Ich Blödmann, hatte die Tasche im Zug vergessen. Ich war selber Schuld, was es gar nicht besser machte. Der Zug war längst weg und meine Tasche ebenfalls. Ich rief die SBB an, gab eine Verlustmeldung durch und war sehr skeptisch. Mir wurde gesagt, dass, falls die Tasche gefunden wird, ich sie nächste Woche in Zürich abholen kann.

Aber am Abend als ich im Bett lag, haben die Zweifel angefangen an mir zu nagen. Was ist, wenn ich die Tasche gar nicht im Zug sondern beim Kiosk, wo ich Wasser gekauft hatte, liegen gelassen hatte? Ich war mir plötzlich nicht mehr sicher. Noch in der selben Nacht rief ich beim Kiosk an (sie haben bis spät offen), aber das Gespräch war nicht aufschlussreich. So entschied ich mich dazu, am Samstag nach Bern zu fahren. Ich habe ein GA (ein Abonnement mit dem man unbegrenzt Zug fahren kann). Es war Samstagmittag als ich in Zürich in den Zug Richtung Bern einstieg. Ich wunderte mich was los war, da der Zug voll war. Und nicht nur voll sondern überfüllt.. Es sah aus, wie der Montagmorgen Verkehr. Erst in Bern realisierte ich, warum es so einen Andrang gab. In Bern gab es eine Klimademo. Hunderte von Leuten waren da, mit Plakaten und Postern. Die Atmosphäre war gelassen und freundlich. Eine Unmenge bekannter Gesichter verschiedener Politiker war zu sehen, manche von ihnen inklusive Kinder, insbesondere die aus dem linken Lager. Die Tasche habe ich leider im Fundbüro nicht gefunden, auch beim Kiosk war nichts. Aber so konnte ich Teil etwas Grösseren werden. Ja ich finde es richtig, dass wir für diesen Planeten, für unsere Nachkommen etwas machen. Es darf auch etwas kosten.

Bei der Rückreise (im fast leeren Zug) habe ich nicht mehr meiner verlorenen Tasche nachgetrauert. Ich dachte darüber nach, was im Leben wichtig ist und dass schlussendlich jeder Beitrag etwas zählt um etwas Grösseres zu erreichen.

Image Source: Unsplash.com

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