Michaela Merz

Das Wetter, bei dem alle zu Hause bleiben

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Die Wettervorhersage ist für das Wochenende schlecht. Schnee bis 700 Meter, Regen bei uns im Flachland, dazu grau und noch mal grau.

In Flachland sind Orkan Böen angesagt. Gutes Wetter um den Keller aufzuräumen. Das halte ich aber nicht das ganze Wochenende durch und darum machen wir uns mit meinem Jüngsten kurz vor dem Mittag für das Eislaufen parat. Es windet wie verrückt und in den Wald hätte ich mich heute nicht getraut, aus Angst dass eines der Bäumchen dieser Kraft vielleicht nicht standhalten wird.

 

Die Eisfläche ist leer. Das stimmt so nicht ganz, weil sie ziemlich bedeckt ist von den herumfliegenden Blättern. Einmal gefallen, bleiben sie auf der Eisfläche liegen, weil es mit ca. 10 Grad viel zu warm ist und das Eis schmilzt. Es bildet sich über dem Eis ein kleiner See, aus dem sich die Blätter nicht mehr befreien können. Dafür gibt es fast keine Leute; ich zähle rund 10 Einsame. So leer sieht man die Kunsteisbahn Dolder am Sonntag selten. Kein Andrang um Eintritt zu bezahlen. Die drei Angestellten an der Theke reissen sich um uns, da es für sie sonst nichts zu tun gibt.

Es regnet nicht, die Winde haben die Wolken verjagt und wir drehen genüsslich aber am Anfang sehr bedächtig unsere Runden. Zum einem ist es die Premiere diesen Jahres und zum zweiten landet man, wenn man umfällt, in einem Teich aus Eiswasser. Durch Luft wirbeln unzählige farbige Blätter, ein spektakuläres und merkwürdiges Schauspiel. Fünf Angestellte sind damit beschäftigt laufend und systematisch die Blätter vom Eis zu fegen. Auch das ist ein interessantes Schauspiel. Das Restaurant ist völlig leer und so wird die normalerweise um die Mittagszeit überfüllte Selbstbedienung zu einer bedienten, gemütlichen Runde, wo wir als Gäste volle und sofortige Aufmerksamkeit des Personals bekommen. Heute ist die Verhältnis der Gäste zu den Angestellten etwa 1:1. Vielleicht gibt es sogar mehr Angestellte als Gäste.

Nach dem Mittag werden wir mutiger und leider übermütig. Wir fräsen mit ziemlicher Geschwindigkeit über die Eisfläche und da wir nicht ausweichen müssen und auf so gut wie niemandem aufpassen müssen, sind wir schnell – viel zu schnell

Sich gegenseitig zu fangen ist lustig, am Boden zu landen und das ist uns beiden passiert, ist eine sehr nasse, unerfreuliche Angelegenheit. Da wird man bis auf die Unterhose durchnässt, weil wirklich sehr viel Wasser auf dem Eis ist. Aber auch die nassen Hosen verderben uns den Spass nicht. Eigentlich sind wir sehr begeistert. Wann gelingt es mir und meinem Jüngsten schon mal, die Eisfläche für uns zu haben und uns voll auszutoben.

Es lebe das schlechte Wetter, wenn alle zu Hause bleiben.

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Bildquelle Titel: w.r.wagner  / pixelio.de

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