Michaela Merz

Mein Badekleid ist mir abhandengekommen

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img_8934Es herrscht ein Bilderbuchwinter wie sich die Kinder den Winter immer wünschen. Schnee und Eis und dazu ist es richtig kalt, so dass der Schnee auch liegen bleibt. Der Hügel hinter unserem Haus ist endlich weiss und man kann ihn mit Schlitten, Bob, Plastiksack befahren, was letztes Jahr gar nicht möglich war.

 

Nur die Sonne fehlt. Hoch in den Bergen gibt es blauen Himmel und Sonne en masse. Bei uns im Unterland gibt es eine Decke aus weissem Hochnebel, der rigoros keine Strahlen durchlässt. So geht es seit einiger Zeit, mittlerweile sind wir in der dritten Woche.

Ich könnte ein bisschen mehr Licht und Sonne gebrauchen, aber das hätte einen Tagesausflug in die Berge bedeutet und das liegt jetzt leider nicht drin. Es braucht einen Plan B. Ich entschied mich für Schwimmen und Sauna. Um zwei Uhr am Samstagnachmittag war das Hallenbad zu meiner Überraschung angenehm leer. Ich musste mich gar nicht sorgen, wer links und rechts von mir schwimmt, mich überholt, oder einen Köpfler machen will, sondern konnte einfach meditativ eine Stunde schwimmen. Und das war herrlich. Der Kopf konnte sich entleeren. Die mechanischen Bewegungen führten die Seele in einen Zustand des Gleitens und das Wasser und die Wärme umhüllten den Körper in einer nicht zu übertreffenden Harmonie.

Da es so schön war, ist es mir schwer gefallen, das Schwimmen zu unterbrechen. Da die Sauna aber nur bis fünf Uhr offen ist, musste ich jetzt los, falls ich noch zwei Saunagänge absolvieren wollte. Widerwillig unterbrach ich das Schwimmen und marschierte gehüllt in mein Tuch mit meinem nassen Badekleid zu der Daumensauna. Auch die war relativ leer. Da hing ich also mein dunkelblaues nasses Badekleid neben mein Tuch auf die Stange neben der Eingangsglastür der Sauna, nahm das zweite Badetuch und legte mich auf die erste Bank. Die Wärme breitete sich in meinem Körper aus, machte mich träge und entschädigte mich für das unterbrochene Schwimmen.

Nach 15 Minuten Sauna, wusch ich den Schweiss unter der kalten Dusche und betrat den Aussenbereich. Da ich ohne Brille war, merkte ich erst gar nicht, dass auf der Metallleiter, die ins Wasser führte, Eiszapfen hingen und was noch schlimmer war, dass die Treppe vereist war. Das Resultat liess nicht lange auf sich warten. Ich rutschte aus und plumpste in das eiskalte Wasser. Dort wollte ich zwar sowieso hin, aber der Moment der Überraschung war gross und ich tauchte komplett unter, inklusive dem Kopf. Wau, da bleibt einem die Luft weg!

Ich absolvierte den zweiten Gang, passte auf der vereisten Leiter in das Aussenbecken gut auf und war um Viertel vor fünf fertig. Ich war die letzte. Als ich gehen wollte, merkte ich dass mein Badekleid verschwunden war. Das war schon komisch. Erst beim zweiten Durchgang durch die Räume merkte ich, dass bei den Duschen noch ein weiteres Badekleid hing. Ich schaute das andere Badekleid an. Es war etwas grösser als meines, offensichtlich älter, da der Gummi eindeutige Spuren der Abnutzung aufwies und an einigen Stellen hat das Chlor Spuren der Vernichtung hinterlassen. Dieses Badekleid war schwarz und beschriftet, meines hingegen war einfarbig blau. Ich überlegte. Hat es jemand nur verwechselt? Oder hat jemand sein altes Badekleid gegen mein neues ausgetauscht?

Ich werde es kaum erfahren und mit grosser Wahrscheinlichkeit sehe mein Badekleid nie mehr wieder. Das war traurig, weil ich an meinen Sachen hänge, insbesondere an meinen Badekleidern. Es ist nämlich gar nicht so einfach ein passendes zu finden, das sich zum Schwimmen eignet und mir dazu auch noch gefällt. Da ich schon im letzten Jahr den Verlust eines geliebten Badetuches verkraften musste, schmerzt es noch mehr.

Aber sich den Tag wegen eines materiellen Verlusts zu verderben, dazu hatte ich auch keine Lust. Darum der Aufruf: Meine Damen bitte kontrolliert eure Badekleider und falls ihr feststellt, dass es gar nicht euch gehört, schickt es mir bitte. Ich will es gerne wieder haben!

Bildquelle: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

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