Michaela Merz

Der letzte Badetag

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334981_web_r_k_b_by_irene-lehmann_pixelio-deDie Nachrichten verkündeten, dass das herrliche Sommer bald zu Ende gehe. Es ist Mitte September, eigentlich ist es nicht wirklich überraschend. Aber durch die Nachricht wurde mir klar, dass ich diesen Mittwoch nicht von 7 bis 19 arbeiten, dann schnell nach Hause fahren, Abendessen kochen und mit meinem Kleinen diskutieren werde.

Nein, am Mittwoch, wenn es draussen 28 Grad warm wird, werde ich um 18Uhr am Nachmittag Richtung Seebad fahren und ein letztes Mal im See schwimmen.

Die Badi war um halb sieben voll, unglaublich voll für einen Mittwochabend. Das Wasser hatte 24 Grad. Die Sonne schien, überall pure Lebensfreude und Vergnügen. Der See war voll kleiner und grösserer Segelboote, Paddelboote, Motorboote, SUPs und aller möglichen wassertauglichen Gefährte inklusive dem Riesendampfer, der neben der Badeanstalt eine Haltestation hat. Alle die Boote verursachten ziemliche Wellen, so dass das Schwimmen schon Spass machte, gleichzeitig aber relativ anstrengend war.

So um Viertel ab 7 fuhr der Bademeister los und mahnt alle Schwimmer nun raus aus der Wasser zu kommen, damit er auch nach Hause gehen könne. Ich folgte nur widerwillig und langsam aber da verschwand die Sonne schon hinter dem Uetliberg und es wurde plötzlich um dunkler. Die Wettervorhersage meldete Gewitter und Regen sowie einen Temperatursturz von 10 Grad am nachfolgenden Tag. Somit verliess ich die Badeanstalt und den Sommer nur sehr ungern. Heute sollte man nämlich die Zeit ein bisschen anhalten können, so wunderschön wie es war.

Aber wie so oft stimmte die Prognose einfach nicht. Tags darauf wurde es kälter aber nicht wirklich kalt und der Regen hat nicht angefangen. Es war bewölkt, aber die Sonne schaffte es immer wieder durchzudrücken und herrliche Wärme auszustrahlen. Heute war aber der letzte Badetag in der Seebadeanstalt. Ab morgen legt sie sich zum Winterschlaf hin und wird erst wieder in 9 Monaten wieder wachgeküsst. Klar das wollte ich und musste nutzen. Die Badeanstalt war in Vergleich zu meinem letzten Besuch gespenstisch leer. Ausser mir und 2 gelangweilten Bademeistern hat es etwa 5 Besucher.

Im Vergleich zu all den quietschenden, schreienden und spielenden Kinder und Erwachsen am Mittwoch, war die Ruhe sehr überraschend. So leer habe ich die Badeanstalt noch nie erlebt.

Ich schwamm unter strahlender Sonne im ruhigen, leeren Wasser ohne Wellen und genoss es. Die Temperatur draussen war etwa bei 18 Grad, die des Wassers bei 21 Grad. Eine herrliche Kombination zum Schwimmen!

Als ich nach einer Stunde aus dem See stieg, musste ich mit Überraschen feststellen, dass mein uraltes Badetuch verschwunden war. Ich hatte es seit meinen Universitätszeiten, eine gefühlte Ewigkeit. Es erinnerte mich an meine Zeit in Oslo und obwohl es eher sehr dünn war, konnte ich mich von ihm nicht trennen. Jetzt wurden wir unfreiwillig auseinander gerissen!

Materiell gesehen war es kein Verlust. Den Gedanken an Oslo muss ich mir in Zukunft ohne das Tuch in Erinnerung rufen. Warum aber jemand in der fast leeren Badeanstalt das wahrscheinlich älteste Badetuch mitlaufen liess, kann ich mir nicht erklären.

Oder gibt es vielleicht ein Lochness Monster mit versteckten hygienischen Bedürfnissen im See?

Bildquelle: Irene Lehmann  / pixelio.de

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