Michaela Merz

Platzspitz-Lauf

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730624_web_r_k_b_by_lupo_pixelio-deIch bin der Überzeugung, dass die Bewegung zu einem Menschen gehört wie das Essen. Ohne Bewegung wird der Mensch schwach und kann nicht mehr funktionieren.

Ohne Essen stirbt man und ohne Bewegung auch, nur vielleicht dauert es ein bisschen länger als 3 Wochen. Wenn man die Bewegung mit etwas Nützlichem verbinden kann, wie der
Gartenarbeit oder mit einem Wohltätigkeitslauf, ist es noch besser.

Vor Jahren gab es auf dem Platzspitz immer einen Wohltätigkeitslauf für MS-Kranke. Der Platzspitz war ein inspirierender Ort um zu laufen und laufend Geld zu sammeln, fand ich toll. Ich lud meine liebe Freundin Victoria ein, mit zu machen. Mit ihr habe ich noch nie im Leben etwas Sportliches unternommen. Sie sagte zu, warnte mich aber, dass sie keine gute Läuferin sei. Ich nahm es zur Kenntnis und machte mir keine weiteren Gedanken darüber.

An dem Renntag war das Wetter nicht besonders gut, es nieselte leicht und der Andrang der Läufer hielt sich in Grenzen. Victoria und ich zogen uns um und begannen zu laufen. Victoria schlank und zierlich und machte nicht den Eindruck, dass sie durchtrainiert wäre und grosse Ausdauer hätte.

Wir fingen also mit einem gemässigten Tempo an, das es uns erlaubt, eine Konversation zu führen. 1 Kilometer, 3 Kilometer, 5 Kilometer. Ich wurde stiller, Victoria erzählte umso mehr. Von Müdigkeit bei ihr keine Spur. Eigentlich hatte ich gedacht, dass wir 5 Kilometer laufen werden und somit wäre meine Grenze erreicht. Ich traute mich es aber Victoria nicht zu sagen, da sie schien das Laufen sehr zu geniessen.

Und so ging es weiter und ich begann meine Reserven zu mobilisieren. Laufen auf lange Strecke war nicht wirklich meine Domäne. Meine zierliche Freundin besorgte die Konversation im Alleingang, da ich sehr mit meiner Atmung beschäftigt war. Ich spürte meine Beine, es begann wirklich anstrengend zu werden. Ich biss die Zähne zusammen, in der Hoffnung, dass sie mal das Bedürfnis für eine Pause verspürte.

Fehlermeldung. Victoria lief wie wenn sie es täglich übte. Das kratze stark an meinem Ego. Ich hatte aber nicht vor klein beizugeben.

Nach 8 Kilometern mit dem gleichen Tempo an der Seite von Victoria, die immer mehr aufblühte, war mein Selbstvertrauen im Keller und meine Kräfte im Eimer. Ich dachte, dass Victoria sich vielleicht an der Marke der 10 Kilometer orientiert. Ich biss also noch mal stärker auf die Zähne und ging an meine restlichen Reserven. Vor Augen hatte ich 2000 m, die ich noch laufen muss. Was Victoria während diesen 2 Kilometern erzählte, ist an mich vorbei gegangen. Meine volle Aufmerksamkeit galt der Zielmarke 10 Kilometer.

Ich habe es geschafft, aber Victoria machte keine Anstalten, dass sie anhalten will. Ich musste meinen Stolz überwinden und zugeben, dass es mir jetzt gerade reicht. Victoria schaute mich mit einem umwerfendem Lachen an und sagte: „Wie du willst“ und hörte auf zu laufen. Ich merkte, sie könnte ruhig weitere 10 Kilometer laufen.

So habe ich gelernt, dass man sehr vorsichtig sein muss, in der Beurteilung Anderer.

Bildquelle:  Lupo  / pixelio.de

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