Michaela Merz

41 Tage – die neue Robinson Crusoe Geschichte

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Fidji
Mit dem Rucksack um die Welt. Wenn man Zeit hat, reist es sich so am besten. So ist Eva in Fidschi angekommen. Das ist ein wunderbarer Fleck unserer Erde, paradiesisch schön, mit frohen gastfreundlichen Leuten. Als sich die Gelegenheit bot, eine kleine, unbewohnte Insel als Tagesausflug zu besuchen, sagte Eva sofort ja. Der Preis war lächerlich und der Ausflug versprach wunderbare Erfahrungen und Eindrücke. Die Erwartung wurde nicht enttäuscht. Das Inselchen war bezaubernd. Haargenau wie sich Mitteleuropäer während regnerischen Tagen das Paradies vorstellen.

Eva war nicht allein sondern mit vier weiteren Touristen unterwegs. Sie sind geschwommen, haben gelacht, die Fische beobachtet. Die Zeit verflog im Nu, bald war spät Nachmittag und man musste die Rückfahrt per Boot antreten. Eva hatte dazu keine Lust. Sie wäre gerne noch ausgestreckt am Sandstrand liegen geblieben und hätte noch den Sonnenuntergang beobachtet.

Dann kam das unwiderstehliche Angebot. Eva und der einheimische Bootsführer Seru könnten noch auf der Insel übernachten. Es gab dort auch einen Bungalow mit mehreren Zimmern und morgen, wenn die nächste Touristengruppe käme, würden sie dann abgeholt. Eva musste nicht lange überlegen sondern sagte sofort ja. Es gab auch keinen Preisaufschlag. Der Abschied war kurz und Eva setzte sich in den Sand und beobachtete den Sonnenuntergang. Sie fühlte sich wunderbar frei und genoss die innere und äusserliche Ruhe.

Der nächste Tag war herrlich. Aber die neue Touristengruppe kam nicht. Erst jetzt haben die beiden Inselbewohner festgestellt, dass das Satellitentelefon im Boot geblieben ist und dass sie somit von der Aussenwelt komplett abgeschnitten waren.

Am Anfang war Eva nicht beunruhigt. Die Wasservorräte waren riesig und für die ersten zwei Tage hatte es noch genug Essen. Die Insel war klein. Einmal rundherum laufen dauerte ca.12 Minuten. Am ersten Tag kam das Boot also nicht und sie beide konnten nur mutmassen, was passiert sein könnte. Doch auch am zweiten Tag tauchte kein Boot am Horizont auf. Und auch dritten nicht. Es dauerte volle 41 Tage bis das Boot die beiden holen kam. Eine neue Robinson Crusoe Geschichte wurde geschrieben.

 

Krabbe
Seru, der auf Fidschi aufgewachsen ist, wusste sich zu helfen. Er fischte, sammelte Krabben und servierte Eva grüne Papaya. Am Anfang war Eva sehr zurückhaltend und hatte keine Lust auf rohe Krabbe. Nach einer Weile und unter dem Einfluss ihres Hungers machte sie es Seru nach und ass, was er ihr brachte.

Sie meisterten ihren Alltag auf der winzig kleinen Insel und entwickelten ausgeklügelte Techniken, um ihren Speiseplan zu verbessern – wie zum Beispiel mit dem Fangen von dort heimischen wilden Küken. Nach 41 Tagen auf engem Raum kennt man sich bis ins letzte Detail der Seele. Die zwei haben sich schätzen und lieben gelernt. Kein Wunder, Zeit und Sonnenuntergänge hatten sie genug.

Als das Boot dann endlich zurückkam, wollte Eva nur noch weg aber sie mussten noch eine letzte Nacht ausharren.

Heute leben die beiden zusammen mit ihrem kleinen Jungen als sehr glückliches Paar in unserer Zivilisation. Hoffentlich werden sie dem Kleinen auch beibringen wie man auf einer paradiesischen Insel überleben kann. Man weiss nie, wann man dieses Wissen braucht.

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