Leben in Zeiten von Corona 2021 II


Am Sonntagmorgen, es ist noch dunkel draussen, aber ich ziehe die Sportsachen an und gehe laufen. Alles schläft noch. Ich begegne niemandem nur bei dem Bauernhof, an dem ich vorbeilaufe, sind die Kühe schon draussen und füllen sich die Bäuche mit dem Silage Futter. Das Licht kommt zaghaft und es ist offensichtlich, dass es da im Unterland wieder einmal kein sonniger Tag wird. Das macht mir nichts aus, zumindest jetzt nicht. Ich renne den steilen Hang nach oben und schnappe nach Luft, um die Steigung bewältigen zu können. Die Luft ist frisch und es ist nicht wirklich kalt aber die Mütze tut ganz gut.  Bewegung an der frischen Luft fühlt sich immer gut an und heute Morgen ist es ein wunderbares Gefühl. Ich erreichte die Kapelle St. Verena und hielt kurz an, um zu schauen wie das Tal so aussieht. Nach 2 Minuten renne ich weiter nach oben, wie wenn dort oben der seelische Frieden zu finden wäre. Leider hat die weitere Steigung auch keinen Frieden gebracht. In meinem Kopf rattern die Gedanken wie wild und ich habe es nicht geschafft, den Kopf leer «zu rennen». Die für Ende Februar geplante Reise nach Prag zu meiner Mutter scheint sich immer weiter zu verschieben, weil zwei Mal Quarantäne, eingesperrt, ohne eine Möglichkeit nach draussen zu gehen, halte ich jetzt einfach nicht aus.

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Das eingeschlossene Fussballteam in den thailändischen Höhlen


Thailändische Schüler meditieren für die in der Höhle eingeschlossenen Jungfussballer (6. Juli). (Bild: Rungroj Yongrit / EPA)

12 Jugendliche und ihr Trainer sind im Norden von Thailand in einer Höhle eingesperrt. Sie sind hineingeklettert und dann ist die Überschwemmung gekommen. Um sich zu retten sind sie immer tiefer in die Höhle abgestiegen. Die Wasser verfolgte sie. Nach elendlangen 9 Tagen wurden sie gefunden. Aber um sie zu finden waren über 100 Einsatzkräfte benötigt inklusive speziell ausgebildete Taucher.

Einfach so können die Jungs nicht wieder raus, weil zwischen ihnen und dem Tageslicht ziemlich viel Wasser steht. Sie müssen erst tauchen lernen um wieder rauszukommen. Das kann Wochen dauern. Ich denke an sie, weil die Geschichte so verrückt klingt, dass es fast nicht zu glauben ist. Aber ich sehe die Bilder von den abgemagerten Jungs am Boden sitzend in der Dunkelheit und weiss, dass das wahre Leben verrückter ist als jede Geschichte.

Ich denke nicht nur an die Jungs, sondern auch an ihre Eltern. Die irgendwo bei dem Eingang des Höhlensystems verzweifelt, hilflos warten. Die Angst, ihre Kinder nie mehr lebend zu sehen wird, sitzt ihnen im Nacken.
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Bambi


395479_original_R_by_Marcus Stark_pixelio.deDas Basler Vorstadttheater machte mit der Vorstellung „Bambi“ einen Abstecher nach Zürich. Ich schlug meinem Jüngsten einen Theaterbesuch vor. Das Wetter war nicht besonders und die Basler machen wunderbare Dinge. Nur tat mein Jüngster Bambi als Kinderkram ab, als etwas, was einem 8 jährigen fast unwürdig wäre.Read More »

Der Tod


Die Kinder beschäftigen sich intensiv mit dieser Frage, wenn sie zwischen 5 und 8 Jahre alt sind. Kürzlich habe ich drei etwa 6 jährige Jungs gehört wie sie sich darüber unterhalten haben, was nach dem Tod passiert. Der grössere sagte, dass man in den Himmel kommt und dass alle die, die schon vorher starben, einem dort begegnen. Der zweite sagte, dass die Toten dann zu einem weit entfernten Stern reisen, auf dem sie dann wohnen und der Dritte meinte, dass der Tod ein Ende ist und es danach nichts mehr gibt. Drei Weltanschauungen der Eltern prallten aneinander und entluden sich in einer heftigen Diskussion.Read More »

Die Mäuse


Wir mussten unsere Schildkröten nach 8 Jahren weggeben. Die jüngere Tochter konnte es nur schlecht akzeptieren, dass Vroni und Guido nicht mehr bei uns wohnen und hat mich ständig belagert, dass sie ein neues Haustier will.

Ich verweigerte mich einem Hund, einer Katze, einem Papagei, aber als sie fragte, ob sie zwei kastrierte Mäuse haben kann, dachte ich nach.Read More »

Die irische Geschichte


Ich war in einer kleinen irischen Stadt für einen Tag zu Besuch. Am späten Nachmittag machte ich mich auf, die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erkunden. Es war eine kleine überschaubare Stadt und es gab nicht sehr viel Historisches zu sehen. Ich landete bei einer winzigen Kirche, umgeben von einem kleinen Friedhof. Er war sehr einfach, mit nur wenigen Steinen ohne jeden Schmuck und Blumen. Nur die Inschriften auf den Grabsteinen erzählten kleine Geschichten.Read More »

Umzug der schwarzen Madonna und Zwetschgenbaum


Meine Freundin Tamara erzählte mir, dass ihre Mutter nur noch etwa ein halbes Jahr zu leben hat. Ihre Lunge arbeitet nur noch zu 20% und es droht ihr der Tod durch ersticken. Helfen kann man ihr nicht mehr. Tamara erzählte, was sie noch alles mit ihrer Mutter machen will, aber die Zeit ist knapp. Sie werden nicht mehr alles schaffen. Ihr letzter Satz schwirrt mir immer noch durch den Kopf: “Warum haben wir nicht vor 10 Jahren angefangen, all das zu machen, als sie noch voller Energie war?“Read More »

Ohmsches Gesetz


Ich kam nach Hause. Im Briefkasten ein Couvert. Es war noch an die alte Adresse gesendet worden. Wir sind vor 4 Jahren umgezogen. Ich erwartete keine spezielle Post. Ich öffne das Couvert und die Welt wird nie mehr so sein wie vorher. Herr Ivan Tomek ist gestorben. Wenn man sehr jung ist, ist der Tod etwas sehr Abstraktes. Die Grosseltern, die ich sehr geliebt habe, und ihr Tod liegen weit weg. Es tat mir damals sehr, sehr leid, aber es hat mein Welt nicht im Grundsatz erschüttert.Read More »