Michaela Merz

Das eingeschlossene Fussballteam in den thailändischen Höhlen

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Thailändische Schüler meditieren für die in der Höhle eingeschlossenen Jungfussballer (6. Juli). (Bild: Rungroj Yongrit / EPA)

12 Jugendliche und ihr Trainer sind im Norden von Thailand in einer Höhle eingesperrt. Sie sind hineingeklettert und dann ist die Überschwemmung gekommen. Um sich zu retten sind sie immer tiefer in die Höhle abgestiegen. Die Wasser verfolgte sie. Nach elendlangen 9 Tagen wurden sie gefunden. Aber um sie zu finden waren über 100 Einsatzkräfte benötigt inklusive speziell ausgebildete Taucher.

Einfach so können die Jungs nicht wieder raus, weil zwischen ihnen und dem Tageslicht ziemlich viel Wasser steht. Sie müssen erst tauchen lernen um wieder rauszukommen. Das kann Wochen dauern. Ich denke an sie, weil die Geschichte so verrückt klingt, dass es fast nicht zu glauben ist. Aber ich sehe die Bilder von den abgemagerten Jungs am Boden sitzend in der Dunkelheit und weiss, dass das wahre Leben verrückter ist als jede Geschichte.

Ich denke nicht nur an die Jungs, sondern auch an ihre Eltern. Die irgendwo bei dem Eingang des Höhlensystems verzweifelt, hilflos warten. Die Angst, ihre Kinder nie mehr lebend zu sehen wird, sitzt ihnen im Nacken.

Ich begegnete vor kurzer Zeit Margrit. Ihr Mann ist über 85 Jahre alt und hat eine tödliche Krankheit. Seine Lebenserwartung liegt noch bei 6 Monaten. Beide wissen, dass ihnen nicht viele gemeinsame Tage auf dieser Erde bleiben. Trotzdem strahlt Margrit eine unheimliche Kraft aus. Ich fragte sie, wie sie es macht. Ich denke, in ihrer Situation wäre ich unendlich traurig.

Margrit erzählte mir, dass sie vor vielen Jahren gelesen hatte, dass bestimmte Naturvölker daran glauben, dass der Tod bei jedem auf der Schulter sitzt und egal was man macht, immer dabei ist. Margrit hat dies damals sehr interessant gefunden und hat sich ihren “Tod” ausgedacht, der immer auf ihrer rechten Schulter sitzt. Sie sagte, dass sie immer versucht hatte, es ihrem “Tod” so schön wie möglich zu machen mit dem Ziel, dass ihm das Leben mit Margrit einfach gefällt und er lange auf ihrer Schulter mitmachen will. Margrit gab auch zu, dass es Tage gegeben hat, wo sie vergessen hatte, dass ihr “Tod” auf ihrer Schulter sitzt. Es gab auch Zeiten, wo sie sich mit ihrem Tod in imaginärem Gesprächen unterhalten hatte.

Margrit meinte, dass sie sich selber und den eigenen Tod so sehr gut kennenlernte. Angst hat sie keine. Sie hatte jeden Tag zu einem schönen Tag gemacht. Und das machen sie jetzt weiterhin mit ihrem Mann, auch wenn er findet, dass die Idee mit dem auf der Schulter sitzenden Tod lächerlich ist. Schlussendlich ist er Physiker und mit ihrer Mystik kann er nicht viel anfangen.

Einzig vor dem Schmerz haben beide sehr grossen Respekt, aber da sie beide Vertrauen in die Fähigkeiten der Medizin haben, glauben sie, dass ihr letzter Weg fast ohne Schmerzen erfolgen kann.

Margrit schmunzelte und sagte mir, dass sie mir aber doch noch einen Rat habe. Falls ich mal ein Man suche, sollte er mindestens 20 Jahre jünger sein als ich. Sie meinte Männer ab 55 Jahren hätten so viele körperliche Beschwerden, da sie in der Jugend nicht sorgfältig mit ihrem Körper umgegangen sind. Das sei dann der grosse Nachteil im Alter. Sie zwinkerte mir zu, nahm die Hand ihres Mannes und beide gingen langsam nach Hause.

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