Michaela Merz

Die Mäuse

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Wir mussten unsere Schildkröten nach 8 Jahren weggeben. Die jüngere Tochter konnte es nur schlecht akzeptieren, dass Vroni und Guido nicht mehr bei uns wohnen und hat mich ständig belagert, dass sie ein neues Haustier will.

Ich verweigerte mich einem Hund, einer Katze, einem Papagei, aber als sie fragte, ob sie zwei kastrierte Mäuse haben kann, dachte ich nach.

Wie lange leben die, fragte ich und sie wusste es nicht. Nach Konsultation der Fachliteratur haben wir festgestellt, dass sie im Durchschnitt etwa 2 Jahre alt werden (und nicht 80 wie die Schildkröten) und ich gab mein ok.

Die zwei grauen Mäuse waren freundlich und fast unsichtbar und führten ein gutes Leben in ihrem grossen Terrarium. Nach 4 Jahren (und nicht nach 2!! wie die Literatur behauptet hat – man kann wirklich niemandem trauen), wurden ihre Felle am Bauch weiss und eine der Mäuse entwickelte eine Beule an der Seite. Wir sind dann zum Tierarzt gegangen und der wollte wissen, ob unsere Maus frisst, wie sie sich verhält und ähnliches.

Er sagte, dass so lange unsere Maus frisst, kann sie keine grosse Schmerzen haben und wir sollen sie in Ruhe bei der zweiten Maus sterben lassen. Sie starb nach etwa einer Woche und unser Haus badete in Tränen. Die lebende Maus schmiegte sich an die tote Maus und bewegte sich nur ganz kurz von ihr weg, wenn sie etwas frass. Ich traute mich nicht, die tote Maus wegzunehmen. Ich brachte es nicht über das Herz die andere Maus in totale Einsamkeit zu stürzen.

Guter Rat war gefragt. Was sollen wir mit einer 4 Jahre alten Maus machen, damit sie sich nicht einsam fühlt? Nach zwei traurigen und hektischen Tagen, während derer die tote Maus immer noch im Terrarium lag, haben wir die Lösung gefunden. Ein anderes Mädchen mit mehreren Mäusen erklärte sich bereit unsere Maus aufzunehmen, damit sie nicht allein ist. Zuerst mussten aber alle Mäuse in Kamillentee gebadet werden, damit alle gleich riechen. Ansonsten hätte unsere Maus einen anderen Duft und die fremden Mäuse hätten sie nicht als eine von ihnen akzeptiert, sondern gebissen und bekämpft. Alles hat geklappt. Und unsere zweite Maus hatte dort noch einen Monat gelebt. Dann ist sie auch gestorben. Im Tod haben wir unsere zwei Mäuse dann wieder vereint.

Nach diesem emotionalen Tiefpunkt verweigerte ich jegliche weiteren Haustiere bis auf eine Kaulquappe.

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