Michaela Merz


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Die Reise nach New York


Beim Einchecken am Flughafen bin ich ein Profi. Keine Flüssigkeiten, keine vergessenen Schlüssel in der Hosentasche. Als mir der Zoll nach dem Scan meines Rucksacks sagte, dass ich darin ein Taschenmesser habe, dachte ich, es sei ein Witz. Als sie ergänzte, dass es ihr nichts ausmacht aber bei Rückflug sollte ich den Messer in den Koffer einpacken, war ich 100% sicher, dass sie ein Witz macht. Keine Sicherheitskontrolle lässt einen Messer in die Kabine durchgehen.

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Öffentlicher Verkehr in Prag





Unterwegs im Bus, Tram oder der Metro haben wir immer das gleiche Spiel gespielt. Der Gewinner ist derjenige, der am längsten fahren kann, ohne sich mit den Händen fest zu halten. Das ist vielleicht gefährlich, aber über solche Sachen denken Kinder meistens nicht nach. Es war damals sehr lustig und richtig herausfordernd. Mit der Zeit wurde ich auf bestimmten Strecken zu einer wahren Meisterin. Ich kannte die Kurven, ich wusste, wo schnell gebremst wurde und ich habe mir Taktiken aneignet, um das Gleichgewicht sehr schnell zu verlagern. Sehr oft bin ich dann aus diesen Wettkämpfen mit meinen Klassenkameraden als Siegerin hervorgegangen. Vieles von diesem Training ist mir dann später beim Fechten zugute gekommen. Solche Trainings sind zur Nachahmung nicht empfohlen!!!! Reparaturen beim Zahnarzt sind nämlich sehr teuer.

Heute bin ich ebenfalls mit dem öffentlichen Verkehr in Prag unterwegs. Jedoch mit dem Verstand eines Erwachsenen und ich halte mich mit einer Hand meistens an einer Stange fest. Sehr oft reicht es aber nicht. Das abrupte Bremsen der Busse oder die Kurven (die Busse sind wesentlich länger geworden) bringen mich oft in anspruchsvolle Situationen, wo eine Hand nicht ausreicht. Umso besorgter beobachte ich immer wieder Leute im Alter von 70 und mehr Jahren, die in einen Bus einsteigen, angebotene Plätze zum Hinsetzen verweigern, sich bei den Türen rund um die Stange wickeln und versuchen die Reise stehend auszubalancieren. Ich verstand nie, warum sie es so machen. Warum setzen sie sich nicht, insbesondere, wenn ihnen sogar ein Platz angeboten wird. 

Ich diskutierte es vor einiger Zeit mit meinem Vater. Er ist seit ein paar Jahren gehbehindert aber auch er weigert sich, abzusitzen. Er erklärte mir, dass das Absitzen und Aufstehen und das alles innerhalb einer kurzen Zeitspanne, mehr Kraft brauche als das Stehen. Dazu hat er (und die Anderen wahrscheinlich auch) Angst, dass wenn er zu weit weg vom Ausgang sitzt, er es nicht schnell genug schaffen wird, auszusteigen. Eine Busstation weiter als gewünscht zu landen, ist ihm ein Horrorszenario. Seine Argumente leuchteten mir ein. Ich dachte aber, dass obwohl wir eine ungeduldige Gesellschaft sind, die leider dem Alter nicht mehr viel Respekt entgegenbringt, wir doch noch nicht so schlimm sind, dass der Bus nicht bereit wäre zu warten, bis jemand Langsames aussteigt. Es reicht nur, sich bemerkbar zu machen. Ein böser Blick eines Ungeduldigen, ist nur ein Blick…Die Diskussion mit meinem Vater liessen wir eigentlich offen. Jeder ist bei seiner Überzeugung geblieben.

Am Sonntagnachmittag stieg ich also in den Bus. Nach zwei Stationen stiegen 4 ältere, sehr herausgeputzte Damen ein. Zwei von Ihnen hatten sehr lustige Hüte. Zwei setzen sich und zwei blieben stehen. Der Bus begann, sich zu bewegen. Die vier schwatzen freundlich, lachten und benahmen sich wie anständige Gymnasiasten. Und wie so oft musste der Bus abrupt bremsen. Diejenige, die am nächsten bei mir stand, flog in freiem, ungebremsten Fall in meine Richtung.  Mir ist es gelungen, sie zu fangen und zu verhindern, dass sie zu Boden sank. Ich hob ihren Arm fest, bis sie wieder stabil stand und der Bus ebenfalls zum Stillstand kam. “Und jetzt absitzen”, befahl ich ihr. ” Wissen sie was wäre, wenn sie sich jetzt da das Bein gebrochen hätten?”, ergänzte ich noch. Sie sah mich erschrocken und entschuldigend an. Die zwei anderen machten ihr Platz und sie setzte sich sofort. Ich war vielleicht zu harsch, aber ich hatte mir wirklich Sorgen um sie gemacht. Gleichzeitig hoffe ich, dass ihr das Erlebnis Lehre genug sein wird. Erfahren werde ich es aber wohl nie.


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Geschäftstüchtigkeit


Ich kam in Frankfurt an. Wie so oft, bestellte ich via Uber meine Mitfahrgelegenheit. Sie war da, noch bevor ich den Standort erreichen konnte. Mein Ziel war weit vom Flughafen entfernt. Dementsprechend war die Reise teuer. Bei Uber habe ich beobachtet, dass die Reise vom Flughafen zum Ziel um ein Drittel bis die Hälfte billiger ist als die identische Distanz zurück zum Flughafen. Dies unabhängig von der Tageszeit. Meine Hauptsorge galt allerdings der Rückreise. Ich wusste, dass ich in der Verkehrsspitze reisen würde und das quer durch die ganze Stadt.


Ich fragte darum den Fahrer, wieviel Zeit ich am späten Nachmittag einrechnen müsste, um um 18 Uhr am Flughafen zu sein. Zu meiner Überraschung sagte er, dass es keinen Unterschied ausmache. Na dann. Problem gelöst. Er bot mir an, mich abzuholen. Ich fand es ein gutes Angebot. Schliesslich kannte ich so den Preis im Voraus und es war mir auch bewusst, dass er das Geld dann ohne die Vermittlungsgebühren von Uber verdienen wird. Das war auch in Ordnung.

Bei solchen Angeboten bin ich aber skeptisch. Wer weiss, ob er tatsächlich kommt. Aber um fünf Uhr am Nachmittag nach allen meinen Besprechungen, war er pünktlich an der abgemachten Stelle und wartete auf mich. Ich fragte ihn nach einem Preis, um jegliche negative Überraschung am Flughafen zu vermeiden. Ich staunte nicht schlecht, als der Preis noch um einiges tiefer war, als der Preis des Morgens. Da sass ich aber schon in dem Fahrzeug und fuhr zum Flughafen.

Ich fragte ihn, wie der Preis zustande kam und er erklärte mir, dass er keine Abgabe an Uber bezahlen müsse und auch keine anderen Steuern. Das machte mich stutzig. Zu einer Steuerhinterziehung wollte ich nicht beitragen, aber ich realisierte, dass meine Machthabe sehr limitiert ist. Ich versuchte mich damit zu beruhigen, dass er das Einkommen vielleicht doch noch in seiner Steuererklärung deklarieren wird, aber es funktionierte nur paar Sekunden. Mir war klar, dass die Wahrscheinlichkeit bei dem, was er sagte, sehr geringfügig war. Am Flughafen fragte ich nach einer Quittung, aber er hatte keine und wollte mir keine geben. Dafür ist der Preis noch um 5 Euro gesunken. Ich zahlte in bar und verliess das Uber mit einem unguten Gefühl. Dass er so für sich mehr verdient als bei Uber war für mich ok. Schlussendlich verdiente Uber auch nicht schlecht auf meiner ersten Fahrt.

Der Betrug am Staat brachte mich jedoch zum Nachdenken, da ich keine Idee hatte, wie ich ihn hätte verhindern können. Ich bin der Meinung, dass der Staat die Steuern, die ihm zustehen, bekommen muss, um seine Aufgabe erfüllen zu können. Ich bin mir jedoch unsicher, wie ich nächstes Mal bei so einem Taxi Angebot reagieren würde.

Nehme ich es? Werde ich es abweisen? Was hättet ihr gemacht?


Thommy Weiss / pixelio.de


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So verliert man Kunden


Ich liebe UNIQLO. Das ist der Laden, der Roger Federer seit Neuestem einkleidet und der Laden, den es in der Schweiz nicht gibt.

Ich entdeckte UNIQLO zufällig, als ich in New York unterwegs war. Ich war zu Fuss von einer Kundenbesprechung in Richtung meines Hotels unterwegs und es begann wie aus Kübeln zu regnen. Ich hatte keinen Schirm dabei und brauchte Schutz und der nächste Eingang war jener von diesem Laden. Ich habe Shopping nicht gern. Continue reading


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Dublin – Zürich


Ich fliege mit dem Flug um 6.40 Uhr von Dublin nach Zürich. Die Reception kann am Vorabend keine Rechnung ausstellen aber als Kundenservice bieten sie mir, dass sie mich wecken werden. Ich sage ok und gebe 4.45 Uhr an.

Am Morgen wache ich aber schon um 4.15 Uhr auf und erledige alle Mails, die seit gestern Abend gekommen sind. Ich bin fertig und vorbereitet und wundere mich, warum das Hoteltelefon nicht geläutet hat. Erst jetzt merke ich, dass auf dem Telefon ein Licht leuchtet und auf dem Telefonbeantworter eine Nachricht hinterlassen wurde. Das Telefon läutete aber nicht. Eine sonderliche Art und Weise wie man Gäste weckt.

Das Hotel bereitete mir aber einen Papiersack mit Frühstück. Das ist sehr nett und aufmerksam. Eine gute Entschädigung für die Panne mit dem Wecker.

Es regnet und das bestellte Taxi ist schon da. Der Taxifahrer steigt aber nicht aus. Schliesslich regnet es. Die Devise ist Selbstbedienung. Ich öffne den Kofferraum, um den Koffer zu versorgen. Bei der Ankunft erhöht der Taxifahrer die Taxe um eine Tunnelgebühr. Aber durch einen Tunnel sind wir gar nicht gefahren, es war auch nicht nötig. Ich habe aber keine Lust mit ihm zu streiten. Es regnet weiterhin, er macht aber wieder keine Anstalten auszusteigen und mir mit dem Koffer zu helfen. Mache ich es also selber und lasse den Kofferraum mit Absicht offen. Das ist nicht nett aber betrogen und schlecht behandelt zu werden, das ist zu viel des Guten.

Gestern bin ich mit Uber in Dublin gefahren. Das Auto war sauber und toll, der Fahrer extrem hilfsbereit und zuvorkommend. Da ist die Wahl zwischen dem offiziellen Taxi und Uber einfach.

Der Automat für den Druck der Kofferetikette am Flughafen funktioniert nicht. Ich muss anstehen. Da der Papiersack mit dem Frühstück nass wurde, fallen alle Sachen auf den Boden. Ich stelle fest, dass ich eine Glasflasche mit Wasser, einen Apfel, Joghurt und und ein Sandwich bekommen haben. Alles rollt am Boden. Ich sammle es auf.

Der Joghurt in Bechergrösse 125 ml wurde mir bei Einchecken weggenommen. Es liegt über 100 ml. Ich wusste es und versuchte es dennoch in der Hoffnung, dass der menschliche Verstand funktionieren könnte. Hat er nicht.

Aus dem gemütlichen Frühstück wurde somit nichts. Eine weitere Reiseerfahrung, die ich mir gerne erspart hätte.

Bildquelle: Mich Rittmann / pixelio.de


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Leningrad damals, St. Petersburg heute oder wie ich den Kuss von Rodin verpasst habe


Damals war ich auf Studentenaustausch in Leningrad. Jahrzehnte ist es her und die Stadt heisst mittlerweile St. Petersburg. Damals wie heute habe ich in der Nähe des Zentrums gewohnt. Unser Studentenheim von damals war fünf Stockwerke hoch. Der Schlafsaal hatte Platz für 30 Mädchen. Duschräume gab es im vierten Stock für die Mädchen und im zweiten Stock für die Knaben. Spartanisch war die Einrichtung.

Um neun Uhr abends schloss die Pförtnerin das Haupteingangstor und wer nicht drin war, musste bis um sechs Uhr morgens warten, bis es wieder aufgeschlossen wurde. Für eine zwanzigjährige aufstrebende Ökonomin wie ich es damals war, schrie diese Regel nach nicht Befolgung. Es dauerte nicht lange und ich fand heraus, dass der Keller unseres Heimes mit dem Keller des Hauses daneben verbunden ist. Das andere Haus blieb die ganze Nacht offen. Die Weg in den Keller war zwar mit einem Gitter versperrt, da ich aber wahrscheinlich weder die erste noch die letzte war, die diese jugendfeindliche Regel nicht befolgte, liess sich einer der Stäbe des Gitters verschieben. In jungen Jahren, wenn man ganz schlank ist, ein perfekter Durchgang. Continue reading


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Miami


493904_web_R_K_B_by_Hans-Dieter Buchmann_pixelio.deIch reise viel und habe schon viele grossartige Orte besucht, fantastische Gastfreundschaft genossen und städtebauliche Meisterwerke sowie Naturwunder entdeckt. Es passiert jedoch nicht oft, dass meine Erwartungen derart übertroffen werden wie es in Miami geschehen ist. Warmes, blaues Wasser, umrandet von weissen Stränden, eingetaucht in eine Ozeanbriese – das sind die unendlichen Strände in Miami. Continue reading