Michaela Merz

Die Reise nach New York

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Beim Einchecken am Flughafen bin ich ein Profi. Keine Flüssigkeiten, keine vergessenen Schlüssel in der Hosentasche. Als mir der Zoll nach dem Scan meines Rucksacks sagte, dass ich darin ein Taschenmesser habe, dachte ich, es sei ein Witz. Als sie ergänzte, dass es ihr nichts ausmacht aber bei Rückflug sollte ich den Messer in den Koffer einpacken, war ich 100% sicher, dass sie ein Witz macht. Keine Sicherheitskontrolle lässt einen Messer in die Kabine durchgehen.

Umso mehr staunte ich, als ich bei der Ankunft in New York in meinem Rucksack tatsächlich das Sackmesser von meinem Jüngsten entdeckte. Wahrscheinlich hat er es dort irgend mal eingesteckt. Ich war richtig überrascht, dass mich die Sicherheitskontrolle durchliess. Aber ich war zu müde weiter darüber nachzudenken. Ich wollte nur ins Bett.

Ich wohnte neben Grand Station Mitte Manhattan. Um 3 Uhr am Morgen weckte mich ein Feueralarm. Ich war auf dem 36 Stock und die Vorstellung ich gehe zu Fuss bis auf die Strasse war erschreckend. Ich schaute im Flur aber da war niemand. Ich rief bei der Rezeption an um zu fragen ob es eine Übung oder Ernstfall sei. Niemand antwortete. Und so machte ich mich auf den Weg um in der Lobby dann herauszufinden, dass der Alarm ein Ernstfall war aber mittlerweile unter Kontrolle sei und ich könne wieder zurück in mein Zimmer. Ich spähte durch die angesammelte Menschenmenge– keiner der Anwesenden trug ein aufregendes Pyjama. Danach machte ich mich auf den Weg zurück ins Bett.

Am folgenden Abend entschied ich mich für einen Uber zurück ins Hotel. Von meinem Fahrer erfuhr ich, dass er ursprünglich aus Georgien stamme. Wir unterhielten uns auf Russisch. Es war eine aufgeregte Diskussion in seiner Muttersprache. Als er mir mitteilte, dass er auf dem rechten Auge blind ist und auf dem linken etwa 50% Sehkraft hat wurde mir richtig unwohl. Es ist nichts passiert und ich bin gut angekommen.

Der Fahrer des nächsten Ubers den ich bestellte war der englisch Sprache nicht mächtig. Als ich ihm eine Frage stellte, welche Sprache er spreche, steckte er mir sein Smartphone mit Google Translator vors Gesicht. Darauf stand, dass Spanisch seine Muttersprache ist. Da kann ich aber leider nicht mithalten. Ich verzichtete auf die Konversation via Google Translator. Obwohl in GPS klar war, was unser Ziel ist und wie wir dorthin gelangen, hat er sich zwei Mal verirrt. Am Ende hat er sich mit breitem Lachen und einem Schleckstängel verabschiedet. Ich nehme an, dass er auf diesen Job angewiesen ist. Ich habe ihm ein sehr gutes Rating gegeben. Schlussendlich hat er es geschafft mich sicher und rechtzeitig zum gewünschten Ort zu bringen.

Als mich dann um 11 Uhr in der Nacht das Restaurant in meinem Hotelzimmer angerufen hatte um zu prüfen, ob ich wirklich mit der Rechnung von heute Abend einverstanden bin, wollte ich sie zum Teufel jagen, da ich mich schon im Tiefschlaf befand. ich machte es nicht. es wäre sinnlos.

Beim Rückflug zurück nach Hause – Hundemüde wegen zu viel Arbeit und zu wenig Schlaf – habe ich mich schon im Voraus eingecheckt und wollte nur noch mein Gepäck abgeben. Der Flughafen war fast leer. Eine Reihe mit vielen Schleifen kreiert durch Textilbänder führte zum Check-in. Ein direkter weg zum Check-in ohne Umwege war als Exit gekennzeichnet. Ich hatte keine Lust mich da hin und her mit meinem Koffer zu zwängen und machte eine Abkürzung über den Exit. Es war ja niemand da bei dem ich mich Vordängen könnte. Ich ergatterte kein Vorteil ausser vielleicht die paar eingesparten Schritte und Schlaufen. Die Dame am Check-in schaute mich böse an und sagte mir, dass ich so was nie mehr machen sollte. Regeln sind da um zu befolgt zu werden auch wenn sie gar kein Sinn machen. Auch das habe ich gelernt.

Das ist aber eigentlich für New York nichts Ungewöhnliches. Es passiert so viel, und Erlebnisse sind da einfach intensiv und zu erwarten. Ich freue mich auf die nächste Reise dorthin.

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