Michaela Merz


1 Comment

Florida im Winter


Was einem sofort auffällt, ist die überbordende Nettigkeit, die Dir auf Schritt und Tritt begegnet. Alle scheinen sehr optimistisch und fast enthusiastisch zu sein. Das fühlt sich gut an. Ich frage mich, ob durch diesen kollektiven Optimismus Depressionen verhindert werden können oder ob es umgekehrt ist, weil diejenigen, die an einer Depression leiden ins Bodenlose gezogen werden, weil rund herum nur Leute sind, die wirklich gut drauf sind.

Alles ist entspannter, Aggressivität nicht sichtbar, Gedränge (trotz Schlangen) nicht existent. Der Level der täglichen Aggressivität ist in Europa, und ja auch in der Schweiz, um einiges höher als in Florida. Sehr spürbar ist dies zB. im Strassenverkehr. In Zürich wird man angehupt, wenn man bei grün nicht sofort losfährt. In Florida wird auf einer viel befahrenen 4-spurigen Strasse ohne jegliches Vorhandensein eines Fussgängerstreifens, wird für die Fussgänger angehalten. Kaum vorstellbar in Zürich.

In Lift wird darum höflich diskutiert, wer als Letzter raus geht und die Leute halten einander die Türe auf. Niemand drängelt nirgendwo. Die Schlangen in Cape Canaveral zur Besichtigung des Kennedys Space Centers waren zahlreich und lang, trotzdem verlief alles sehr freundlich und entspannt.

Als ich im Meer mit meinem Jüngsten schwimmen war, kaum mehr als 150m von Ufer entfernt, kam ein Polizeiboot. Ich war eher angespannt und erwartete eine Belehrung oder einen Hinweis, dass wir irgendetwas falsch gemacht hätten. So ist mindestens meine Erfahrung mit der Seepolizei in Europa. Jack der Polizist war ausgesprochen nett, erkundigte sich bei uns, ob alles in Ordnung sei und schenkte meinem Jüngsten ein kleines Warnlicht, sollte er einmal in Not geraten.

Bei Ausleihen des Stand-Up Bretts wurde mir empfohlen eine Schwimmweste anzuziehen (aber selbstverständlich gerne) aber es bestand keine Pflicht. Das hat mich sehr beeindruckt, weil ich denke, dass die Verantwortung über mich und mein Leben bei mir liegen sollte und nicht beim Staat. Und natürlich ohne Schwimmweste wäre ich nie los gefahren. Man weiss NIE!! Wenn ich es aber trotzdem einmal machen würde, würde ich in der Schweiz, sobald ich mich mehr als 300m vom Ufer entferne, gebüsst. Und das finde ich nicht in Ordnung.

Am Meer auf dem Brett bin ich durch und mit Fischen gefahren. Ich habe noch nie so viele Fische in offenen Gewässer gesehen wie dort. Dazu kam eine Gruppe Delphine, die nur ein paar Meter entfernt von mir an mich vorbei geschwommen sind. Mittelgrosse silbrige Fische sprangen senkrecht aus dem Wasser. Der erste erschreckte mich und bei allen nachfolgenden habe ich ihre Kunststücke genossen. Weiter gab es Unmengen von Vögeln, die alles anderes als scheu waren und paar Alligatoren, die ich sehen konnte, die aber zum Glück sehr scheu waren.

Man ist sehr prüde. Ich habe während des ganzen Aufenthalts weder ein nacktes Kleinkind am Strand noch eine Frau oben ohne gesehen. Sogar in dem Flieger Museum, das wir mit meinem Jüngsten besichtigt haben, gab es alte Flugzeuge mit sehr vielen aufgemalten, grossbusigen Schönheiten. Bei einer Uhr mit einem solchen Pin-up girl, wurden die Brüste mit einem Streifen überklebt.

Die Toilette heisst hier auch Pausenplatz (Restroom) obwohl sie für eine Pause total ungeeignet ist.

Silvester in Florida war toll. Warm, viele freundliche Leute, die alle zu einem Schwatz aufgelegt waren. Lichter, Attraktionen, Musik, viele Stände mit Essen, Getränken und kleinen Geschenken. Es gab Feuerwerk und um Mitternacht ist anstelle eines Apfels wie in New York eine Ananas aufgeschlagen worden. Grossartig und sehr unterhaltsam.

Ich kann Florida empfehlen. Jeder findet hier etwas. Unterhaltung und Natur, Stille und Ramba-Zamba, Sport und Kultur, Essen, Trinken, Sehenswürdigkeiten und Strand, Shopping.  Das Wetter und die Leute stimmen. Die Preise sind am oberen Ende. Aber auch mit schmalem Budget lässt sich vieles entdecken.

This slideshow requires JavaScript.


Leave a comment

Grindelwald – 50 Jahre Pfingsteggbahn


Die Luftseilbahn Pfingsteggbahn feiert am 2. Juli 2017 ihr 50jähiges Bestehen. Die Preise sein wie anno 1967:
3.60 SFr. einfach, 5.40 SFr. retour. Ein Schnäppchen. Der Rest ist gratis: der Eigerblick, die Alpenluft, nette und kernige Einheimische, eine Gelassenheit die den Städtern fehlt, die fantastische Aussicht ins Tal, die Rodelbahn, der Spielplatz, das Glockenkonzert von weidenden Kleinziegen, die Alpenbeiz und vielleicht ein paar übende Jodler. Continue reading


Leave a comment

Kunst


Unterwegs mit dem Velo entlang der wilden Maggia im Tessin haben wir mit meinem Jüngsten den freien Tag, die wärmende Sonne, die frische Luft und den Duft der sommerlichen Natur genossen. Es gibt immer etwas zu entdecken und so dauerte es nicht lange und nach etwa einer halben Stunde bremste mein Jüngster bei einem Stein Mosaik am Rande des Velowegs. Continue reading


Leave a comment

Wie verkaufe ich richtig


02%20FunPark_EingangIch und mein Kleinster (bald 10) lieben das Playmobil Land in Zirndorf bei Nürnberg. Zum einem es liegt am Playmobil selber und der Tatsache, dass mein Kleinster mit den Figuren liebend gerne spielt. In diesem Freizeitpark darf man das wie kaum irgendwo sonst. Continue reading


Leave a comment

Verloren im Wald (www.mapy.cz)


Es ist Sommer, warm, am Abend ist es lange hell. Ich bin nach fast 30 Jahren im Wald meiner Kindheit. Damals habe ich diesen Wald in- und auswendig gekannt. Wir haben dort Pilze, Himbeeren, Heidelbeeren gesammelt. Wir sind auf die Hochsitze geklettert, haben Zwerghütten gebaut und Räuber und Gendarm gespielt. Ich kannte den Wald und seine Verstecke. Continue reading