Michaela Merz

Schau mir in die Augen, Kleines

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Wenn ihr in zehn, zwanzig Jahren zurückblickt, was ist es, das euch in Erinnerung geblieben sein wird? Eine bestandene Prüfung? Der erste Kuss? Ein spezifisches Buch oder ein Film?

Wenn ich zurück denke, so ist es einiges, was mir in Erinnerung geblieben ist.

Zum Beispiel das Konzert von Robbie Williams vor mehr als elf Jahren im Berner Stade de Suisse, wo Robbie das ausverkaufte Stadion ohne technische Effekte, ohne Tänzerinnen und Videos quasi in Alleingang unterhalten hat. Das Publikum hat einfach “gekocht” – mitgetanzt,  mitgesungen und mitgeklatscht. Diesen September war Robbie wieder in der Schweiz und es war toll und super unterhaltsam. Robbie hat zugenommen aber eine Show kann er immer noch bieten. Obwohl es grossartig war, bin mir nicht sicher, dass ich mich in zehn Jahren noch daran erinnern werde.

Oder das Buch Sophie’s Wahl, wo eine jüdische Mutter aus Polen im Konzentrationslager den bewussten Entscheid treffen muss, welches ihrer beiden Kinder sie in Tod schickt und welches zur harten Arbeit mit einer Chance auf Überleben. Noch heute bekomme ich Gänsehaut wenn ich an die Passage im Buch denke. Damals habe ich geweint.

Oder 9/11 mit den Bildern, die ich am Anfang für eine Fälschung hielt, weil die Realität so grausam war, dass es mir schwer fiel, es zu glauben.

An Materiellem kommt mir nur ein Kleid in den Sinn, welches meine Grossmutter für mich genäht hatte und so sicher dazu beigetragen hat, dass ich am nationalen Tanzwettbewerb so eine unglaublich gute Platzierung erzielen konnte.

Diesen Samstag war ich in der Stadt unterwegs. Beim Lindenhof in Zürich konnte man sich auf den Boden setzen und einem Fremden ein paar Minuten schweigend in die Auge schauen. Ich war gespannt, wie schwierig das ist. Es war einfacher, als ich dachte. Von der anderen Person habe ich aber nichts mitgekriegt. Die Augen der ersten Person waren hell blau und erinnerten mich an meine Grossmutter. Der Blick versetzte mich in meine Kindheit und rief unsere gemeinsamen Erlebnisse in Erinnerung. Schön war die Reise und nur ungern habe ich sie verlassen. Das zweite Paar Augen war smaragdgrün und holte Erinnerungen an meine Jugendfreundin heraus. So ist es weiter gegangen. Es war schön, aber Neues habe ich nichts erfahren.

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