Michaela Merz

Work-Life in Balance?

Leave a comment

Ich habe drei Kinder, seit dem letzten Jahrtausend eine 100% Stelle und einen anspruchsvollen, erfüllenden Job. Man könnte sagen, ich habe es geschafft die heiss diskutierte Work-Life Balance zu finden und zu leben.

Kürzlich habe ich diskutiert, dass es für mich eine Work-Life Balance gar nicht gibt sondern ausschliesslich Wahlmöglichkeiten rund um Work und Life, die alle mehr oder minder befriedigend sind. Ich habe darüber sehr viel nachgedacht. Mit dem Ausdruck Work-Life Balance Ausdruck betrügen wir uns selber, weil es eine Balance gar nicht gibt.

Ich denke da an die Situationen, wo ich eines oder mehrere meine Kinder zur Betreuung abgeben musste und ich wusste, das wird wehtun. Ihr Heimweh wird zu Tränen führen und der einzige Weg wäre den Job aufzugeben. Das ist aber keine Balance, das ist einzig eine Wahlmöglichkeit.

Dann sind da die Situationen, wo ich spät am Abend am Telefonieren bin, weil ein grosser Teil meiner Kunden in den USA angesiedelt ist und die 6 bis 12 stündige Zeitverschiebung solche Telefonate unausweichlich macht. Anstelle meinen Kindern zuzuhören, wie ihr Alltag abgelaufen ist und welche Sorgen sie hatten, widme ich mich den steuerlichen Problemen meiner Kunden. Das ist ebenfalls keine Balance sondern eine Option.

Da sind Arbeiten am Wochenende, Flüge ins Ausland über mehrere Tage, wo ich für meine Kinder nur ein Bild in ihrem Herz bin, anstelle mit ihnen Kuchen zu backen, schwimmen zu gehen oder eine Geschichte zu erzählen. Das ist auch keine Balance sondern eine Option.

Umgekehrt ist es genauso. Die perfekte Lösung eines Problems verlangt nach Zeit und die hätte ich mir gerne genommen, aber ich muss das Büro verlassen und verliere den Gedankenpfad, weil mein Jüngster vom Bogenschiessen abgeholt werden muss. Klar könnte er mittlerweile allein mit dem Bus nach Hause aber das ist die Zeit, wo wir zwei die Gespräche, über das, was ihm wichtig ist, über Gott und die Welt führen. Es ist mir wichtig. Wichtiger als alles sonst. Das ist keine Balance sondern eine Option.

Da sind die Anlässe am Abend wo man Netzwerke und Kontakte knüpft, um die Karriere weiter zu bringen. Das Ganze muss jedes Mal genau überlegt werden, wie ich die Betreuung organisieren werde und zwar auf die Minute genau inklusive der Reiseplanung mindestens eine Woche in Voraus. Ich muss entscheiden, ob ich es meinen Kindern zumuten kann – schon wieder. Ich weiss, ich sollte gehen, es ist wirklich karrierefördernd. Gleichzeitig weiss ich, ich sollte nicht gehen, weil der Jüngste wird mich gerade abends vermissen. In mindestens der Hälfte der Fälle verzichte ich zu gehen. Mies fühle ich mich schlussendlich sowieso, egal ob ich gehe oder nicht, weil immer etwas auf der Strecke bleibt. Das ist auch keine Balance, sondern nur eine Option.

Es muss einmal laut gesagt werden, dass wenn man sich für die Familie und einen Job entscheidet, wird etwas immer auf der Strecke bleiben. Die Kompromisse, die man eingeht, werden sich nicht nach Balance, sondern eher nach einem schlechten Entscheid anfühlen, weil man einfach nie allem gerecht werden kann. Mehrheitlich hat man gar keine Wahl, weil ohne Broterwerb geht es eigentlich ja gar nicht. Dazu bin ich in der luxuriösen Lage, dass ich mit meinem Lohn all die Hilfe, die ich brauche in der Qualität, die ich möchte, bezahlen kann. Das kann sich auch nicht jeder leisten und so bin ich privilegiert dort wenigstens keine unguten Optionen annehmen zu müssen, während andere eine schlechtere Wahl eingehen müssen.

Den Staat interessiert meine häufige Notlage herzlich wenig. Die Steuerabzüge für die Betreuungskosten sind immer noch weit unter den effektiven Kosten, von einer unterstützenden Infrastruktur wie flächendeckenden guten Tagesschulen ganz zu schweigen.

Am Ende stellt sich die Frage des allerhöchsten Gutes und das ist für mich eindeutig die Zeit. Wenn man das Zähneputzen abzieht, schrumpft meine Zeit zwischen Montag und Freitag auf unter eine Stunde pro Tag, inklusive joggen oder schwimmen.

Und trotzdem oder gerade deswegen, sind die Optionen. wie ich sie gewählt hatte, der richtige Weg. Auch wenn es regelmässig weh tut und schlechte Gefühle verursacht. Man muss sich bewusst sein, dass es Wahlmöglichkeiten sind.

Einfach sorgfältig abwägen und dann nichts bereuen, denn ändern kann man es im Nachhinein trotzdem nicht.

Bildquelle: twinlili  / pixelio.de

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s