Michaela Merz

Tricksen kann man immer

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Ich war wegen meinen Kunden zwei Tage in Prag. Und da meine erste Besprechung morgens früh anfing, musste ich am Sonntagabend anreisen.

Ich nutzte die Gelegenheit und schrieb meinen ehemaligen Kollegen. Wäre mal wieder schön ein paar von ihnen zu treffen. Vier antworteten positiv und so sind wir zu fünft in eine kleine Bierstube gegangen. Ich habe Bier noch nie richtig gemocht aber ich wollte mich nicht grad von Anfang an absondern und als Dani fünf Bier bestellte, protestierte ich nicht.

Komisch wie die Zeit vergeht und wie die Schicksale sich so winden. Einer von ihnen ist heute Rektor einer Hochschule, der andere hat ein Geschäft für Delikatessen und beliefert unzählige Hotels in Prag, der Dritte hat eine Pferdefarm ausserhalb der Hauptstadt und der letzte verdient sein Geld eher schlecht als recht als Meditationsguru, ist aber vor allen am zufriedensten.

Es war heiter und lustig und als die Herren ausgetrunken hatten, sagte ich dem Bedienungspersonal, dass sie vier Biers bringen sollte und ich zahle diese Runde. Zusammen mit den vier Bier drückte mir der Herr, der uns bediente einen Kassenbon in die Hand. Ich schaute diesen an und stellte sofort fest, dass nur zwei Bier darauf standen. Ich reklamierte, da es mir fern liegt von den Fehlern anderer zu profitieren. Unsere Bedienung entschuldigte sich und schrieb mit dem Kugelschreiber die fehlenden zwei Bier drauf und kassierte von mir das Geld. Ich war verdutzt. Die tschechische Republik hatte letzten Dezember ein System eingeführt, bei welchem die Daten einer Transaktion sofort an die Behörde gemeldet werden müssen. Ziel dieser Übung sollte es sein den Steuerbetrug einzudämmen. Offensichtlich ist der menschliche Geist sehr erfinderisch, wenn es darum geht Wege zu finden und das Geld am Fiskus vorbei zu schmuggeln.

Tags darauf war ich mit einem von meinen Kunden Mittagessen. Wir waren in einem gehobenen Restaurant und das nicht nur preislich sondern auch physisch. Gestern war ich im Keller, heute im 27ten Stock mit fantastischer Aussicht über ganze Stadt. Im Anschluss an das nicht wirklich beeindruckende Essen bekam ich die Rechnung mit dem Aufdruck „10% Trinkgeld nicht inbegriffen und in bar erbeten“. Ich fand es aufdringlich aber ok. Ich schlug dem Kellner vor, er soll die 10% dazu nehmen und ich zahle alles mit der Kreditkarte. Der Kellner fragte mich, ob ich das Trinkgeld bar zahlen könnte. Ich verneinte. Der Kellner erklärte mir, dass wenn ich mit der Karte Trinkgeld zahle, die Steuer fast 50% sei und der administrative Aufwand sehr hoch. In so einem Fall würden sie lieber auf Trinkgeld verzichten.

Ich war sehr überrascht, weil das klang für mich nach einem weiteren Modell, wie man Geld vorbei an der Steuerbehörde nach Hause bringen kann. Es war erschreckend zu sehen, dass das “Bescheissen” zum Standard Programm gehört.

Das System wurde im Dezember 2016 eingeführt. In den Nachrichten las ich, dass die Einkünfte aus der Umsatzsteuer im letzten Quartal um 15% gestiegen sind. Ist die Wirtschaft so stark gewachsen, fragte ich mich? Oder hat es mehr mit den Kontrollen zu tun?

Es ist offensichtlich, es gibt kaum System, das sich nicht austricksen lässt.

Bildquelle: Doris Prüggler  / pixelio.de

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