Michaela Merz

Die Bank feiert

Leave a comment

539487_web_r_k_b_by_rainer-sturm_pixelio-deIda jobbte. Nur so konnte sie sich das notwendige Geld für ihr Studium verdienen. Das Restaurant, in dem sie arbeitete, lag idyllisch am Stadtrand mit einem herrlichen Ausblick, mit Wald, Wiesen und Gemüsegarten drum herum. Es war ein beliebter Ausflugsort für die Städter.

Es war aber nicht exklusiv. Dem Pachtpaar waren Nachhaltigkeit und Authentizität wichtiger als Profit und Luxus. Das alles trug zu einer einmaligen Atmosphäre bei, wo beim Sonntagsbrunch fast keine zwei Teller identisch waren und wo alle Reste verarbeitet oder verschenkt wurden. Ida liebte ihren Job, obwohl es eigentlich Knochenarbeit war. Man witzelte und flirtete mit den Gästen, man lachte viel und schätze die gegenseitige Ehrlichkeit.

 

Am Freitag hatte eine Bank einen Grossanlass für das Kader gebucht. Das nette aber bescheidene Ambiente wurde mit eigens dafür angekarrten Dekorationen aufpoliert. Auf Wunsch und Kosten der Bank wurde das beschauliche Restaurant bis zum Nicht Wiedererkennen verändert.

Das Servicepersonal wurde mit zusätzlicher Unterstützung von aussen aufgestockt. Dies im Verhältnis 1:5, so dass sich die Hälfte der Leute langweilte. Kurz vor dem Anlass wurde das Personal dann auch geschult: Lachen und Witze waren verboten und die Konversation mit den Gästen sei auf ein absolutes Minimum zu beschränken.

Ida fand den Abend grauenhaft. Es war künstlich, kalt und unpersönlich. Der Gipfel aber war die Anweisung der Bank, dass alle Reste sowie die Dekoration im Anschluss an den Anlass in der Kehrrichtverbrennungsanlage zu entsorgen seien. Bei der Dekoration konnte Ida es ja noch verschmerzen. Die passte sowieso nicht dorthin. Aber als der Chef anordnete, volle Körbe mit gesunder, einwandfreier Paprika zu verbrennen, weigerte sich Ida. Der Chef murmelte nur, dass ein Vertrag ein Vertrag sei und sie gefälligst folgen solle. Ida tat es.

Warum die Bank aber in einem beschaulichen, volksnahen Restaurant feiern aber trotzdem nicht auf ihren Standard verzichten wollte, blieb ihr weiterhin schleierhaft.

Bildquelle: Rainer Sturm  / pixelio.de

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s