Michaela Merz

Luna – der Hund

3 Comments

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Es war um die Jahrhundertwende. Der Arbeitsmarkt in Zürich war trocken wie ein Flussbett in Afrika vor dem grossen Regen. Mein kleines Team hat verzweifelt nach einer kaufmännisch ausgebildeten Assistentin gesucht. Wir konnten weder Traumlohn, noch Prestige noch sonstige wahnsinnige Vorteile bieten. Unser Trumpf war ein gutes Teamklima, Wertschätzung und Flexibilität. Dennoch meldete sich auf unsere Anzeige niemand. Mein Frust wuchs fast täglich. Als mich dann Natalie angerufen hat und sich für die Stelle interessierte, war meine Freude riesig. Sie sagte, dass sie sich vorstellen kommt aber eine Bedingung hat, nämlich dass ihre Hündin Luna sie zur Arbeit begleiten darf. Sofort versicherte sie mir auch, dass ihre Luna der bravste Hund auf dieser Erde sei, nie belle, absolut gehorche und ausserdem extrem liebenswürdig sei.

Ich dachte damals gar nicht lange nach und sagte ja. Wahrscheinlich hätte ich auch ja gesagt, wenn Natalie ein Krokodil hätte mitnehmen wollen oder eine andere noch ausgefallenere Extravaganz gefordert hätte. An dem Tag als Natalie kam, um sich vorzustellen, regnete es sehr. Ihre Hündin Luna war ein Mischling, mittelgross, haarig und tatsächlich sehr ruhig. An diesem Tag stank Luna bedingt durch den Regen und den geringen Luftaustausch in dem kleinen Vorstellungsraum stark und ich fragte mich schon, wie wir das in Griff kriegen würden. Doch Natalie überzeugte mich und ich sagte ja zu Natalie und so sagte ich auch ja zu Luna.

Wir vereinbarten, dass Luna sich von dem Arbeitstisch von Natalie nie entfernen darf und Natalie dafür sorgen müsse, dass es absolut zu keinen Beschwerden kommt. Natalie war Feuer und Flamme und versicherte mir, dass ich es nie bereuen werde. So haben die beiden bei uns angefangen. Zu Beginn hielt sich Luna an die abgemachten Regeln. Am Morgen kam sie mit Nathalie, legte sich leise und still zu ihren Füssen und wartete mucksmäuschenstill auf die Pause. Niemand, der es nicht wusste, hätte ahnen können, dass bei uns auch ein Hund seinen Alltag verbringt.

Zum Glück hat sich dann gezeigt, dass niemand aus dem Team eine Allergie oder Angst hatte, die das gemeinsame Leben mit Luna erschweren könnte. Bald begangen die Leute aus dem Team Luna zu verwöhnen, sie hinter den Ohren zu kraulen, ihr kleine Leckerbissen zu bringen. Luna war dankbar und integrierte sich mit Lichtgeschwindigkeit als vollwertiges Teammitglied. Sie gehörte dazu, ihre Bedürfnisse wurden in Betracht gezogen und sie wurde wertgeschätzt. Luna hat es geschafft das Team näher zu bringen und es noch mehr zu einer Einheit zu formen ganz nach dem Motto “Alle für Luna und Luna für Alle”.

Durch die Leute ermutigt, begann Luna sich zwischen den Büros zu bewegen, die einzelnen Teammitglieder zu besuchen und mit ihnen einen kleinen “Hundeschwatz” zu halten. Niemand hat sich dadurch gestört gefühlt. Bis unsere neue Mitarbeiterin Hana gekommen ist. Da Luna so selbstverständlich integriert war in unserem Alltag und so bereichernd für uns alle war, hatte ich es versäumt im Vorstellungsgespräch mit Hana über Luna zu sprechen. An ihrem ersten Tag aber teilte mir Hana mit, dass sie vor Hunden panische Angst habe und so nicht arbeiten könne.

Ich wollte weder Hana noch Natalie mit Luna verlieren und musste schweren Herzens anordnen, dass Luna ab sofort ihren Platz unter dem Tisch wie am Anfang nicht mehr verlassen dürfe. Hana bekam das abgelegenste Büro auf der anderen Seite des Korridors, weit weg vom Sekretariat. Was danach folgte war ein Paradebeispiel der Gruppendynamik und Psychologie. Plötzlich wurde das Sekretariat zum Herzstück des sozialen Lebens unseres Teams. Wenn halt Luna nicht zu Besuch kommen durfte, begannen die Mitarbeiter Luna zu besuchen. Die Kaffeepausen spielten sich plötzlich alle im hundebesetzten Sekretariat ab und Hana wurde zu einer absoluten Aussenseiterin.

Trotz all meiner Bemühungen ist es mir nicht wirklich gelungen Hana in das Team zu integrieren. Sie blieb ein Fremdkörper obwohl sie mehrere Jahre bei uns blieb und das Team nahm es ihr sehr übel, dass sie die liebenswürdige Luna in ihrer Bewegungsfreiheit beschnitten hat.

Gerade heute las ich in der Zeitung, dass Nestlé es erlaubt, Hunde ins Büro mitzunehmen. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass dies das Arbeitsklima und die Produktivität fördere. Ja, das weiss ich aus eigener Erfahrung schon lange. Leider weiss ich auch, dass die Umsetzung alles andere als einfach ist.

Bildquelle: Th. Reinhardt / pixelio.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3 thoughts on “Luna – der Hund

  1. Hallo Michaela, ein schöne Geschichte. Aber das ist nicht bei PwC passiert, stimmt’s? Denn da sind leider Hunde absolut verboten. Sie dürfen nicht mal in die Eingangshalle. Nicht einmal am aller letzten Arbeitstag, wenn man den Team-Gespänli doch gern noch den tollen Hund, von dem sie alle Geschichten kennen, persönlich vorgestellt hätte. Schade eigentlich – denn sind wir mal ehrlich, der grösste Teil der Menschen hat sehr Spass und Freude am Kontakt mit einem wohlerzogenen, aufmerksamen Hund.

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  2. Hallo Michaela
    Das ist wirklich ein sehr schöner Artikel. Ich musste mehrmals schmunzeln. Gruss Françoise

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