Michaela Merz

Wenn der Job keinen Spass mehr macht

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626986_web_R_by_Erwin Lorenzen_pixelio.deBei mir ist Edgar und er macht einen sehr zerknitterten Eindruck. Seit sechs Monaten hat er einen zwölf Jahre jüngeren Chef. Seit diesem Zeitpunkt macht ihm sein Job keinen Spass mehr. Am Anfang hat er sich über den neuen Chef und seine vielen Ideen gefreut. Ganz nach dem Motto “toll, ein neuer Wind”. Schnell hat sich aber gezeigt, dass der neue Chef viele Ideen hat, seine Führungsqualitäten aber sehr zu wünschen übrig lassen.
Edgar fehlt die Anerkennung. Neuerdings dreht sich alles um Vorschriften und Verordnung und die oberste Devise ist es ja nichts falsch zu machen. Für gute Arbeit wird er nicht gelobt aber für jegliche kleine Ungenauigkeit und Verzögerung gemassregelt. Er fühlt sich wie ein kleines Rädchen, das nichts zu sagen hat. Ein Rädchen, das zu drehen hat aber nur mechanisch funktionieren soll und nichts spüren darf. Wie es ihm geht, interessiert keinen Mensch. Das Aufstehen am Morgen fällt ihm schwer und der Gang zur Arbeit ist eine reine Tortur geworden.

Edgar überlegt sich, das Handtuch zu werfen und nach 15 Jahren die Firma zu verlassen. Edgar hat aber Angst und ist gefangen in seinen Pflichten. Schlussendlich hat er zwei schulpflichtige Kinder, eine Frau, die Teilzeit arbeitet und wenn sein Lohn, der sehr anständig ist, wegfallen sollte, wäre seine Familie in Schwierigkeiten. Irgendwie traute er sich aber auch nicht, dies mit seiner Ehefrau zu besprechen, weil ihre Ehe schon lange stumm und ohne wirklichen Austausch ist.

Ich höre Edgar zu, den ich von früher als sehr lustigen, aufgestellten Mensch kenne und begann mir Sorgen um ihn zu machen. So macht er sich kaputt und krank, denke ich mir und erzähle ihm die Geschichte von Bruno:

Ich kannte Bruno seit Jahren, er ist schon seit Langem mein Kunde. Er arbeitete ewig lang als CFO einer kleinen Bank und seine Arbeit und das Leben machten ihm sichtbar Spass. Ich arbeitete sehr gerne mit ihm. Unsere Begegnungen waren angenehm, zielorientiert und lustig. Wir haben uns mit dem Zeit sehr schätzen gelernt. Und eines schönen Tages sagte er mir, dass er die Bank verlassen wird.

Ich war erstaunt. Ich wusste, dass seine Bank vor einem Jahr mit einer wesentlich grösseren Bank fusioniert hatte, er aber konnte seinen Job als CFO weiterhin behalten. Er erklärte mir, dass die Kultur und der Umgang untereinander sich sehr verändert hätten. Der Mensch sei nicht mehr so wichtig. Ihm passte dies gar nicht und er wollte wieder etwas machen, wo er dahinter stehen konnte.

Ich war baff. Es fehlten ihm 3 Jahre bis zur Pensionierung und dann winkte ein goldener Fallschirm zum Ende seiner Karriere. Er kündigte ohne eine neue Stelle zu haben. Ich bewunderte seinen Mut. Doch es dauerte nicht lange und er startete einen neuen Job als CFO eines Familienunternehmens. Sein Lohn hat sich mehr als halbiert aber seine Zufriedenheit ist wieder bis zum Himmel geschossen. Das Leben ist zu kurz um sich täglich Schmerzen zuzufügen.

Edgar hört mir gespannt zu. Ich hoffe er pickt sich das Richtige heraus.

Bildquelle: Erwin Lorenzen / pixelio.de

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