Michaela Merz

Die futuristische Geschichte des Taxifahrers aus Madrid

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Ich bin am Flughafen in Madrid in ein Taxi gestiegen. Der Fahrer hat sich vorher neben dem Taxi sehr angeregt mit seinem Kollegen unterhalten. Er war jung, etwa 25 Jahre alt, und erzählte, dass er einen Abschluss in Robotik hat, aber zurzeit keinen anderen Job finden kann. Kaum losgefahren, begann er mir seine Vision der Zukunft zu erzählen.

2035, der Wecker klingelt am Morgen. Du hättest Lust ihn zum Schweigen zu bringen, aber traust dich nicht, weil das hätte dein implantierter Chip registriert und hätte dir zwei Punkte wegen mangelnder Moral abgezogen, was wiederum deine Krankenkassenprämie negativ in Richtung einer Erhöhung für den nächsten Monat beeinflusst hätte.
Du machst 10 Minuten lang die vorgeschriebene Gymnastik und schaust penibel auf die Uhr, um diese verhassten Übungen keine Sekunde zu kurz, aber auch keine Sekunde zu lang zu machen. Das hätte nämlich wieder Einfluss auf deine Krankenkassenprämie und das kannst du dir zurzeit nicht leisten. Die Qualität der Durchführung misst dein Chip und gibt dir laufend Feedback. Bei ungenügender Qualität müsstest du die Übungen wiederholen und darauf hast du keine Lust.
Beim Frühstück nimmst du nur schwarzen Kaffee, obwohl du weisst, dass frisch gepresster Saft oder Früchte dir positive Punkte zur Senkung der Krankenkassenprämie gebracht hätten. Aber du pfeifst darauf respektive du willst es heute Abend mit Kollegen bei einer langen Runde Fussball kompensieren, für die dein Chip positive Punkte sammeln wird.
Und so geht es den ganzen Tag, du wirst auf Schritt und Tritt, bei jeder Handlung überwacht, benotet und bei schädlichem Verhalten (zum Beispiel einem Bier‎) bekommst du negative Punkte, die du entweder mit positiven Punkten (2.5 Liter Wasser am Tag trinken) kompensieren musst oder deine Krankenkassenprämie erhöht sich, was du dir gar nicht leisten kannst.
Vor lauter erzählen, verpasste mein Taxifahrer die Autobahnausfahrt. Er stoppte den Taxameter und schaffte es noch mir den Nachmittag zu beschreiben. Ermutigend klang es nicht. Es war eine düstere Vision im Sinne von „Big Brother is watching you“.
Ich meine, er könnte sogar Recht haben, dass wir in der Zukunft überwacht, diszipliniert und monetär zu Handlungen gezwungen werden, die wir sonst nicht mal in Erwägung gezogen hätten.

Wie denkt Ihr darüber? Haltet Ihr seine Vision für realistisch?

 

Bildquelle: lichtkunst.73/pixelio.de

3 thoughts on “Die futuristische Geschichte des Taxifahrers aus Madrid

  1. Realistisch? Ja – leider. Wir werden selber schuld sein daran.

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