Michaela Merz

Und schon wieder die Jetski

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594251_web_R_K_B_by_twinlili_pixelio.deDas Wetter war ungewöhnlich unruhig für diese Zeit in Thailand. Es hat fast jeden Tag geregnet, wenn auch immer nur kurz und es hat relativ viel gewindet.

Ich schnappte mir das Brett. Mit Schwimmweste und noch einem Paddel ausgerüstet stach ich mit meinem Stehbrett ins Meer. Bei starkem Wind komme ich nicht weit, ich schlendere dann der Küste entlang und geniesse Wind, Wellen und das Paddeln. Der Wind begann sich zu beruhigen und liess ziemlich schnell nach. Wenn es bei Wind Wellen gibt, ist eine der grössten Herausforderungen auf dem Brett überhaupt stehen zu bleiben. Aber da bin ich geübt. Es mag so aussehen, als ob ich jede Minute ins Meer falle, aber es sieht nur so aus. Eigentlich stehe ich auf dem Brett wie angenagelt und mache jede Wellenbewegung mit. Bei extensiver Ausübung kann es zur Überbelastung der Achillessehne führen. Aber so weit will ich es gar nicht kommen lassen.

Da sich das Meer beruhigte und die fehlende Winde wie ein Glatteis wirken, ist es jetzt möglich sich ein bisschen weiter vom Ufer zu entfernen. Dann sehe ich einen kleinen Punkt noch weiter im Meer. Es ist der Kopf eines schwimmenden Menschen. Ich wundere mich immer wieder, mit welcher Naivität oder Arroganz sich die Schwimmer so weit ins Meer trauen. Dieser Schwimmer scheint kein geübter Triathlet mit Schwimmbrillen und gut sichtbarer Schwimmmütze zu sein. Er hat Sonnenbrillen und schwimmt Brust. Und erst jetzt bemerke ich neben ihm noch eine Frau mit blauer Kappe. Fahrlässig, denke ich mir und paddele weiter. Der Wind beginnt leicht zuzunehmen und darum drehe ich Richtung Ufer. Dann sehe ich sie kommen. Etwa 5 Jetski rasen auf mich zu. Ich habe Jetski nicht gern. Meistens werden sie von Leuten gemietet, die ihrer Umwelt zeigen müssen wie toll sie sind. Es scheint lustiger zu sein einen Punkt am Meer anzusteuern als einfach hin und her zu rasen. Jetzt rasen sie auf mich zu. Da der Wind zugenommen hat und es anspruchsvoll genug ist auf dem Brett stehen zu bleiben, ist mir klar, dass ich durch die von ihnen erzeugten Wellen vom Brett fallen werde, falls diese 5 näher kommen. Ich hoffe auf ihre Vernunft. VERGEBLICH. Sie sind so nah, dass ich die Gesichter erkennen kann und in letzter Sekunde falle ich auf meinen Allerwertesten auf mein Brett nur um zu verhindern, dass ich ins Wasser falle. Das hat wehgetan. Sie finden es witzig und umkreisen mich. Mein Brett wird durch die grossen Wellen wie eine verrückt gewordene Schaukel hin und her getrieben. Ich kann nichts machen. Das Brett ist zu einem Geisterbrett geworden, nicht steuerbar und nicht manövrierfähig. Das einzige, was ich unternehmen kann, ist sitzenzubleiben, sie zu beobachten und warten bis es ihnen langweilig wird. Wasser spritzt mir ins Gesicht, aber ich bin innerlich sehr ruhig. Angst habe ich keine und Recht auch. Nach einiger Zeit wird es den Jungs langweilig. Ich verhalte mich so passiv, dass ich keinen Anlass zu weiterem Spass biete. Der erste, offensichtlich der Anführer, dreht seinen Jetski Richtung Meer und die anderen folgen ihm. Ich warte bis sich die durch sie erzeugten Wellen beruhigen, damit ich wieder aufstehen und weiterpaddeln kann. Aber in dem Moment bleibt mir das Herz stehen. Die Jetski rasen in Richtung der zwei Schwimmer. Ich weiss nicht, ob sie sie überhaupt sehen. Es ist etwas anderes sitzend auf einem stabilen Brett den Jetski zu begegnen und als ungeschützt und vielleicht als nicht einmal gesehener Schwimmer mit ihnen Bekanntschaft zu machen.

In so einem Moment ist die Ohnmacht am schlimmsten. Es bringt nichts zu schreien oder mit den Armen zu fuchteln. Niemand wird mich hören und sehen und am wenigstens die Jungs auf den Jetski. Ich stehe nur da und beobachte, obwohl ich ausser den 5 Jetski nur Wellen sehe. Plötzlich sind die Jetski weg. Ich paddele zu den zwei Schwimmern. Gott sei Dank, sind sie beide da, schwimmend. Ich frage sie, ob sie Hilfe brauchen, aber sie verneinen.

Erleichtert, mit einem zusätzlichem Schuss Adrenalin im Blut, paddle ich der Sonne entgegen.

Bildquelle: twinlili / pixelio.de

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