Michaela Merz

Pilze sammeln

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OLYMPUS DIGITAL CAMERAEs ist August und ich gehe laufen. Der Waldweg ist schattig und darum machen mir auch die hohen Temperaturen nichts aus. Ich laufe bergauf und spüre wie sich die Schweissperlen auf meiner Stirn bilden und plötzlich sehe ich ihn. Neben dem Weg ein Riesen-Steinpilz. Was mach ich jetzt, denke ich mir. Aber dieses Prachtexemplar kann ich nicht stehen lassen. Ich nehme ihn, verstecke ihn im Gras und lege mir einen Zweig auf den Weg, damit ich ihn auf dem Rückweg wieder finde. Nach 50 Metern Laufen der nächste. Somit entwickelte sich mein Lauf eher in einen Hindernislauf von Pilz zu Pilz. Am Ende der Strecke musste ich das T Shirt ausziehen und habe mich zu meinem Sport-BH beglückwünscht. Nach Hause kam ich mit einem T Shirt voller Pilze. Als mein Jüngster die Pilze sah, wollte er sofort in den Wald. Ich zog mich um und wir zwei sind losgezogen. Der Korb füllte sich schnell. Als Kind war ich in den Ferien mit den Eltern fast täglich im Wald um Pilze zu sammeln. Ich lernte sie kennen und sammle somit keine Sorten über die andere Leute als über giftig oder ungeniessbar sprechen. Meine Eltern waren sicher damals gerne im Wald, aber gleichzeitig war ihr Budget eher knapp und darum waren Pilze eine willkommene Verbesserung. Wir assen sie mit Nudeln, mit Eiern, Überbacken, paniert, als Risotto und in der Suppe.

Jetzt zotteln wir mit meinem Kleinen von Pilz zu Pilz, lassen die giftigen stehen, schneiden die Füsse um zu sehen, ob Würmer drin sind und unterhalten uns über die Pilze. Der Korb ist fast voll. In einem kleinen Moment der Unachtsamkeit stolpere ich und da wir bergab gehen, fliege ich im freien Fall durch das Gebüsch. Meine Gedanken sind aber auf den Pilzkorb fixiert, den ich in der linken Hand halte. Ich lande hart auf der Brust‎ und der rechten Seite. Der Schlag war heftig und ich spüre Schmerzen in der Brust, im rechten Knie und im rechten Arm. Ich bleibe liegen um mich zu sammeln. Das versetzt meinen kleinen in Panik. Er kommt schreiend auf mich zu mit panischen Rufen. Ja, ich blute. Das kurzärmelige T-Shirt hat sich gerächt und ich bin schlimm verkratzt, aber auch die langen Hosen haben das Knie nur ungenügend geschützt. Ein Riesen-Loch am Knie und nochmals Blut. Ich sammle alle meine restliche Kraft, unterdrücke das Bedürfnis nach einem Fluch und den Schmerz und sage meinem Kleinen, dass alles in Ordnung ist. Ja, ich konnte den Pilzkorb im Fall unbeschadet auf den Boden stellen. Nur drei Pilze sind aus ihm rausgesprungen. ICH HABE WÄHREND DES Falles mehr an die Pilze als an mich geachtet. Und sie haben es heil überstanden. Ich bin bös zerkratzt, die Hosen und der Bildschirm am Telefon sind kaputt. Sonst alles ok. Somit sind es relativ teure Pilze geworden!!Aber Pilze sammeln ist etwas Magisches, etwas Archaisches, etwas sehr Beglückendes. Das Suchen, das Finden, das nach Hause tragen.

Als ich meine Geschichte einer Kollegin erzählte, sagte sie, dass sie mit ihren Kindern nicht mehr in den Wald geht. Wegen der Zecken! Ich dachte, so kann man bestimmt Risiken eliminieren, aber auch das Erlebte und Erfahrene!!

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