Michaela Merz

Wie ich in New York entführt wurde

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Ab und zu bin ich in New York und arbeite dort. Ich bin gern in dieser Stadt. Es ist voll, laut, lebendig, dynamisch und sehr inspirierend. Jedes Mal erwischt mich ein Jet lag, so dass ich um 4 Uhr am Morgen laufen gehe. Schlafen kann ich eben nicht und bis heute habe ich nicht herausgefunden, mit welchem Trick sich die Zeitdifferenzen zwischen den Kontinenten und meine biologische Uhr in den Griff bekommen lassen.

Was aber erschreckend ist, das ist der Verkehr. Insbesondere am Ende des Tages von Manhattan zum Flughafen zu gelangen, braucht starke Nerven. Bei einem meiner Besuche versuchte ich um 3 Uhr nachmittags ein Taxi zu stoppen, das mich zum Flughafen bringen sollte. Keine Chance. Nach 20 Minuten erfolgloser Versuche, schlich sich bei mir die Angst ein, dass mein Flugzeug ohne mich starten könnte. Klar war das Flugticket so gebucht, dass es verfallen wäre. Ich spazierte zu einem nahegelegenen Hotel und bat den Portier um Hilfe. Aber auch er hatte in den nächsten 10 Minuten keinen Erfolg. Dann schlug er mir vor, dass er eine Limousine ruft. Das ist teurer als ein Taxi, aber die Limousine kommt sofort und im Vergleich zum Taxi ist es um Welten sauberer und angenehmer. Ein verpasster Flug kommt teurer. Mit der Limousine kam ich schlussendlich doch noch rechtzeitig, wenn auch sehr knapp am Flughafen an.

Bei meinem nächsten Besuch war ich vorsichtiger. Da mein Rückflug auch am Freitagabend war, wollte ich keine Experimente wagen und bat um ein vorausbestelltes Fahrzeug. Taxis kann man in New York nämlich gar nicht im Voraus bestellen. Meine Besprechung endete um 4 Uhr und sie riefen mir mein Fahrzeug. Ich verabschiedete mich, verliess das Gebäude und war sehr überrascht, das Fahrzeug mit meinem Namen angeschrieben schon vor der Tür zu sehen. Ich fragte den Fahrer, ob es wirklich für mich ist, prüfte die Destination und stieg ein. Es überraschte mich in welche Richtung er fuhr. Diesen Weg, über diese Brücke zum Flughafen bin ich noch nie gefahren. Die Gegend kannte ich nicht. Ich dachte toll, zumindest sehe ich was Neues.

Da klingelte mein Telefon.” Michaela, wo bis du?” fragte die Person, von der ich mich 30 Minuten zuvor verabschiedet hatte.

“Im Auto, ich fahre zum Flughafen”, antwortete ich ruhig.

“Aber das bestellte Auto wartet doch da vor dem Gebäude auf dich” war die Antwort im Telefon.

Mir gingen alle die Details wieder durch den Kopf. Ein Fahrzeug, das nur 10 Minuten nach Bestellung auf mich wartete, der Weg, den ich gar nicht kannte, dieses zweite Fahrzeug, das mich abholen wollte. Bin ich entführt? In New York? Und ausgerechnet ich? Das machte keinen Sinn.

Aber da klingelte auch schon das Handy des Fahrers und er begann sich sehr aufgeregt mit jemandem zu unterhalten. Sein Dialekt war so stark, dass ich nur Fetzen der Diskussion verstand. Aber plötzlich bog der Fahrer nach links und ich erkannte den Weg zum Flughafen.

Nein, ich wurde definitiv nicht entführt.

Es zeigte sich, dass für mich irrtümlicherweise zwei Autos bestellt worden waren. Wie banal!!

Ich kam nicht nur rechtzeitig, sondern fast zu früh an. Übrigens, der vorausbestellte Fahrservice zum Flughafen in New York kann ich nur empfehlen, insbesondere am Freitagnachmittag. Sie sind pünktlich, sauber, kennen fabelhafte Schleichwege und sind nur unwesentlich teurer als ein Taxi.

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