Michaela Merz

Der Drogendealer?

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Ich mache Sport am Morgen. Im Sommer ist es herrlich. Die Luft ist noch nicht so heiss und sehr frisch, die Vögel zwitschern. Die ersten Sonnenstrahlen sind eine wunderbare Motivation, wenn sie durch das Wasser dringen und das Becken erleuchten. Im Winter ist es ganz anders. Draussen ist es stockdunkel und sehr oft wie heute neblig und sehr still. Die Strassen sind menschenleer und unfreundlich. Ich laufe dann mit einer Stirnlampe und komme mir vor wie in einem Sci-Fi Film. Ich auf der Suche nach Leben auf dem Planeten X. Meistens begegne ich niemanden, ab und zu vielleicht ein oder zwei Personen, die irgendwo zur Arbeit eilen.

Seien wir ehrlich, joggen im Dezember um 6 Uhr am Morgen braucht eine grosse innere Motivation. Ich laufe die Strassen entlang, weil die Finnenbahn gefroren ist und genauso hart ist wie die Strasse, aber einfach noch rutschiger. Aber ein Stück der Finnenbahn benutze ich, um mir den Weg zu verkürzen. Ich allein in Nebel und Dunkelheit mit meiner Stirnlampe. Und dann sah ich ihn. Er sass auf der Bank im Park und hantierte mit seinem Mobil. Der Bildschirm erhellte sein Gesicht. Wer sitzt um 6 am Morgen auf einer Bank im Park und wartet? Sehr ungewöhnliche Situation. Aber nach 5 Minuten hatte ich ihn wieder vergessen. Am zweiten Tag war ich noch früher. Ich war um 5.30 mit meiner Stirnlampe unterwegs und siehe da, er sass auf der gleichen Bank und schenkte mir nicht mal einen Blick. Am dritten Tag wiederholte sich die Situation, aber diesmal war er nicht allein, sondern sie waren zu zweit und rauchten eine Zigarette. Meine Fantasie bekam Flügel. Ich hielt ihn für einen Drogendealer und diesen Ort als idealen Ort für die Übergabe von was auch immer. Dann war ich mehrere Tage unterwegs und rannte in anderen Gegenden oder war schwimmen. Als ich nach einer Woche wieder meine Strecke rannte, war er nicht mehr da und am nachfolgenden Tag auch nicht. Er war verschwunden und liess mich mit meinen Unsicherheiten allein.

War es wirklich ein Drogendealer? Ich werde es nie erfahren. Und ehrlich gesagt, es ist gut so. Die Zeiten, wo ich das Bedürfnis hatte alles zu wissen, sind längst Vergangenheit.

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