Michaela Merz

Französisch Unterricht

Leave a comment

Ich wollte schon ewig Französisch lernen. Endlich mal die “Grand Nation“ in allen ihren Nuancen zu verstehen, mitreden zu dürfen, Victor Hugo und Maupassant im Original zu lesen. Es scheint aber, dass das Schicksal es mir nicht gönnt.

Der erste ernsthafte Versuch war als SBB vor 15 Jahren ein grosses Projekt ausgeschrieben hatte. Für den Erfolg des Projektes brauchte es Französisch. Ich vereinbarte mit meinem damaligen Vorgesetzten, dass wenn ich das Projekt gewinne, ich bis zum Beginn des Projektes bezahlt intensiv Französisch lernen könnte.

Die Präsentationen fanden in Bern statt. Ich nahm den Zug und es passierte, was in der Schweiz selten passiert. Der Zug hatte 20 Minuten Verspätung. Ich war selten so ruhig wie damals. Hätte ich das Auto genommen und wäre damit zu spät gekommen, wäre ich wahrscheinlich bereits disqualifiziert gewesen. So konnte ich mich entschuldigen mit den Worten “Liebe Herren, es tut mir leid, aber „ihr Zug“ hatte Verspätung“.

Das Projekt habe ich leider nicht gewonnen und aus dem Intensivkurs wurde demzufolge nichts. Dann meldete ich mich bei einem Französischkurs mit zwei Stunden die Woche für Anfänger an. Ich war die einzige ohne Vorkenntnisse. Die Mehrheit meiner Mitschüler hatte bereits in der Schule mehrere Jahre Französisch genossen oder hatten sogar in Frankreich gelebt. Dementsprechend gestaltete die Lehrerin den Unterricht. Ich war nämlich das schwächste und langsamste Glied der Klasse, die einzige, die vorher noch nie Französisch gelernt hatte. Und es ist in etwa so gegangen – Thema Zahlen: Eins, zwei, drei,…, zwanzig, einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreissig, hundert. “Alles klar? Nochmals für Michaela und weiter geht es!!“

Ich war in der Stunde frustriert und demotiviert. Ich kämpfte hart mit der Aussprache und der Geschwindigkeit. Ich hatte aber nicht vor aufzugeben und kniete mich zu Hause umso mehr hinein. Bis ich nach 3 Monaten für drei Wochen ein Projekt in Lausanne begleiten musste. Nach meiner Rückkehr in die Klasse war es ein Schock wie viel weiter die Klasse bereits mit dem Stoff war. Sie hatten in jeder Stunde zwei Lektionen durchgenommen. Ich war verloren und ich schaffte es nicht wirklich sie bis Semesterende einzuholen. Danach gab ich auf, weil ich weitere Projekte im Ausland gewann und physische Präsenz in Zürich im Unterricht schien unmöglich.

Mein nächster Versuch war ein individueller Kurs in Lyon. Ein Lehrer sollte sich nur um mich kümmern, mir die Grammatik erklären, mir helfen, die Aussprache in Griff zu bekommen. Der Koffer war gepackt, meine Mandate delegiert, und meine Vorfreude physisch spürbar. Ich war eine Nacht von meinem Traum entfernt. Am letzten Arbeitstag war ich unterwegs zum Kunden, die Strasse war leer, Geschwindigkeit gering und vor der rechten Seite hinten fuhr ein Fahrzeug mit etwa 50 km pro Stunde in meinen Audi hinein. Das Auto war lädiert, aber ich unverletzt. Nur war mir komisch übel, ich ertrug das Licht nicht gut und an konzentriertes Arbeiten war nicht zu denken. Der Arzt schrieb mich sofort krank und mein langersehnter Französisch-Intensivunterricht ging baden.

Ich gebe aber nicht so einfach auf. Der nächste Versuch ist für nächsten Sommer geplant. Vive La France!! Ich komme!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s