Michaela Merz


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American Expats in der Schweiz


Meine amerikanischen Freunde, die seit Kurzem in der Schweiz leben, erzählen mir Geschichten, die zum Lachen oder zum Weinen sind, je nachdem, wie man es nimmt. Wenn man die Schweiz und die New Yorker kennt, ist eigentlich klar, woher die täglichen Auseinandersetzungen kommen.

Die Schweizer Nachbarn reklamieren sehr schnell, dass man zu laut ist. Das machen sie sehr oft nicht direkt, indem sie an den Türen klingen und versuchen, das Problem zu besprechen. Nein, wenn es zum Beispiel Nachts um 10 ist, also zb 5 Minuten nach Beginn der Nachtruhe, rufen die lärmempfindlichen Nachbarn die Polizei. Und die Schweizer Polizei rückt aus.

Oder aber sie legen Zettel in den Briefkasten der amerikanischen Übeltäter.

Auf dem letztem Zettel, den eine Anwältin aus New York erhalten hatte, stand: “Bitte ziehen sie ihre Strassenschuhe in der Wohnung aus!”. Ich fragte sie, ob sie Schuhe mit hohen Absätzen trage, aber sie verneinte es ziemlich resolut. Dann wollte ich wissen, ob sie zu Hause in der Nacht tanzt oder sonst irgendwelche anspruchsvollen Aktivitäten ausübe. Nichts davon war der Fall. Sie hatte sogar auf etwa 80% der Böden Teppiche. Sie ist eine Dame 50+ und das klang alles sehr plausibel.

New York ist laut. Tag und Nacht. Ruhe kennt man dort nicht. Darum ist ihr Umgang mit Ruhe und Lärm tatsächlich sehr anders als unserer. Ein bellender Hund einen Stock höher oder tiefer stört sie nicht. Strassenarbeiten am Tag oder nachts sind sie sich gewohnt. Das stört sie auch nicht.

Der nächste heikle Punkt ist das Autofahren. Geschwindigkeitsbussen und Parkbussen kassieren sie in der Schweiz sehr leicht. Meine Freundin aus New York sagt, dass sie Angst habe ihren Briefkasten zu öffnen und nach Zürich wird sie mittlerweile nie mehr mit dem Auto fahren. Sie findet einige Regelungen ziemlich verwirrend und kassiert wegen Fehlern oft Strafen. Zum Beispiel leuchten in den US alle Traffic Lights in der gleichen Farbe. Alle stehen auf Rot oder alle auf Grün. In der Schweiz ist es aber nicht ungewöhnlich, dass die rechte Ampel rot ist, die linke aber grün oder es hat neben dem Rot einen grünen Pfeil. Für meine Freundin ein Horror, weil sie nicht sicher ist, wie sie sich verhalten sollte. Einige 250 Franken teure Bussen für Fahren über Rot wurden ihr so beschert und das weil sie die weisse Linie überquert hatte.

Das Nächste ist die Entsorgung. Das ist eine Wissenschaft für sich und es braucht mittlerweile einen Kurs, um zu wissen, was man mit den eigenen Abfall anstellen soll oder darf.

Die New Yorker, die ich kenne, sind aber alle gerne da und geniessen die hohe Lebensqualität. Und ich bin froh, dass sie da sind, weil mit ihnen wird die einheimische Welt bunter und vielleicht ein bisschen toleranter und nicht immer so verbissen.