Es war ein merkwürdiges Jahr, das Jahr von Corona

Wir haben dieses Jahr auf vieles, was uns lieb ist, verzichtet. Wir haben gekämpft. Wir haben das Licht am Ende des Tunnels vermisst. Wir haben uns gefürchtet. Wir waren verzweifelt. Wir versanken in düsteren Gedanken. Wir haben vieles verloren. Wir haben geholfen. Wir haben uns solidarisiert.

Einige waren sehr solidarisch und einige sehr egoistisch. So wie das in normalen Leben immer der Fall ist. Nur es war dieses Jahr kein normales Leben.

Meine Grosseltern haben mit mir nie über den Krieg, den sie erlebt haben, gesprochen. Nur meine Eltern, die sich nicht wirklich erinnern können, da sie zu klein waren, erzählte einige Geschichten. Zum Beispiel wie die ganze Familie beim Bombenalarm ins zweite Untergeschoss rannte, um sich vor möglichen Bomben zu schützen. Wie man dicht zusammen auf engem Raum mit allen Nachbaren Stunden lang in der Kälte verharren musste, bis die Gefahr vorbei war. Das alles interessierte mich sehr. Ich hatte mich während der eigenen Pubertät mit dem Krieg sehr stark auseinandergesetzt. Ich versuchte zu verstehen, wie es ist, wie man sich fühlt, was fürchtet man, wie ist das Leben in eine Ausnahmesituation. Eine Zeit lang lass ich nur Bücher über den Krieg, um nachvollziehen zu können, wie es war. Ich denke es ist mir nie gelungen. Ich war schlussendlich dankbar nur darüber zu lesen, aber es selber nicht erlebt zu haben. Ich beobachtete das Leben meiner Freundin, die mit einem kleinen Kind vor dem Balkankrieg fliehen musste. Ihren Mann musste sie zurücklassen. Eine unsäglich schwierige Situation, die sie mit unmenschlicher Kraft gemeistert hatte.

Im Krieg waren die Feinde klar. Jetzt ist der Feind, ein kleines Virus, bekannt aber unsichtbar und unberechenbar. Wenn ich jetzt lese, dass mehr Amerikanern an Corona gestorben sind als amerikanische Soldaten während dem 2. Weltkrieg, bekomme ich Gänsehaut. Ich hätte gerne lustige Geschichten geschrieben um von der schwierigen Situation, in der wir uns befinden abzulenken, aber es geht nicht. Meine Fantasie ist noch da, produziert aber leider nur düstere Geschichten.

Trotzdem habe ich dieses Jahr einiges gelernt. Ich habe alte Freunde wiedergefunden oder sie mich. Nach 10 oder mehr Jahren konnte ich dort anknüpfen, wo wir damals aufgehört hatten. Sie haben mir geholfen und ich konnte dafür anderen helfen.

Ich habe gelernt, dass man unheimliche Kraft entwickeln kann. Sachen die man als unüberwindbar betrachten, lassen sich lösen. Mit Solidarität und Zusammenhalt bewegt man gigantisches.

Es war ein schwieriges Jahr, welches mir persönlich vieles abverlangt hat. Eine lustige oder rührende Geschichte zu Weihnachten wird es dieses Jahr nicht geben. Aber ein grosses DANKESCHÖN.

Ich will mich bei allen bedanken. Ein danke allen, die nicht nur an sich selber gedacht haben. Allen, die für andere auf etwas verzichtet haben (und nicht nur weil es sonst eine Busse gab). Allen, die Mut und Zuversicht teilten. Allen, die Lachen schenkten, auch wenn es unter der Maske nicht zu sehen war.

Ich wünsche euch allen wunderschöne Weihnachten, egal wo und wie ihr sie verbringt.

Image source: http://unsplash.com

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