Leben in Zeiten des Coronavirus

Ich war letzten Samstag mit dem Zug unterwegs und hörte wie sich zwei Männer im Alter irgendwo zwischen 50 und 60 Jahren unterhielten. Respektive war es wie ein Monolog. Der eine erzählte und der zweite nickte mehrheitlich. Es hat sich etwa so angehört:

Viele haben Angst. Angst sich anzustecken, auch wenn die Angst kaum einen Bezug zu den möglichen Folgen hat. Warum hat ein Raucher Angst vor dem Coronavirus aber keine vor seiner Zigarette und der Stoffe, die er täglich seinen Lungen zumutet? Es scheint, dass viele Leute in Panik geraten sind. Wenn man in Panik verfällt, kann man nicht mehr klar denken. Wozu sollte es gut sein jetzt Nudeln, Reis, Zucker, Konserven oder Mehl auf Vorrat zu kaufen? Wenn man Panik hat, handelt man reflex artig und irrational. Das ist schon so. Wie sollte man es sich sonst erklären, dass jemand auf einmal 50 Rollen WC Papier kauft? Am Samstag musste ich 3 Geschäfte abklappern, bis ich ein Pack WC Papier kaufen konnte. Schrecklich. Im schlimmsten Fall hätte ich zur Zeitung greifen müssen als Ersatz. Gott sei Dank habe ich die Papierausgabe meiner Zeitung noch nicht abbestellt, obwohl ich sie eigentlich nicht mehr auf Papier lese. Ich wollte sie schon längst abbestellen, bin jedoch nicht mehr dazu gekommen.  Die Papierausgabe landet direkt in der Altpapier-Sammlung.

Bei den Hamsterkäufen gibt es aber vielleicht auch Lichtblicke. Im Sinne alles Schlechte für etwas Gutes. Die Kondome sind ebenfalls ausverkauft. Mein Geschäftspartner aus Shanghai meinte, dass es dann dieses Jahr vielleicht viele Weihnachtskinder gibt.

Wenn man nur Angst hat, kann man noch überlegen und vielleicht immer noch vernünftig handeln. Man kann die Ursachen der Angst analysieren und Folgen des eigenen Handelns einschätzen.  Offensichtlich scheint sich die Panik in vielen Ländern auf dieselbe Art erkennbar zu machen. Insbesondere in Bezug auf die Hamstereinkäufe. Die gleiche Regale sind leer in Ungarn, in Deutschland wie auch in der Schweiz. Wir schliessen uns freiwillig ein, lassen uns überwachen bis aufs kleinste, riegeln die Zugänge ab und grenzen und von den “Verdächtigen” ab, wer auch immer die sind. Traut sich noch jemand der hustet in den Zug einzusteigen? Wohl kaum, wer weiss, vielleicht konnte er gelyncht werden obwohl er nur eine Pollenallergie hat – es wacht doch alles auf, weil die Natur dieses Jahr früher ist.

Eigentlich habe ich bis gestern gedacht, dass die Schweizer mit dem Thema relativ pragmatisch umgehen können. Ich war gestern in der Tonhalle. Das Konzert von Gregory Porter war Wochen im Voraus ausverkauft. Ein Ticket kostete mindestens CHF 160. Die Tonhalle Maag hat Kapazität von etwas über 1200 Zuschauern. Wenn so ein Konzert abgesagt werden muss, ist der Schaden gross. Es sind fast CHF 200’000. Aber eben die Schweiz ist ja pragmatisch. Das Konzert hat stattgefunden. Du fragst wie, wenn Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmer verboten wurden und die Basler Fasnacht, die Uhrenmesse, Engadiner Skimarathon abgesagt wurden? Eben – die pragmatische, lösungsorientierte Schweiz. Die Veranstalter haben 200 Leute ausgeladen und frag mich nicht wie sie das geschafft haben. Aber dadurch ist die Anzahl der Zuschauer unter 1000 gefallen, wahrscheinlich waren wir 999 Zuhörer und das fantastische Konzert konnte stattfinden. Dagegen waren alle meine Eishockey Kollegen sauer, weil die Spiele ohne Zuschauer stattfinden musste.

Jetzt höre ich aber über eine zunehmende Anzahl an Verboten und Absagen von Anlässen. Die Leute fahren wieder Auto um sich im Zug nicht “anzustecken”, sie werden plötzlich digital, weil sie anstelle einkaufen zu gehen, online bestellen um keinen Menschen begegnen zu müssen. Bei uns im Büro wurden Desinfektionsmittel aufgestellt. Da die Desinfektionsmittel aber in den Geschäften und Apotheken ausverkauft sind (von Masken gar nicht zu sprechen), werden sie bei uns in Geschäft ständig geklaut, weil die Leute in Panik sind. Das ist doch ein dreister Diebstahl!! Geld hatten sie wohl nie geklaut aber Desinfektionsmittel als “Lebensrettung” scheint ihnen gerechtfertigt zu sein.

Eigentlich scheint es mir wie in einem Traum. Das was jetzt passiert, habe ich schon mal gelesen. Mein Flug wurde annulliert, das ist Jahre her und ich musste am Flughafen 6 Stunden warten. Ich kaufte mir damals das Buch (Details werden gerne auf Anfrage geteilt). Alles was jetzt los ist, wurde dort beschrieben. Ein Virus der sein Anfang in Wuhan nahm und eine Pandemie auslöste.

In dem Moment musste ich aussteigen. Mehr habe ich nicht erfahren, obwohl ich gerne weiter zugehört hätte. Das Buch habe ich selber nicht gelesen. Aber als ich die Geschichte der Männer im Zug diese Woche ein paar mal erzählt habe, bekam ich einige Fotos, auch von dem Buch. Die teile ich gerne mit euch. Ich mache mir Sorgen um meine Eltern und bin gerne bereit alles zu unternehmen um den Virus zu stoppen. Helft mit und helft die gefährdeten zu schützen. Passt auf euch auf!!

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