Yoga

Ich war vom Sommer bis spät in den Herbst oft am See. Für mich gibt es nichts Schöneres als das Schwimmen, Paddeln oder Segeln draussen auf dem Wasser. Die Weite des Sees, die Bewegung, sie ist für mich eine sehr meditative Angelegenheit obwohl sie physisch eigentlich ziemlich anstrengend ist. Ich sah dann die kleine Gruppe auf der Wiese neben dem See immer wieder. Bis zu dreissig Leute, die da Yoga übten.

Teilweise war es sehr faszinierend, weil wann hat man schon die Möglichkeit dreissig Leute zu sehen, die minutenlang auf dem Kopf stehen. Ich beobachtete sie und es sah nicht wirklich bequem und erholsam aus, was sie da taten aber irgendwie übte es eine grosse Anziehungskraft auf mich aus.

Ich hatte bis dahin nicht viel Erfahrung mit Yoga gehabt. Ab und zu, wenn wir irgendwo in den Ferien waren und dort ein Kurs angeboten wurde, machte ich beim Unterricht mit. Aber meistens war es ein enttäuschendes Erlebnis, weil die anderen Teilnehmer machen konnten, was ich nicht konnte und es fühlte sich schmerzhaft und unbequem an. Als Freizeitbeschäftigung hat es mich nie gereizt. Ebenfalls erinnerte ich mich an die kleine Miriam, die ins Yoga ging und mir immer wieder ihr Kennen vorzeigen wollte. Ihre Lieblingsposition war die Lotusblüte. Wie sie aber die Beine vor dem Bauch verschränkte und sie aktiv in den Bauch reindrückte, entwichen aus ihrem Bauch fast immer die angesammelten Gase mit lautem Knall. Eben, bei mir war Yoga mit kaum was Positivem verbunden.

Ende September an einem ungewöhnlich warmen Sonntagmorgen, habe ich mich entschieden, Yoga am See mit Blick aufs Wasser und die Berge auszuprobieren. Es war schön und schrecklich zugleich. Da auf der Wiese zu sein, den See zu beobachten, die Sonne und den Wind auf den Wangen zu spüren war toll. Die einzelnen Übungen waren sehr anstrengend und das was die Anderen mit links erreichten, hat mich grosse Mühe gekostet und verursachte einiges an Schmerzen und unangenehmen Gefühlen. Ich und aufgeben. Das Wort gibt es in meinem Vokabular nicht. Wenn die anderen drei Minuten auf dem Kopf stehen können, bin ich sicher, dass ich es auch lernen kann. Das ist doch eine Sache der Übung. So habe ich mich ihnen angeschlossen und begann unter Anleitung aber auch zu Hause in der Stube auf dem Teppich den Kopfstand zu üben. Die ersten Versuche fühlten sich nicht angenehm an aber mit steigender Anzahl der Übungen wurde es leichter und angenehmer. Ja es geht tatsächlich, auf dem Kopf zu stehen, an nichts zu denken (Oh wie wunderbar) und die Position zu geniessen.

Eine andere Sache ist mir am Anfang sehr schwergefallen. Die Übungen sind sehr oft mit geschlossenen Augen durchzuführen. Das war am Anfang für mich gar nicht möglich. Ich muss Kontrolle haben und sie aufzugeben ist gar nicht so einfach. Ab und zu, wenn ich die Kontrolle bewusst versuche aufzugeben, kehrt sie zu mir zurück. Sich einzuschliessen, loszulassen, die Augen geschlossen zu haben, war am Anfang ein Ding der Unmöglichkeit. Erst nach einer gewissen Zeit, habe ich die Augen “fast” geschlossen aber dennoch einen kleinen Spalt offengelassen. Es dauerte fast ein Viertel Jahr bis ich die Augen endlich schliessen konnte. Heute kann ich viele der Übungen mit geschlossenen Augen machen und ich habe begonnen es zu geniessen mit mir selber in zeitlosem Raum zu sein.

Nein, ich bin nach den paar Wochen kein Profi geworden (UNMÖGLICH – die Grenze nach oben ist unerreichbar – das habe ich mittlerweile begriffen). Aber heute habe ich, nicht wie am Anfang Muskelkater nach einer Stunde. Ich kann sicher drei Minuten auf dem Kopf stehen und beginne zu überlegen, mich an die Position “Skorpion” heranzuwagen. Ich komme immer noch nicht nach bei den Atemübungen (aber finde sie nicht mehr lächerlich wie am Anfang). Ich geniesse sehr die Phasen der Anstrengung und der Entspannung und des Loslassens. Vor allem bin ich nach den Übungen wie ausgewechselt. Ich habe viel Geduld, bestimmte Sachen verlieren an Wichtigkeit und der Körper ist in den paar Wochen wesentlich elastischer geworden.

Sofern ihr gute Vorsätze fürs neue Jahr plant, wäre vielleicht Yoga ein Versuch wert, wobei nicht zu denken ist, dass man es nach zehn Stunden im Griff hat!

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